Roman über zwei FamilienVom Silberfuchs der Schweigemutter

Alois Hotschnig veröffentlicht nach 20 Jahren wieder einen Roman. Ein starkes Stück über zwei Familien.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Alois Hotschnig schreibt entlang einer realen Geschichte © rupert larl
 

Wie ein roter Faden flattert die Geschichte von Peer Gynt, dem mythologischen norwegischen Fantasten, und seiner Mutter Ase durch das Leben von Heinz Fritz. Der Held im Roman „Der Silberfuchs meiner Mutter“ von Alois Hotschnig hat eine reale Entsprechung: Heinz Fitz (ohne R!), Schauspieler am Landestheater in Innsbruck, an dessen Biografie der in Tirol lebende Kärntner Autor „entlang erzählt“, wie er am Ende seines Buches erläutert.

Als Sohn einer norwegischen Mutter, die sich mit einem österreichischen Wehrmacht-Soldaten eingelassen hatte, kam er 1942 zur Welt. Seine Mutter, als „Nazi-Hure“ von ihrer Familie verstoßen, musste das Kind schnell abgeben. Es wurde in einem „Jugendborn“-Heim in Vorarlberg aufgezogen, wo die Nazis arisch reinen Nachwuchs heranzüchten wollten. Nach Kriegsende suchte und fand die Norwegerin Gerd, die in Österreich Gerda genannt wurde, ihren Sohn, doch das Verhältnis blieb für beide lebenslang gestört: „Bist du es oder bist du es nicht?“

Alois Hotschnig. Der Silberfuchs meiner Mutter. 224 Seiten, Kiepenheuer & Witsch, 20,60 Euro Foto © KK

Die Mutter, eine Epileptikerin und psychisch labil, heiratete einen anderen, der verlorene Sohn wächst mit Stiefvater und Halbgeschwistern auf. Die Schweigemutter, die über vieles nie reden wollte, bleibt für ihn ein Rätsel. Erst nach ihrem Tod deuten alte Briefe und der Kontakt zu einem norwegischen Verwandten an, dass die Geschichte auch ganz anders hätte sein können. Zwei weit voneinander entfernte Familien erzählen zwei unterschiedliche Wahrheiten im Rahmen dieser literarischen Spurensuche. Dass die Romanfigur Heinz Fritz seine Berufung als Schauspieler findet, in der Literatur, in Theater und Film, rettet ihn: „Alles, was ich auf der Bühne erlebt habe, habe ich vorher schon erlebt, nur viel realistischer.“

In ruhigem, nüchternen Ton, fast protokollartig erzählt Hotschnig, der zuletzt vor allem mit Dramen und Erzählungen von sich hören ließ, diese Geschichte rund um Herkunft, Identität und Liebe. Der Silberfuchs, den die Mutter ihr Leben lang in Ehren hielt, war ein Geschenk des Nazi-Vaters aus seiner Zeit in Norwegen. Der Pelzkragen schützt und schmückt zärtlich diese berührende Familien-Geschichte.

Zum Buch

Alois Hotschnig.
Der Silberfuchs
meiner Mutter. 224 Seiten,
Kiepenheuer & Witsch,
20,60 Euro

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!