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KolumneLiessmann: Die klassischen Werke der Weltliteratur entsprechen nicht immer unseren moralischen Vorstellungen. Sollen sie deshalb gecancelt werden?

Sind Ovid, Dante und Shakespeare eine Gefahr für angehende Akademiker? Manch eine Volte der aktuellen Cancel Culture lässt dies vermuten.

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Darf man jungen Menschen alles zumuten? Nein, wir sprechen hier nicht von den psychischen und sozialen Folgen der Corona-Epidemie, sondern über die großen Werke der Weltliteratur. Es mehren sich die Stimmen, die im Zuge einer kritischen Revision der kulturellen Tradition die gewaltverherrlichenden und sexistischen Dichtungen von Homer, Ovid und Dante, aber auch von Shakespeare und Schiller am liebsten aus kulturwissenschaftlichen Studiengängen kippen würden. Derartige Texte passten nicht mehr in das moralische Korsett unserer Zeit, die Gefahr, dass angehende Akademiker daran seelischen Schaden nehmen, dass durch politisch inkorrekte Verse gar posttraumatische Belastungsstörungen ausgelöst werden könnten, sei zu groß. Zumindest müssten diese gefährlichen Bücher mit entsprechenden Warnungen versehen werden.

Kommentare (3)
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RainerFr1
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Wahrheitsministerium

Die Lösung ist ein Wahrheitsministerium nach Orwell

zweigerl
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Ein Geschäftskalkül

Den seriösesten Strang der Kunst zu zensurieren, nämlich die Klassiker der Weltliteratur, ist in einer hyperliberalen Gesellschaft, die Pornografisches, Schwerkriminelles, unendlich Gewalttätiges über das Internet sogar für Kinder zugänglich macht, ein heuchlerischer Schildbürgerstreich. Es geht nicht um die Abschaffung des Menschen, der "homo creator" sitzt gottgleich, wenn ihn nicht gerade eine Pandemie bedroht, ganz oben auf dem Thron der Schöpfung, Es geht um die Durchsetzung kommerzieller Interessen, übrigens auch für die minderwertige, derzeit abgemeldete Gegenwartskunst, welche die Dominanz des Beständigen als geschäftsschädigend empfindet. "Geht doch bitte gefälligst ins Theater, auch wenn das neueste Stück ein ziemlicher (Kotz-)Brocken ist, statt die abgefuckten alten Texte zu lesen!", lautet insgeheim die Forderung des Kunstbetriebs, der endlich wieder verdienen möchte.

LaPantera69
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„Gefährliche Literatur der ethisch Erhabenen“ oder „Entartete Kunst in den 1930ern“ — die Methode ist eine ähnliche

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