CoronaWiener Theater müssen mit Publikumsrückgang kämpfen

Das Burgtheater hatte eine Auslastung von 65 Prozent, die Josefstadt von 60 Prozent: Hatte man in Wien Hoffnung in den Herbst gesteckt, ernüchtern die neuesten Zahlen eher.

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65 Prozent Auslastung im Burgtheater
65 Prozent Auslastung im Burgtheater © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Es sollte ein Herbst der großen Rückkehr auf die Theaterbühnen werden: Die Wiener Häuser starteten Anfang September - mit ausgefeilten Sicherheitskonzepten im Hintergrund - mit geballtem Programm und ebenso viel Energie in eine erneute Corona-Saison. Wie eine APA-Recherche an den großen Sprechtheaterbühnen der Hauptstadt zeigt, kam das Publikum jedoch bisher eher zögerlich zurück. Die Auslastung ist deutlich geringer als zu Vor-Coronazeiten.

Über die Gründe lässt sich in den Häusern mangels systematischer Erhebung nur spekulieren, es dürfte sich wohl um ein Zusammenspiel aus Abneigung gegen FFP2-Masken und Abschreckung durch die herrschende 3G-Regel handeln, wird gemutmaßt. Auch das gute Wetter in den ersten Septemberwochen wird als möglicher Grund genannt. Die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus im Theater sei kein vorherrschender Auslöser, nicht ins Theater zu kommen, schließt die Sprecherin eines Theaters aufgrund bisheriger Publikumsrückmeldungen. Allen Häusern gemein ist die Wahrnehmung, seitens des Publikums "viel Wohlwollen" zu erhalten.

Wie sich die Lage mit der ab 1. Oktober eingeführten 2G-Regel ändern wird (ab dann ist der Besuch von Veranstaltungen mit über 500 Personen nur mehr "genesen" oder "geimpft" möglich), bleibt abzuwarten. Bereits im Vorfeld gekaufte Karten und Abonnements könnten nun aufgrund der neuen Regelungen wieder vermehrt zurückgegeben werden. Bei mehreren Spielstätten unterschiedlicher Größe ergibt sich nun auch der Umstand, dass je nach Standort unterschiedliche Regeln gelten.

Im Burgtheater verzeichnete man seit dem Start am 4. September bis zum vergangenen Sonntag (19. September) eine Auslastung von rund 65 Prozent. Verglichen mit September-Monaten der Vergangenheit ist das ein Auslastungsrückgang von etwa 20 Prozent. Im letzten Herbst vor Corona lag die Auslastung zum Start der Direktion von Martin Kušej im gesamten Monat September 2019 sogar bei außergewöhnlichen 88 Prozent, beim Auftakt ins letzte Jahr von Karin Bergmann im September 2018 verzeichnete man 83 Prozent, wie das Haus gegenüber der APA bekannt gab. Besonders freute man sich über 450 neue Abonnements, die seit dem Sommer verkauft wurden.

Das Theater in der Josefstadt, das bereits am 2. September in die Saison gestartet ist und bis 19. September mit vier Premieren aufwartete, meldet auf APA-Anfrage nach 32 Vorstellungen eine Auslastung von 52 Prozent im Haupthaus und durchschnittlich 77 Prozent in den Kammerspielen, so hält man insgesamt bei einer Auslastung von 60 Prozent. Im Vergleichszeitraum 2019 betrug die Auslastung über die Häuser hinweg durchschnittlich 81 Prozent. Die neue 2G-Regel stellt das Theater vor noch größere Herausforderungen. Während im Haupthaus mit über 500 Plätzen "2G" gilt, bleiben es in den Kammerspielen "3G". Das Prozedere, wie man nun mit nicht geimpften Abonnentinnen und Abonnenten sowie Schulklassen umgeht, sei unklar.

Keine konkreten Zahlen wollte das Volkstheater nennen, das nach der Renovierung nun unter dem neuen Direktor Kay Voges in die erste volle Saison startete. "Wir müssen feststellen, dass die (wohl berechtigten) Warnungen und Verschärfungen in Sachen Covid den Verkauf von Karten nicht beflügeln. Die Kartenverkäufe liegen unter den Erwartungen", heißt es in dem der APA übermittelten Statement. Die Auflösung des "Premierenstaus" in Wien führe dazu, "dass die Aufmerksamkeit auf Produktionen extrem kurz ist und Produktionen nicht in den Köpfen der Zuschauer*innen verankert werden können". Das Volkstheater leide zusätzlich an der Tatsache, "dass alles neu ist (Gebäude, künstlerische Leitung, Ensemble, lange Schließung) und wir feststellen müssen, dass das neue Volkstheater-Angebot noch nicht zur Routine der Wiener*innen gehört". Die Covid-Auflagen würden dazu führen, dass Theater von vielen Besuchern als wenig einladend wahrgenommen werden. "Die aktuellen Verschärfungen - so wichtig diese sein mögen - sind eine weitere Hürde bei der Mobilisierung der Zuschauer*innen", heißt es.

Bei den leeren Plätzen handle es sich auch nicht immer um nicht gebuchte Plätze: So habe es im Volkstheater vermehrt Fälle gegeben, in denen Besucherinnen und Besucher keine aktuell gültigen Tests vorweisen konnten bzw. das Testergebnis nicht rechtzeitig angekommen ist und dadurch der Theaterbesuch doch nicht möglich war. Es gebe aber "auch sehr positives Feedback auf den Umgang des Volkstheater mit der Situation". Die Kontrolle der Nachweise sowie der gestaffelte Einlass, der mittlerweile sehr gut funktioniere, würden positiv angemerkt.

Keines der befragten Häuser kann Angaben darüber machen, wie viele der verkauften Karten kurzfristig nicht in Anspruch genommen werden, da eine digitale Erfassung der tatsächlichen Besucher nicht implementiert ist, weil die Tickets händisch abgerissen werden.

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