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Beethoven zum 250. GeburtstagEin Übermensch auf dem Thron des Jupiter

Die heroisierenden Beethoven-Darstellungen verdecken das Dunkle, das Leiden des Komponisten, ohne das sein Werk nicht vorstellbar wäre. Versuch einer Dekonstruktion.

Ludwig van Beethoven im Foyer des Grazer Musikvereins
© Christian Jungwirth
 

In den ersten kratzigen Flanellanzug gezwängt steigt der kindliche Konzertbesucher zum ersten Mal die ausladende Treppe hinauf. Oben, wo durch trübes Glas Licht in das Foyer des Musikvereins in Graz fällt, thront ein finsterer Mann. Seine Haltung, sein Blick lassen keinen Zweifel, dass er den Ton angibt im Haus, dass sich seiner würdig erweisen muss, wer hier eintritt. Den Blick stolz über die wuselnden Menschen unter ihm auf ein unsichtbares, fernes Ziel gerichtet, die Locken in kühnem Schwung nach hinten gestreift, sitzt er auf seinem Thron, dessen Armlehnen Adlerköpfe zieren. Auf der Rücklehne windet sich, nackt an den Fels des Kaukasus gefesselt, Prometheus, der Titan, der die Menschheit mit dem Feuer beglückt hatte, wie es der Jupiter der Kunst mit seiner neuen, kühnen Musik tat, die alle Kategorien seiner Zeit sprengte.

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