Fin. Ende. Schluss. Das Buchmonument. Und das Leben. Beides untrennbar miteinander verbunden. "Fin". Dieses Wort setzte Marcel Proust im Frühjahr 1922 ans Ende eines Werkes, das in die Literaturgeschichte eingehen sollte.

15 Jahre lang hat er am siebenteiligen Roman "À la recherche du temps perdu" gearbeitet, auf seiner Suche nach der verlorenen Zeit hatte sich Proust immer mehr von der Welt zurückgezogen, um in einen gigantischen Erinnerungsstrom einzutauchen. Zu seiner Haushälterin Céleste Albaret soll der schwer an Asthma Leidende gesagt haben: "Mein Werk kann erscheinen. Ich werde mein Leben nicht umsonst geopfert haben."

Einige Monate später, am 18. November 1922, starb Proust.
Ähnlich wie im Vorjahr, anlässlich seines 150. Geburtstages, erscheinen auch heuer, zum 100. Todestag, zahlreiche Publikationen, die sich mit dem "Kontinent Proust" und dessen epochalen Leistung der menschlichen Vorstellungskraft beschäftigen.

Das Urkonzept der "Recherche"

Der Proust-Kenner Andreas Isenschmid beleuchtet in seinem Großessay "Der Elefant im Raum" das Verhältnis des Schriftstellers zu seiner jüdischen Herkunft. Proust wurde am 10. Juli 1871 in Paris als Sohn einer jüdischen Mutter und eines katholischen Vaters geboren, am Erzähler der "Recherche" ist jedoch keine jüdische Identität erkennbar.

Schlicht "Proust" heißt ein Band mit den wichtigsten Texten, Zeitschriftenbeiträgen, Vorlesungsnotizen und Karteikarten des Philosophen, Schriftstellers und Literaturkritikers Roland Barthes (1915–80).

Zwar nicht ganz pünktlich zum 100. Todestag, aber dafür umso sensationeller ist eine Publikation des Suhrkamp-Verlages. Anfang 2023 erscheinen die lange verschollenen "75 Blätter", gleichsam das Urkonzept zum Monumentalwerk.

"Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen." Mit diesem Satz beginnt die "Recherche". Auf die Frage, mit welchem Schritt man als Novize in diese Welt treten sollte, sagte Proust-Übersetzter Bernd-Jürgen Fischer in einem Interview mit der Kleinen Zeitung: "Mit dem Schritt ins Bett. Dort fangen Sie zu lesen an. Und lesen dann immer weiter."

Buchtipps:

Marcel Proust. Auf der Suche nach der verlorenen Zeit.
Reclam, 3 Bände, 45,30 Euro.

© kk

Andreas Isenschmid. Der Elefant im Raum. Hanser,
240 Seiten, 26,80 Euro.

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Roland Barthes. Proust. Suhrkamp, 343 Seiten, 28,80 Euro.

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