Dass die Graphic Novel „Sandman“ erschien und ihren Schöpfer Neil Gaiman zum Star machte, ist 33 Jahre her. Mindestens genauso lang achtete dieser auch darauf, dass keine Adaption, kein Film, keine Serie entstand, die dem Ausgangsmaterial nicht gerecht geworden wäre. Nun scheint die Zeit gekommen: Auf Netflix ist die erste Staffel von „Sandman“ gestartet, die die ersten beiden Ausgaben der Buchreihe abhandelt.

„Sandman“ in einem Satz zusammenfassen, grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit. Es ist eine Geschichte über Geschichten. Geschichten, die sich keinem Genre, keinem eindeutigen Narrativ unterordnen. Eingebettet in die DC-Welt, tauchen hier Figuren wie John Constantine auf, aber auch William Shakespeare und die Genese seines Stückes „Sommernachtstraum“.

Doch zu Beginn der Handlung (und auch der Serie) steht erst einmal die Gefangennahme des Protagonisten Dream (Tom Sturridge). Dieser ist Herr über die Traumwelten, einer von sieben endlosen Wesen neben Lucifer, Death oder Desire. Im Jahr 1916 will der Magier Roderick Burges (Charles Dance) Death einfangen und sie zwingen, ihm seinen toten Sohn zurückzubringen. Er bekommt stattdessen Dream, der ihm aber keinen seiner Wünsche erfüllen kann oder will. Also hält er, und später sein Sohn, ihn für die nächsten 100 Jahre fest, erst durch eine glückliche Fügung kann Dream entkommen.

Zu diesem Zeitpunkt liegt sein Reich schon in Trümmern. Dream will alles wieder zurechtrücken. Und findet im übernatürlichen sowie in der realen Welt Verbündete wie die Detektivin Johanna Constantine (Jenna Coleman) und Feinde wie Ethels und Burges’ Sohn John Dee (David Thewlis).

Fans der Serie dürfen sich vor allem an der bildgenauen Gestaltung und der getreuen Wiedergabe der Originaldialoge erfreuen. Tom Sturridge begeistert als weltenfremdes Goth-Wesen, das sowohl Verletzlichkeit zeigen kann, aber auch die eiskalte Härte, die Gier nach Macht, die er überkommen muss, soll seine Welt bestand haben. Es ist wie Neil Gaiman einst über „Sandman“ sagte: Um zu überleben, muss man sich ändern.

Die Reise zu dieser Erkenntnis kann sich auf jeden Fall sehen lassen. Kann aber für manche auch verstörend und zu abgedreht sein.