Keine Streaming-Portale, keine Playlists; damals – wir schreiben die 1970er-Jahre – gab es noch Platten, auf die man sehnsüchtig wartete und die, vor allem in der Provinz, schwer bis gar nicht aufzutreiben waren. Doch Kurt machte über den damals weitverbreiteten Buchclub "Donauland" einen unerwarteten Fang.

Eine Platte von Ten Years After ergatterte er dort. "Space in Time" hieß das schwarze Gold – und satte 150 Schilling kostete die Scheibe. Aber als Kurt, bepackt mit Pickeln und Selbstzweifeln, die Nadel des Plattenspielers aufsetzte, war das für ihn ein knisterndes Erweckungserlebnis, das fortan den Soundtrack seines Lebens bestimmen sollte.

Liebeserklärung an die Musik

Mit "Heart of Gold" hat der steirische Maler und Autor Thomas Griessl eine liebenswerte, nostalgische, vermutlich stark autobiografisch eingefärbte Coming-of-Age-Story geschrieben, die eng verknüpft ist mit den Rock- und Popsongs, die seine Sozialisation begleiteten. Jedes Kapitel ist einem Lieblingssong gewidmet – von Neil Young über Jimi Hendrix bis Tom Waits. "Heart of Gold" ist eine Liebeserklärung an die Musik und eine humorvoll-wehmütige Erinnerung an die Jugend. Die ersten Riffs, die ersten mühsam übersetzen Texte, der erste Kuss, die erste Interrail-Reise.

Doch Griessl verklärt nicht, vielmehr wirft er einen Blick zurück in kritischer Sanftmut; berichtet vom Zauber der ersten Male und der schmerzhaften Erkenntnis, dass das Erwachsenenleben eine stetige Abfolge von Wiederholungen sein wird.

Doch es gibt einen Trost, der nie vergeht, nie verklingt: die Musik. Mittels QR-Code im Buch gelangt man zu den Lieblingssongs von Klaus. Reinhören, reinlesen. In einen Roman, dessen Herz aus Gold mächtig rockt.

Buchtipp: Thomas Griessl. Heart of Gold. Milena,
158 Seiten, 24 Euro.

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