DOCTOR STRANGE IN THE MULTIVERSE OF MADNESS
Bewertung: ****

Wen sehen wir, wenn wir uns im Spiegel betrachten? Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) sieht wohl einen der mächtigsten Magier der Welt. Doch ist er damit wirklich glücklich? Diese Frage stellt sich nicht nur bei der Hochzeit seiner Ex Christine (Rachel McAdams), sondern auch als kurz darauf America Chavez (Xochitl Gomez) aus dem Multiverse in seine Welt hüpft. Sie hat die Macht, durch diese Parallelwelten zu reisen. Und eine dunkle Macht ist hinter ihr her. Um ihr zu helfen, muss Strange sich der Frage stellen, was er eigentlich für eine Person ist. Denn da draußen wimmelt es von alternativen Varianten von sowohl ihm als auch seinen Gegnern. Und jede verfolgt ihre eigenen Ziele. Die Zeiten, in denen man einem Marvel-Film gänzlich ohne Vorwissen folgen konnte, mögen schon lange vorbei sein. Dennoch unterhaltet der neue "Doctor Strange" aufgrund seines hohen Wiedererkennungswerts in der Inszenierung. Hier blitzt die brillante Horrorqualität des Regisseurs Sam Raimi immer wieder durch die gewohnt bombastischen MCU-Actionsequenzen hindurch. Der Hauch eines feinen Genrefilms in einem sich ewig weiterdrehenden Showreel an Superhelden-Massenware. Und die Cameos können sich auch blicken lassen. (sg)
Ein Interview mit Sam Raimi lesen Sie hier.

TAKTIK
Bewertung: ****

Drei Kantinenmitarbeiterinnen einer Haftanstalt sehnen die Weihnachtsfeiertage herbei. Doch es kommt anders. Drei Schwerverbrecher (Harald Krassnitzer, Michael Thomas, Anoushiravan Mohseni) nehmen sie als Geiseln. Marion Mitterhammer ist nebst Michou Friesz und Bojana Golenac als gefangen gehaltene Frau zu sehen, zeichnet aber auch mit ihrem Mann Hans-Günther Bücking für Drehbuch, Regie und Produktion verantwortlich. Nach der wahren Begebenheit einer Grazer Geiselnahme 1996 inszeniert das Duo ein intensives, brutales und entlarvendes Kammerspiel über toxische Männlichkeit. Tolles Ensemble, beklemmende Bilder und Simon Hatzl glänzt als Chefverhandler mit der „Columbo“-Technik. (js)

DER ONKEL/THE HAWK
Bewertung: ****

In seiner zweiten Regiearbeit, die erneut in Zusammenarbeit mit Helmut Köpping ("Hotel Rock'n'Roll") entstand, begeistert Tausendsassa Michael Ostrowski in einer wilden Doppelrolle. 'Lucky' Mike Bittini zockt für sein Leben gern. Längste Zeit galt er als verschollen, doch als sein wohlhabender Bruder Sandro ins Koma fällt, tritt der Genussmensch nach mehrjähriger Abstinenz wieder in Erscheinung. Schwägerin Gloria (Anke Engelke) staunt nicht schlecht, als der Trickbetrüger eines Nachts in die vorstädtische Familienvilla eindringt. Beide verbindet eine gemeinsame Vergangenheit. Die Ankunft des Scharlatans stürzt den bourgeoisen Alltag der angeblichen Vorzeigefamilie ins Chaos. Dunkle Geheimnisse kommen ans Licht. Der neueste Streich der Marke Ostrowski ist ein verspielter Genre-Mix aus Romanze, Kriminalfilm und schwarzer Komödie mit bitterbösem österreichischem Schmäh. Komik und Tragik liegen hier stets dicht beieinander – begleitet von einer Prise Surrealismus. In Nebenrollen amüsieren Hilde Dalik und Simon Schwarz als ungleiches Ehepaar, das ein paar Leichen im Keller hat. Und die nächste Generation Ostrowski ist mit Elisea und Maris Ostrowski ebenso vertreten. (pog)
Ein Interview mit Anke Engelke lesen Sie hier.

NAWALNY
Bewertung: ***

Für einen Spielfilm wäre die Handlung von "Nawalny" zu billig. Doch es ist eine Doku und die Realität ist oft absurd offensichtlich. So auch bei der Vergiftungsaktion des russischen Regimes gegen den Oppositionspolitiker Alexei Nawalny. Der Porträtfilm des jungen kanadischen Regisseurs Daniel Roher ist eine recht glatte Hagiografie. Etwa, wenn er Nawalny beim Füttern eines Ponys filmt oder seine Tochter über seinen möglichen Tod befragt. Im Zentrum steht ein ruhiges Interview mit dem selbstsicheren Sunnyboy Nawalny, während seiner Erholung nach der Vergiftung, gefilmt vom Tiroler Kameramann Niki Waltl. Der porträtierte Held stellt dabei seine erste Reaktion nach dem Erwachen aus dem Koma nach, als ihm Leute am Krankenbett davon erzählen, dass ihm das Nervengift Nowitschok verabreicht worden sei. "Come on! So dumm können sie doch nicht sein!" (maw)
Eine ausführliche Kritik lesen Sie hier.