WienGrüne fordern Entfernung von Lueger-Denkmal

Die von der Stadt Wien angekündigte "künstlerische Kontextualisierung" ist den Grünen zu wenig. Politische Debatte um die Statue des früheren Wiener Bürgermeisters und bekennenden Antisemiten geht weiter.

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Das umstrittene Denkmal von Karl Lueger
Das umstrittene Denkmal von Karl Lueger © (c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)
 

Nach der Ankündigung von Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ), das Lueger-Denkmal mit einer künstlerischen Kontextualisierung zu versehen, forderten die Grünen am Montag die Entfernung der Statue. "Lueger wird an unzähligen Orten der Stadt in Form von Platzbenennungen, Denkmälern, Obelisken und Brückennamen verehrt. Das einzige, was einfach entfernt werden könnte - nämlich die Statue Karl Luegers - bleibt fix bestehen", so Kultursprecherin Ursula Berner.

Es sei eine politische Entscheidung, ob eine Statue bestehen bleibe, und nicht eine des Denkmalamts, meinte Berner in Anspielung auf Kaup-Haslers Verweis, wonach eine Prüfung der obersten Denkmalschützer stattfinden müsse, um den Spielraum für die künstlerische Veränderung des Standorts bzw. des Denkmals selbst ausloten zu können.

Berner regte an, die Statue des früheren Wiener Bürgermeisters und Wegbereiters des politischen Antisemitismus in einen Skulpturengarten "mit anderen wichtigen, heldenhaft dargestellten Personen des öffentlichen Lebens" zu stellen, um die Person im Kontext seiner Zeit darzustellen. Außerdem stünde es Wien gut an, den Dr.-Karl-Lueger-Platz umzubenennen. Er könnte künftig etwa - nach der "Pionierin der Antisemitismusforschung" - Erika-Weinzierl-Platz heißen, schlug Berner vor.

Zufriedener mit den Plänen Kaup-Haslers zeigte sich die ÖVP. "Dass man im Zusammenhang mit dem Lueger-Denkmal nun den Weg der künstlerischen Kontextualisierung geht, ist durchaus zu begrüßen. Eine Absage an jede Form der 'Cancel Culture' war für uns von enormer Wichtigkeit, um die erforderliche sachliche Betrachtung zu gewährleisten", hielten der Dritte Landtagspräsident Manfred Juraczka und Markus Figl, ÖVP-Bezirksvorsteher der Inneren Stadt, in einer gemeinsamen Aussendung fest.

Luegers Persönlichkeit verdiene eine differenzierte Betrachtung. "Das historische Gedenken, wie es uns im Lueger-Denkmal begegnet, gilt dem verdienstvollen Bürgermeister und den sozialen Fortschritten seiner Zeit und nicht jenem Politiker, der sich dem politischen Antisemitismus bediente", meinte Figl. Im Zuge der künstlerischen Kontextualisierung müsse der "respektvolle Umgang" im Vordergrund stehen. "Was jedenfalls nicht passieren darf, ist eine Entehrung des Denkmals", betonte Juraczka.

Die FPÖ wiederum forderte die Einbeziehung der Gemeinderäte in die Debatte. Der blaue Kultursprecher Stefan Berger stieß sich zugleich an der Entscheidung der Stadträtin, den "Schande"-Schriftzug auf dem Denkmal vorerst bestehen zu lassen. "Unabhängig von der Person des ehemaligen Bürgermeisters und dessen inakzeptabler antisemitischer Einstellung, ist es nicht hinnehmbar, dass Denkmäler von linksradikalen Randalierern zerstört werden, ohne dass das für diese Gruppe Konsequenzen hat. Wenn man in diesem Fall dem linken Rand nachgibt, stellt sich die Frage, welche weiteren Denkmäler und Kulturgüter zukünftig zerstört werden", formulierte Berger.

Kommentare (3)
Lodengrün
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Einer der prominentesten Künstler

unserer Zeit, Ai Weiwei, sagt im Spiegel er fände es furchtbar das in der USA Denkmäler von den Sockeln gestoßen werden. Damit will man mit der unrühmlichen Vergangenheit nichts zu tun haben, verdrängt sie, verleugnet sie, schämt sich nicht mehr für sie. Lueger ist ein Teil dieser Vergangenheit. Man soll vorbeigehen und sich daran erinnern für was dieser Mann stand. Es fehlt nicht viel und auch unser Adi verschwindet aus den Unterrichtsbüchern. Ja rückwirkend würden wir uns wünschen es hätte ihn nicht gegeben. Das spielt es aber nicht.

Miraculix11
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Und die anderen?

Studiert man die Protokolle des österreichischen Parlaments in den Zwanzigerjahren, so erkennt man, dass neben dem prominenten Christlichsozialen Leopold Kunschak vor allem die Sozialdemokraten Karl Renner und Oskar Helmer zu den prononcierten Antisemiten zählten. Wann immer er konnte, verband Renner die Begriffe "jüdisch" oder "Juden" mit negativen Konnotationen. Es ging ihm nicht um die Schleichhändler in Wien generell, es waren immer die "jüdischen Schleichhändler", die er anklagte. Es ging ihm nicht um das Großkapital und die Banken, es ging ihm um das "jüdische Großkapital", um die "jüdischen Banken".
Wenn so viele Österreicher am 12. März 1938 den Anschluss an das Hitler-Deutschland bejubelten und schließlich auch mit großer Mehrheit dafür votierten, hatte Karl Renner einen nicht unwesentlichen Anteil daran. Der 75. Jahrestag des "Anschlusses" wäre eine gute Gelegenheit für die heutige Sozialdemokratie gewesen, sich von den Anschluss-Propagandisten und den Antisemiten aus den Reihen ihrer Vorgänger zu distanzieren. Die Chance wurde versäumt. Zu spät dazu ist es jedoch nie. (Franz Schausberger, DER STANDARD, 14.3.2013)

Jelineck
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Leider

Sind die Wiener Grünen vernünftigen Vorschlägen nicht zugänglich.