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LiteraturÖsterreichischer Buchpreis: Shortlist veröffentlicht

"Das flüssige Land" von Raphaela Edelbauer steht nicht nur für den Österreichischen Buchpreis auf der Shortlist, sondern auch für den Deutschen Buchpreis.

Die Schrifstellerin Raphaela Edelbauer
Die Schriftstellerin Raphaela Edelbauer © APA
 

Die junge Wiener Autorin Raphaela Edelbauer hat weiterhin die Chance auf ein besonderes Double. Wie schon 2017 Robert Menasse mit "Die Hauptstadt" steht sie mit ihrem Roman "Das flüssige Land" nicht nur für den Deutschen Buchpreis, sondern auch für den Österreichischen Buchpreis auf der Shortlist. Mit ihr rittern Sophie Reyer, Karl-Markus Gauß, Clemens J. Setz und Norbert Gstrein um den Preis.

Der Deutsche Buchpreis wird am 14. Oktober vergeben, der Österreichische am 4. November. Von der Longlist hat die diesjährige Jury (bestehend aus der Germanistin Pia Janke, dem Buchhändler Robert Renk, der Journalistin Anne-Catherine Simon sowie den Literaturkritikern Christian Schacherreiter und Uwe Wittstock) nun fünf Titel gestrichen, darunter Bücher so prominenter Autoren wie Gerhard Roth oder Marlene Streeruwitz. Verblieben ist nun ein Quintett, das sich Hoffnungen auf die mit 20.000 Euro dotierte Auszeichnung, die heuer zum vierten Mal vergeben wird, machen darf.

An Raphaela Edelbauers Debütroman "Das flüssige Land" lobt die Jury "originelle, starke Bildsprache und surreale Situationskomik". Die 1990 geborene Wienerin lässt eine junge Physikerin nach dem Tod ihrer Eltern in deren geheimnisvollen Heimatort fahren. Riesige Hohlräume drohen einzustürzen und den Ort samt der Bewohner zu verschlingen, die Sünden der Vergangenheit rächen sich in mehrfacher Weise. "Eine gekonnte österreichische Groteske", befindet das Auswahlgremium.

"In 'Die abenteuerliche Reise durch mein Zimmer' beweist sich Karl-Markus Gauß einmal mehr als stilistische Instanz Österreichs", meinen die Juroren. Das Buch des Salzburgers führt durch seine eigenen vier Wände und von dort hinaus in die weite Welt. Die Themen, die dabei angeschnitten werden, sind so vielfältig wie überraschend. "Was es zur Duschhaube zu sagen gibt, vermochte bisher niemand durchdachter und geistreicher als Gauß auszudrücken", heißt es etwa.

"Norbert Gstrein ist ein Meister des 'zwielichtigen' Erzählens", führt die Jury in Zusammenhang mit dem Roman "Als ich jung war" des in Hamburg lebenden Tirolers aus. Die Handlung spielt in Wyoming und in Tirol, sie entwickelt sich wie ein Krimi, ohne, dass ein Kriminalfall eindeutig erkennbar wäre. "Norbert Gstrein setzt Zeichen um Zeichen. Man folgt seinem Konstrukt und seinem bewundernswert klaren Satzbau mit Spannung, aber im Gegensatz zum Detektivroman gibt es hier kein Superhirn, das die Zeichen eindeutig interpretieren könnte."

"Sophie Reyer verwebt in ihrem Roman Realität und Imagination, Wach-, Wunsch- und Albträume, sodass das Erzählte auch als Einbildung einer einzigen Figur lesbar wird, ohne dass diese Spannung bis zuletzt aufgelöst wird", heißt es über "Mutter brennt" der 1984 geborenen Wienerin. Der Roman über eine alleinerziehende Mutter und ihre beiden (möglicherweise gar nicht real existierenden) Kinder zeichne sich "nicht nur durch eine besondere Musikalität, sondern auch durch eine große Eindringlichkeit des Tons aus", befindet die Jury.

Als "ein Meister der Erzählung in der Tradition der schwarzen Romantik" wird der junge Grazer Clemens J. Setz gerühmt. "Er verfügt über einen beneidenswert genauen Blick auf die Lebensverhältnisse der Gegenwart, eine strahlend frische Sprachkraft und einen überaus klugen Witz." Nominiert ist der Erzählband "Der Trost runder Dinge", in dem die Normalität immer wieder in Schieflage gerät. Mal wird das Absonderliche in aller Ruhe als das Selbstverständliche geschildert, mal gerät das sorgsam ausbalancierte Leben allmählich ins Kippen.

Marko Dinic, Angela Lehner und Tanja Raich sind bereits seit längerem in der Endrunde für den Debütpreis, der gleichzeitig mit dem Buchpreis vergeben wird und mit 10.000 Euro verbunden ist. Die übrigen Finalisten beider Preise erhalten jeweils 2.500 Euro.

Der Österreichische Buchpreis wird vom Bundeskanzleramt, dem Hauptverband des Österreichischen Buchhandels und der Arbeiterkammer Wien ausgerichtet. Die bisherigen Auszeichnungen gingen an Friederike Mayröcker (2016), Eva Menasse (2017) und Daniel Wisser (2018), die Debütpreise an Friederike Gösweiner (2016), Nava Ebrahimi (2017) und Marie Gamillscheg (2018).

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