Buch der WocheMurakamis neues Werk: Der Text zum Textil

Locker, entspannt und subtil gibt Haruki Murakami in „Murakami T“ einigen seiner T-Shirts Geschichten mit auf den Weg.

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Haruki Murakami meets press World renowned Japanese novelist Haruki Murakami holds a rare press con
Haruki Murakami © (c) imago/Kyodo News
 

Eigentlich böte das vorliegende Buch keinen schlechten Anlass, um ein kleines Liedchen anzustimmen, zu summen oder zu brummen, diskret und dezent natürlich. So unter dem Motto: „Ein T-Shirt oder Leibchen wünscht Murakami sich“. Allerdings hat er sich diesen Wunsch längst erfüllt, etliche Male schon. Der japanische Literat von Weltgeltung, der im nächsten Jahr ganz, ganz sicher den Nobelpreis bekommt (oder doch wieder nicht), hütet sein Privatleben wie einen Schatz. Das ist durchaus gut und richtig so. Ab und zu lässt er aber auch Details durchsickern.

Vor allem über seine Sammelleidenschaft. Sein Haus muss übersät sein mit Schallplatten, nicht selten sind es kostbare Raritäten. Aber fast ebenso passioniert hortet er T-Shirts, die für ihn häufig auch eine spezielle Bedeutung haben. Jetzt, in „Murakami T“ , erzählt er mehr darüber, es sind quasi Texte zu Textilien. Das Buch dürfte selbst Hardcore-Murakami-Fans keinen Grund liefern, um in Ehrfurcht zu erstarren.

Aber es wäre nicht Murakami, der es stets versteht, selbst kleinen, offenbar belanglosen Dingen Bedeutung zu verleihen, würde er nicht auch bei dieser Schrank- und Kastenschau seiner Erzähl- und Fabulierfreude freien Lauf lassen.

108 seiner T-Shirts präsentiert er, stets ergänzt durch Fotos, und rasch befindet man sich mit Murakami auf einer Weltreise. Sei es hin zu den Galapagosinseln, sei es zu großen Popkonzerten rund um den Globus, zu Marathonläufen, etwa in New York, oder in eine Buchhandlung in Seattle. Originell müssen die Leibchen sein, Markenprodukte lehnt er ab.

Typisch und wunderbar ist Murakamis Gabe, diesen Sammelstücken auch Geschichten zu entlocken. Ein exemplarisches Beispiel dafür ist ein gelbes T-Shirt mit dem Aufdruck „Tony Takitani House“, gekauft in einem Secondhand-Laden in einem kleinen Ort auf der zu Hawaii gehörenden Insel Maui. Der Name Tony Takitani sagte dem Autor absolut nichts, aber er beschäftigte ihn immer wieder, so sehr, dass er beschloss, ihn als literarische Figur in die Welt zu setzen. Das Resultat war die Erzählung „Tony Takitani“ über das Schicksal eines einsamen Großstadtmenschen, im Original 1996 erschienen und kurz danach verfilmt.

Das T-Shirt kostete einen Dollar. Murakami: „Von allen Investitionen, die ich je in meinem Leben getätigt habe, war dies eindeutig die lohnendste“. Lockere, luftige Geschichten, die sitzen und passen.

Haruki Murakami. Murakami T. Dumont, 192 Seiten, 24,95 Euro.

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