EröffnungLeipziger Buchmesse: Zum Auftakt Aufrufe zu Toleranz und Proteste gegen Rechts

Die Leipziger Buchmesser eröffnete am Mittwoch mit einem Plädoyer gegen Ausgrenzung und für Diskurs. 400 Demonstranten protestierten gegen die Präsenz rechter Verlage. Weitere Aktionen sollen folgen.

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Protestaktion gegen rechte Verlage in Leipzig © APA/AFP/dpa/SEBASTIAN WILLNOW
 

Mit einem Aufruf zu Respekt, Toleranz und Vielfalt startet die Literaturbranche auf der Leipziger Buchmesse in den Bücherfrühling. Angesichts des Erstarkens rechter Kräfte und Verlage sagte Börsenvereinschef Heinrich Riethmüller am Mittwochabend bei der Eröffnungsfeier, die gesamte Zivilgesellschaft sei gefordert, sich wieder mehr mit inhaltlichen Themen auseinanderzusetzen und auch extreme Positionen nicht wegzuschweigen. "Ein lebendiger Meinungsbildungsprozess, der geprägt ist von der inhaltlichen Auseinandersetzung, dem Austausch, der Diskussion und der Debatte, ist essenziell für unsere Demokratie", sagte Riethmüller bei dem Festakt im Leipziger Gewandhaus.

Riethmüller verteidigte die Zulassung rechter Verlage zu dem viertägigen Branchentreff. "Wenn wir Meinungsfreiheit ernst nehmen, müssen wir sie auch jenen zugestehen, deren Wertvorstellungen und Meinungen wir nicht teilen, ja deren Ansichten wir sogar für gefährlich halten", sagte er. Im vergangenen Herbst war es auf der Frankfurter Buchmesse zu Tumulten an den Ständen rechter Verlage gekommen. In Leipzig hat die Initiative #verlagegegenrechts Protestaktionen angekündigt.

Etwa 400 Menschen hatten schon am Mittwoch in Leipzig gegen rechte Verlage auf der Buchmesse protestiert. "Wir werden nicht hinnehmen, dass rechte Ideologien auf der Buchmesse verbreitet werden", sagte Rene Arnsburg, Mitinitiator von #verlagegegenrechts auf der Kundgebung vor dem Gewandhaus. Es gehe nicht um ein Verbot, sondern um Widerstand.

Hinter der Initiative stehen mehr als 70 unabhängige Verlage sowie rund 200 Einzelpersonen, die einen Aufruf gegen rechte Stimmungsmache auf der Buchmesse unterzeichnet haben. Auch auf der Messe selbst hat die Initiative Aktionen geplant. "Wir wollen aber keine Tumulte. Die helfen nur den rechten Verlagen, weil sie dann in der Opferrolle sind. Wir wollen eine politische Diskussion und mit den Messebesuchern ins Gespräch kommen", sagte Arnsburg.

Die Leipziger Buchmesse hatte zuvor die Zulassung rechter Verlage verteidigt. "Wenn ein Verlag nicht gegen das Grundgesetz verstößt, kann ihm die Teilnahme auf der Buchmesse nicht verwehrt werden", sagte der Geschäftsführer der Leipziger Messe, Martin Buhl-Wagner, am Mittwoch vor der offiziellen Eröffnung. Man müsse auch schmerzhafte Diskussionen zulassen, auch wenn diese nur Provokationen seien.

Die rechtsgerichtete Wochenzeitung "Junge Freiheit" hatte in der Vorwoche ihre Teilnahme an der Buchmesse zurückgezogen. Durch die Standplatzierung in einem von der Messe konstruierten "rechtsextremen Block" von Verlagen sei eine Teilnahme absolut rufschädigend und wirtschaftlich sinnlos, hieß es in der Begründung.

Bei dem Festakt wurde am Mittwochabend die norwegische Autorin
Åsne Seierstad mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen
Verständigung geehrt. Die 48-Jährige erhielt die mit 20 000 Euro
dotierte Auszeichnung für ihr Buch "Einer von uns" über den
norwegischen Massenmörder Anders Breivik. "Schriftsteller sein
heißt, die Antworten, das Schweigen, das Handeln in Worte zu fassen
und auf Papier zu bringen", sagte Seierstad bei der Preisverleihung.

Bei der Leipziger Buchmesse stellen bis zum Sonntag mehr als 2600
Verlage aus 46 Ländern ihre Neuerscheinungen vor. Gastland ist
dieses Jahr Rumänien.

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