Der Filmemacher Rosa von Praunheim kämpfte für queere Sichtbarkeit, lange bevor Regenbogenflaggen am Parlament wehten und Serien wie "Queer Eye" liefen. Nun wird der in Riga geborene deutsche Film- und Theaterregisseur, Produzent, Autor und Aktivist am 25. November 80 Jahre alt. Er gilt als wichtiger Vertreter des Neuen Deutschen Films.

Will man erklären, was von Praunheim schon alles gemacht hat, muss man weit ausholen. Viele kennen ihn als Regisseur, beispielsweise wegen seiner Filme "Die Bettwurst" oder "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt". Manche erinnern sich an seine glitzernden und plüschigen Kostüme oder an streitlustige Auftritte in TV-Talkshows. Bei "Talk im Turm" sagte er vor Jahren Dinge, die heute selbstverständlich klingen: "Homosexuell zu sein ist eine genauso gleichberechtigte Form der Sexualität."

Diskutiert wurde damals über von Praunheims wohl umstrittenste Aktion. Er hatte 1991 den TV-Koch Alfred Biolek und den Komiker Hape Kerkeling im Fernsehen geoutet. Bei "Talk im Turm" wollte der Moderator wissen, was ihn bewogen habe, andere der Homosexualität zu bezichtigen? Von Praunheim fragte zurück, was das Wort heißen solle, das klinge so eigenartig. "Bezichtige ich Sie der Heterosexualität?"

Schon damals ließ sich beobachten, dass von Praunheim geschickt Fragen stellen kann. In der Sendung erklärte er, es gehe ihm um Verantwortung. Gerade Leute, die in Medien präsent seien, hätten eine Verantwortung zu zeigen, dass Homosexualität eine gleichberechtigte Lebensform sei. "Wir müssen sichtbar sein." Andere kritisierten seine Aktion als übergriffig.

Die Frage, ob er die Aktion bereue, wurde ihm schon oft gestellt. "Bereuen nicht, weil sie das auch selbst nicht bereut haben", antwortet von Praunheim in einem dpa-Interview. Kerkeling und Biolek hätten selbst ein paar Jahre später gesagt, dass sie sich sehr befreit gefühlt und eine große Solidarität erlebt hätten. "Ich war der Buhmann."

Bis heute hat Rosa von Praunheim nach eigenen Angaben rund 150 Filme gedreht. Homosexualität sei keine Privatsache, hat er früher mal gesagt. Gilt das noch? "Ja klar, natürlich. Überhaupt: Sexualität ist keine Privatsache. Man liest ja zum Beispiel immer wieder Geschichten über junge Mädchen, die nie aufgeklärt worden sind. Die nicht wissen, was eine Periode ist. Natürlich ist das keine Privatsache. Das ist auch eine Sache von Eltern, Lehrern, Ärzten."

Er komme aus einer Zeit, als noch Höllenstrafen für sexuelles Fehlverhalten verhängt worden seien. "Deswegen ist das keine Privatsache", sagt von Praunheim. Sondern es sei wichtig, dass Menschen aufgeklärt würden. "Auch Heteromänner."