Er ist ein Phänomen: Die Gesamtauflage seiner Bücher liegt bei 275 Millionen Exemplaren in 42 Sprachen, mehrere seiner Justizthriller wurden verfilmt. Und John Grisham, einst selbst als Strafverteidiger tätig, legt noch immer Jahr für Jahr ein neues Buch vor – und findet immer wieder neue Seiten am US-Justizsystem, aus denen er gelungene Spannungsromane stricken kann.

Im aktuellen Thriller geht es um einen Berufsstand, der hohes Ansehen genießt: Richter. Um die schwarzen Schafe unter ihnen kümmert sich in den USA eine eigene Behörde, die Beschwerden nachgeht. Die Ermittlerin Lacy Stoltz (bereits bekannt aus dem Roman "Bestechung") hat also jede Menge Erfahrung mit unwürdigem Verhalten und Korruption, aber nun wird sie plötzlich mit Mord konfrontiert: Ein Richter soll mehrere Menschen erdrosselt haben, und das aus eher banalen Gründen wie der Verweigerung einer Anstellung. Weil er in unterschiedlichen Bundesstaaten mordete und mit seiner Rache mitunter Jahrzehnte wartete, geriet er nie ins Fadenkreuz der Polizei. Erst die Dienstaufsichtsbeschwerde durch die Tochter eines Opfers, die selbst unter Todesangst leidet, bringt den Fall ins Rollen – den Lacy nach einigem Zögern annimmt.

John Grisham. Der Verdächtige. Heyne, 416 Seiten, 24,95 Euro.
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Nach und nach entwickelt Grisham die Geschichte aus den Perspektiven von Lacy und ihrer Informantin. Im zweiten Teil betritt auch der Mörder den Schauplatz, und man kann den unterschiedlichen Protagonisten beim Katz-und-Maus-Spiel praktisch über die Schulter schauen. Gut konstruiert, souverän (wenn auch mit einigen Längen) erzählt: John Grisham garantiert noch immer gute Unterhaltung.