Die Botschaft ist eindeutig: "Keine Kriege mehr, nur mehr Liebe", singt Neil Young in "Walkin' On The Road (To The Future)", begleitet von Harmonika und Harmonium. Er wisse ja, dass die Zukunft Angst mache, man möge aber mit ihm auf den Weg in eine bessere Zeit aufbrechen. Der schunkelige Folksong befindet sich auf dem am Freitag erscheinenden Album "World Record", das trotz des brennenden Themas, der Rettung der Umwelt, vorsichtigen Optimismus ausstrahlt.

Unter der Regie von Rick Rubin hat Young das zweite Werk mit Begleitband Crazy Horse in diesem Jahr aufgenommen, diesmal nicht in einer Scheune, sondern live im Shangri-La-Studio des Produzentengurus. Insgesamt ist es das 42. Album des Kanadiers. Man kann zusammenfassen: "World Record" - der Titel bezieht sich nicht auf einen Weltrekord, sondern darauf, dass es sich um Lieder über und für die Welt handelt - ist eine schrullig-schöne Hippieplatte (Platte, weil man sie laut Young klangtechnisch am besten auf Vinyl hört). Auch wenn es naturgemäß stilistische Überschneidungen mit dem Vorgänger "Barn" gibt, so unterscheiden sich die beiden Alben grundsätzlich im Gesamtbild.

Die E-Gitarren sind auf "World Record" nicht dominant, die meisten Songs sind von Tasteninstrumenten getragen. Mit dem Einstieg von Nils Lofgren hat sich zuletzt der Sound von Crazy Horse erweitert, der Track "Overhead" etwa ist ein gutes Beispiel, wie er am Piano mit Youngs Mundharmonika harmoniert. In "This Old Planet (Changing Days)" schmiegt sich sein Akkordeon sanft ans Klavier. Letzterer Track ist ein melancholischer Rückblick auf alte Tage mit "großem, blauen Himmel und prickelndem Wasser". Diese Welt gilt es zu retten, Neil Young hat eine Mission - so kauzig er sein mag, wenn nicht er, wer dann soll uns da ins Gewissen singen?

"The Long Day Before" kommt als Country-Folk-Walzer daher, die im Voraus ausgekoppelte Single "Love Earth" als waschechte 60er-Hippie-Schunkelhymne. Aber es wird auch gerockt. "I Walk With You (Earth Ringtone)" baut auf verzerrte Gitarren, ein typischer Crazy-Horse-Song, es knarzt und scheppert mit einem hymnischen Gitarrensolo mittendrin. Feedbacks treiben "Break The Chain" an, es gilt Veränderungen herbeizuführen, da muss auch manchmal eine dröhnende Gitarre den Ton angeben. Elektrische Gitarren mäandern im 15-minütigen "Chevrolet", der Autofan Young macht sich Gedanken über seine Leidenschaft ohne fossile Brennstoffe. Mit einer Reprise von "This Old Planet" klingt "Word Record" aus, einem intimen Moment, in dem man Neil Young ganz nah ist.

"Unterm Strich sind wir begeistert", sagt der 77-Jährige über diese Kooperation mit Crazy Horse und Rick Rubin. "Wir wissen, dass wir etwas Besonderes haben. Musik lebt. Es ist dieselbe Band, Crazy Horse, aber die Musik ist anders als 'Barn'. Musik lebt!"

Anfang Dezember setzt Young dann seine Serie an Wiederveröffentlichungen fort. Sein berühmtestes Album "Harvest" erscheint remastered in einer Box mit einem akustischen Auftritt als Bonus (auf Tonträger und DVD) sowie drei Outtakes und einem dicken Fotobuch mit Liner-Notes. Das Highlight für Fans dürfte ein zweistündiger Film über die Entstehung des Klassikers sein, der als Blu-Ray in der Jubiläumsausgabe beiliegt.