Viennale-StargastMatt Dillon: "Ich bin ein besserer Regisseur als Schauspieler"

Matt Dillon im Gespräch über das Gesundschrumpfen des eigenen Egos und darüber, warum er ein besserer Regisseur als Schauspieler ist.

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Matt Dillon © AP
 

Matt Dillon ist einer der US-Kinostars, die scheinbar mühelos zwischen großen Hollywoodproduktionen und ambitioniertem Independentcinema wechseln. Zu letzterer Kategorie gehört zweifelsohne die surrealistische Parabel "Land of Dreams" von Shirin Neshat und Shoja Azari, der nun bei der Viennale zu sehen ist. Aus diesem Anlass sprach der 58-Jährige mit der APA über das Gesundschrumpfen des eigenen Egos und darüber, warum er ein besserer Regisseur als Schauspieler ist.

Shirin Neshat ist ja eigentlich primär Bildende Künstlerin, was man nun auch wieder an "Land of Dreams" merkt. Hat sich die Arbeit mit ihr von der mit "klassischen" Regisseuren unterschieden?
Matt Dillon: Das Tolle ist, dass sie anders ist als alle Regisseure, mit denen ich bisher gearbeitet habe. Wenn Sie sich alleine anschauen, welche Art Filme sie dreht! Sie ist einerseits eine sehr liebenswerte Person als Kollegin und geht die Dinge auf der anderen Seite mit einem ganz neuen Zugang an. Bei "Land of Dreams" verbindet sie die Welt der Träume mit den Problemen der Welt und mit ihrer eigenen Vergangenheit im Iran. Genau so etwas suchen wir als Schauspieler immer! Wir wollen mit Filmemachern arbeiten, die eine eigene Handschrift haben und nicht nur ein Produkt abliefern wollen.

Die Träume spielen eine große Rolle in "Land of Dreams". Haben Sie persönlich einen Zugang zu diesem Surrealismus?
Der ganze Film ist ähnlich wie ein Traum gebaut. Auch unsere Träume sind nicht rational, auch wenn sie eine gewisse Logik in sich haben. Und ebenso wird in "Land of Dreams" nicht alles erklärt. Das mag ich. Zugleich kann ich als Schauspieler keine Metapher spielen, sondern nur ein menschliches Wesen. Und meine Rolle des Alan ist ein Mensch aus Fleisch und Blut mit eigenen Ansichten.

Wie restriktiv war Shirin Neshat als Regisseurin?
Sie hat mich durchaus nach meiner Meinung und meiner Interpretation gefragt. Sie war interessiert an unserem Beruf, was wichtig ist. Ich habe bisher vielleicht mit einer Handvoll an Regisseuren gearbeitet, die wirklich diese eigene Stimme hatten. Und so etwas beeinflusst die ganze Arbeit am Set.

Sie arbeiten mittlerweile ja auch selbst als Regisseur. Hilft Ihnen das als Schauspieler oder wird es schwerer, Regieanweisungen von Kollegen zu akzeptieren?
Das hat mir total geholfen, weil ich mittlerweile viel mehr Verständnis für die Nöte und Zwänge eines Regisseurs habe. Das hat mein Ego wieder auf eine gesunde Größe reduziert. (lacht) Für mich ist nun klarer, wo meine Verantwortung als Schauspieler liegt - und die liegt primär bei meiner Rolle. Ich bin nicht für das gesamte Erscheinungsbild des Filmes verantwortlich. Ich bin also nicht ungeduldiger mit anderen Regisseuren geworden, sondern kann mit ihnen nun auf einer anderen Ebene kommunizieren.

Möchten Sie künftig weiterhin in beiden Bereichen tätig sein, oder wäre es denkbar für Sie, die Schauspielerei ganz hinter sich zu lassen?
Ich liebe das Regieführen und möchte das auf jeden Fall verstärkt machen. Es ist ein Segen und ein Fluch zugleich, Schauspieler und Regisseur zur gleichen Zeit zu sein. In Hollywood werde ich aber nur als Schauspieler und nicht als Regisseur wahrgenommen. Und das, obwohl ich mit aller Überzeugung sagen kann, dass ich ein wirklich guter Regisseur bin! In mancher Hinsicht denke ich mir, ich bin als Regisseur besser als als Schauspieler.

Inwiefern?
Ich kann das jetzt gar nicht gut erklären, aber ich bin überzeugt davon. Ich weiß, dass ich auch ein sehr guter Schauspieler bin. Aber als Regisseur geht man aus sich heraus, arbeitet mehr mit anderen zusammen und ist nicht nur mit der einen Rolle beschäftigt, die man gerade spielt. Da besteht immer die Gefahr, dass man zu egozentrisch wird. Als Regisseur muss man sich auch um andere kümmern, ihnen helfen.

Können Sie sich da nichts für die Schauspielerei mitnehmen?
Auch als Schauspieler bin ich dann am besten, wenn ich nicht weiß, was ich tue. Ich glaube, dass meine Fehler besser sind als meine Ideen. Das hat eine Weile gedauert, bis ich das begriffen habe. Meine Ideen sind nicht so gut wie meine Bauchentscheidungen. Es bringt nichts, alles zu intellektualisieren, immer nur zu reflektieren. Es ist wichtig für mich, frisch und im Moment zu sein.

Das wäre dann ja aber so ziemlich das Gegenteil zum Beruf als Regisseur...
Man kann auch als Regisseur spontan sein. Vorbereitung ist hier natürlich alles. Ich möchte im Vorfeld alles wissen, was ich für eine Szene wissen muss. Aber am Set selbst muss man dann offen sein.

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