Bachmann-PreisEröffnung des Wettlesens mit einer medienkritischen Rede

Hubert Winkels hielt heuer die "Klagenfurter Rede zur Literaturkritik", mit der der Bachmann-Preis eröffnet wurde. Außerdem wurde die Lesereihenfolge ausgelost.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
45. Tage der deutschsprachigen Literatur
Eröffnung des Bachmann-Preises mit der "Klagenfurter Rede zur Literaturkritik" © (c) Puch Johannes/ORF
 

Noch vor der offiziellen Eröffnung freute sich die neue Jury-Vorsitzende Insa Wilke: "Die Stimmung in der Jury ist fantastisch." Gemeinsam mit den anderen Juroren darf sie heuer wieder im ORF-Theater in Klagenfurt Platz nehmen, nachdem im Vorjahr alle Juroren per Video zugeschaltet wurden. Neu in der siebenköpfigen Jurorenrunde sind Mara Delius sowie die Autorin Vea Kaiser. Ebenfalls im Studio anwesend: Moderator Christian Ankowitsch.

"Hier sind wir wieder", waren dann auch seine ersten Worte bei der offiziellen Eröffnung. Und während die Grußworte von ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz per Video zugespielt wurden ("Es gilt seit jeher als Ehre, in Klagenfurt lesen zu dürfen. Der ORF als öffentlich-rechtliches Medium ermöglicht die Begegnung mit Autorinnen und Autoren"), war Hausherrin Karin Bernhard persönlich vor Ort, um die neuen Jurymitglieder zu begrüßen. "Es ist das dritte Mal in der Geschichte, dass mehr Frauen als Männer die Jury bilden", betonte die ORF-Kärnten-Chefin. Der ORF lässt sich den Bachmann-Bewerb übrigens rund 500.000 Euro kosten - 400.000 Euro steuert das Landesstudio Kärnten bei, 100.000 ORF/3sat. Allein im ORF-Studio sind 13 Kameras im Einsatz.

Wie wichtig der Bewerb für Klagenfurt ist, betonte denn auch Klagenfurts Bürgermeister Christian Scheider. Er nannte das Wettlesen ein "unverzichtbares Lebenszeichen, das ich im Jahreskalender keineswegs missen möchte." Zu Wort kamen unter anderem Karin Gruber (ORF/3sat) und Vertreter der Sponsoren (BKS Bank, Kelag, Deutschlandfunk, Land Kärnten), die musikalische Umrahmung steuerte das Quartett „Klackradl“ bei.

Die neue Jury-Vorsitzende Insa Wilke sagte in ihren Eröffnungsworten: "Sehr verehrtes Publikum, Sie fehlen uns!" Und sie versprach, gemeinsam mit den Jury-Kolleginnen möglichst laut zu blättern, um für Stimmung zu sorgen. "Es lässt sich nicht ersetzen, dass wir hier in Klagenfurt zusammenkommen", betonte sie. Es fehle die Begegnung, die Kreativität und die "Gerüchteküche". Sie dankte auch ihrem Vorgänger Hubert Winkels, der den jungen Autorinnen und Autoren immer wieder "Türen geöffnet hat". Und die "Tage der deutschsprachigen Literatur" seien keine Insel, denn was diskutiert wird, sei gesellschaftlich relevant.

Der Bachmann-Preis

Tage der deutschsprachigen Literatur.
Lesungen: Do./Fr. 10 bis 15.30 Uhr und Sa. 10 bis 14.30 Uhr
Preisverleihung So. 11 bis 12 Uhr
3sat überträgt live
Insgesamt vierzehn Autorinnen und Autoren lesen um den mit 25.000 Euro dotierten Bachmann-Preis. Aus Österreich mit dabei: Verena Gotthardt, Nava Ebrahimi, Fritz Krenn, Katharina Ferner und Magda Woitzuck.
Juroren: Insa Wilke, Mara Delius, Vea Kaiser, Klaus Kastberger, Brigitte Schwens-Harrant, Philipp Tingler, Michael Wiederstein

Die "Klagenfurter Rede zur Literaturkritik" steuerte dann Hubert Winkels bei, der seit 2010 Juror beim Bachmann-Preis war und den Vorsitz nach seinem Rückzug heuer an Insa Wilke übergeben hat. Auch seine Rede wurde per Video beigesteuert.  "Die bildungsbürgerliche Idee, dass ein politisch engagierter oder zumindest informierter Bürger eines historisch-intellektuellen Hintergrundes bedarf, um starke Maßstäbe zum Verständnis tagesaktueller Informationen zu haben, verliert ihre Attraktivität", stellte er dabei eingangs fest. Seine Rede ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema und Bildung und Literatur in der heutigen Medienwelt und letztlich ein Abgesang auf die klassische Literaturkritik, wie sie ja in Klagenfurt noch durch die ernsthafte Auseinandersetzung von sieben Jurorinnen und Juroren mit den Texten praktiziert wird. Einen Auszug aus der Rede können Sie hier nachlesen.

45. Tage der deutschsprachigen Literatur
45. Tage der deutschsprachigen Literatur Foto © (c) Puch Johannes/ORF

Ab morgen (17. Juni) wird dann um den mit 25.000 Euro dotierten Bachmannpreis gelesen. Und in den Klagenfurter Ring steigen dann auch fünf heimische Autorinnen und Autoren. Wobei der Ring heuer wieder nicht im ORF-Theater stehen wird: Coronabedingt wird es wie schon im Vorjahr eine Spezialausgabe geben, die Lesungen werden via Video eingespielt, die Autorinnen und Autoren werden live zugeschaltet.

Die Lesereihenfolge

Donnerstag
10 Uhr Julia Weber
11 Uhr Heike Geißler
12 Uhr Necati Öziri
13.30 Uhr Magda Woitzuck
14.30 Uhr Katharina Ferner

Freitag
10 Uhr Leander Steinkopf
11 Uhr Anna Prizkau
12 Uhr Verena Gotthardt
13.30 Uhr Lukas Maisel
14.30 Uhr Fritz Krenn

Samstag
10 Uhr Dana Vowinckel
11 Uhr Timon Karl Kaleyta
12.30 Uhr Nava Ebrahimi
13.30 Uhr Nadine Schneider

Aus Österreich mit dabei: Die gebürtige Klagenfurterin Verena Gotthardt studiert Fotografie und Bildende Kunst an der Universität für angewandte Kunst in Wien und hat kürzlich bei Hermagoras einen Band mit Kurzgeschichten („herausgehen“) herausgebracht. Die im Iran geborene und in Graz lebende Nava Ebrahimi wurde im Jahr 2017 mit dem Österreichischen Debütpreis ausgezeichnet, außerdem der 63-jährige Grazer Fritz Krenn, die Salzburgerin Katharina Ferner und die für ihre Hörspiele bekannte Niederösterreicherin Magda Woitzuck. Unter den insgesamt fünf Männern und neun Frauen im heurigen Wettbewerb sind außerdem sieben Teilnehmer aus Deutschland und zwei aus der Schweiz.

Auch ein vielseitiges Programm wird heuer wieder geboten. Alle Infos dazu finden Sie hier.

+

Bachmann-Preis: Die Preisträger seit 2000

Der Bachmannpreis 2021 ging an die in Teheran geborene und in Graz lebende Autorin Nava Ebrahimi für ihren Text "Der Cousin".

APA/ORF/JOHANNES PUCH

Die Deutsche Helga Schubert gewann 2020 die coronabedingte digitale Ausgabe des Bachmann-Preises - sie war da 80 Jahre alt. Die Autorin war zuvor bereits als Jurorin beim Wettlesen mit dabei. Ein Interview mit ihr lesen Sie hier.

ORF

Der Bachmann-Preis 2019 geht an die Salzburgerin Birgit Birnbacher. Die Soziologin erzählte in ihrem Text von einer im Prekariat lebenden Sozialforscherin.

Weichselbraun

Der Bachmannpreis 2018 ging an die in Wien lebende Ukrainerin Tanja Maljartschuk (geboren 1983) für ihren Text "Frösche im Meer".

(c) ORF (Puch Johannes)

Der bislang letzte österreichische Sieger: Ferinand Schmalz gewann den Bachmann-Preis 2017 für seinen Text "mein lieblingstier heißt winter"

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Sharon Dodua Otoo (* 1972 in London) ist eine britische Schriftstellerin, Publizistin und Aktivistin. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Nora-Eugenie Gomringer (* 26. Januar 1980 in Neunkirchen/Saar) ist eine schweizerisch-deutsche Lyrikerin, Rezitatorin und Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2015 für den Text "Recherche". Sie lebt in Bamberg, wo sie seit 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia als Direktorin leitet.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Tex Rubinowitz (* 5. Dezember 1961 in Hannover; eigentlich Dirk Wesenberg) gewann den Bachmann-Preis 2014 mit dem Text "Wir waren niemals hier". Der Deutsche ist Zeichner, Maler, Cartoonist, Reisejournalist und Schriftsteller. Er lebt seit 1984 in Wien.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Katja Petrowskaja (geboren 3. Februar 1970 in Kiew, Ukrainische SSR) ist eine ukrainisch-deutsche Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin und Journalistin. Im Jahr 2013 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis mit dem Text "Vielleicht Esther". Sie lebt in Berlin.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Bachmannpreis 2012: Olga Martynova (* 26. Februar 1962 in Dudinka, Region Krasnojarsk, Russische SFSR, Sowjetunion) ist eine russische Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin. 

(c) dapd (Gert Eggenberger)

Maja Haderlap (* 8. März 1961 in Bad Eisenkappel/Železna Kapla, Kärnten) ist eine österreichische Schriftstellerin. Im Jahr 2011 gewann die Kärntner Slowenin den Ingeborg-Bachmann-Preis mit ihrem Text "Im Kessel".

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Peter Wawerzinek (Geburtsname Peter Runkel, * 28. September 1954 in Rostock) wurde 2010 für "Rabenliebe" mit dem Bachmann-Preis ausgezeichnet. Es war bereits das zweite Mal, das er am Wettlesen teilnahm.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Bachmannpreis 2009 für den Text "Bis dass der Tod": Jens Petersen (* 20. März 1976 in Pinneberg) ist ein deutscher Schriftsteller und Arzt.

(c) AP (Gert Eggenberger)

Tilman Rammstedt (* 2. Mai 1975 in Bielefeld) ist ein deutscher Schriftsteller und Musiker. 2008 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis für seinen Text "Der Kaiser von China". 

(c) AP (Gert Eggenberger)

Bachmann-Preis 2007: Lutz Seiler (* 8. Juni 1963 in Gera) trat zunächst vor allem als Lyriker hervor. Für seinen Debütroman Kruso wurde er 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

(c) AP (Gert Eggenberger)

Kathrin Passig (* 4. Juni 1970 in Deggendorf) ist Journalistin und Schriftstellerin. Im Jahr 2006 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis mit dem extra für den Bewerb geschriebenen Text "Sie befinden sich hier". 

APA/Eggenberger

Thomas Lang (* 19. März 1967 in Nümbrecht, NRW) ist ein deutscher Schriftsteller. Lang studierte Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main und schloss als M. A. ab. Er lebt als freier Autor seit 1997 in München. Den Bachmann-Preis bekam er 2005 für "Am Seil".

(c) APA (GERT EGGENBERGER)

Uwe Tellkamp (* 28. Oktober 1968 in Dresden) wurde 2004 mit dem Bachmann-Preis ausgezeichnet (für einen Auszug aus dem Roman "Der Schlaf in den Uhren"). Sein bekanntester Roman "Der Turm", der 2008 bei Suhrkamp erschien, handelt von den letzten sieben Jahren der DDR bis zur Wende aus Sicht des Bildungsbürgertums in einem Villenviertel Dresdens.

(c) APA (GERT EGGENBERGER)

Inka Parei (* 5. Februar 1967 in Frankfurt am Main) bekam 2003 den Bachmann-Preis für einen Auszug aus dem Roman "Was Dunkelheit war". Sie lebt in Berlin.

(c) APA (GERT EGGENBERGER)

Peter Glaser (* 30. Juni 1957 in Graz) ist ein österreichischer Schriftsteller und Journalist. Er lebt und arbeitet in Berlin.Den Bachmann-Preis 2002 bekam er für den Text "Geschichte von Nichts".

(c) APA (GERT EGGENBERGER)

Michael Lentz (* 15. Mai 1964 in Düren) ist ein deutscher Schriftsteller, Lautpoet, Literaturwissenschaftler und Musiker. Er lebt in Berlin und Leipzig. Bachmann-Preis 2001 für den Text "Muttersterben".

(c) AP (GERT EGGENBERGER)

Der erste Bachmann-Preisträger des Jahrtausends: Georg Klein (* 29. März 1953 in Augsburg) gewann 2000 mit dem Text "Auszug aus einem langen Prosatext".

(c) APA (EGGENBERGER GERT)
1/22

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!