Buch der Woche: Sally RooneyUnd manchmal weinen sie dann

In ihrem neuen Roman „Schöne Welt, wo bist du“ schreibt Sally Rooney beredt über die Sprachlosigkeit ihrer auch nicht mehr ganz jungen Generation.

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Pop-Star unter den Literatinnen: Sally Rooney
Pop-Star unter den Literatinnen: Sally Rooney © (c) Fredrik Sandberg / TT News Agency / picturedesk.com (Fredrik Sandberg)
 

Da sind sie wieder: Menschen, die einander möglicherweise lieben, aber dennoch keine Liebespaare werden; Beziehungen, die wachsen, schrumpfen, wiedererblühen – oder auch nicht. Frauen und Männer, die ihr Quantum Unglück in sich tragen, aber das ist nicht weiter schlimm, denn mit dem Glück rechnet ohnehin niemand. Willkommen in der Welt von Sally Rooney, willkommen in ihrem dritten Roman „Schöne Welt, wo bist du“. Hinter dem Titel steht kein Fragezeichen; vielleicht deshalb, weil es keine Frage ist, sondern eine Feststellung.

Mit ihren Romanen „Gespräche mit Freunden“ (2017) und „Normale Menschen“ (2019) avancierte die heute 30 Jahre alte Irin zum Popstar der Literatur und zum Sprachrohr einer Generation, die zwar viel redet, der es aber dennoch die Sprache verschlägt ob der Unwägbarkeiten ihres Lebens und der Düsternis ihrer Zukunft. Den biestigen Hype im Literaturbetrieb macht Rooney übrigens im neuen Roman zum Thema und beweist damit, dass sie doch nicht – wie bisher angenommen – ziemlich humorbefreit ist.

Eine gewohnte Viererkonstellation auch diesmal: Alice, eine gefeierte, aber nervenzerrüttete Schriftstellerin, zieht in die irische Pampa und trifft dort auf den selbstbewussten Arbeiter Felix. Ihre Freundin Eileen arbeitet in Dublin im Literaturbusiness und weiß nicht, ob sie die Freundschaft zu Simon in Liebe umwandeln soll. Die jungen Frauen verkehren nur über E-Mails miteinander, „reden“ über Privates und Politik, stellen fest, dass dieser Planet rapide degeneriert und gelangen zur Einsicht, wie unpassend dieses Leben doch ist. Aber auch das ist nicht weiter schlimm, denn wie sollte es denn aussehen, ein passendes Leben?

Der gekonnt beiläufige Sound, die latente Traurigkeit, das Behandeln von großen Themen ohne große Gesten, die üppigen Dialoge. „Schöne Welt, wo bist du“ ist ein typischer Rooney-Roman, ohne ein Duplikat der Vorgänger zu sein. Da sind sie wieder, diese fernen Roman-Menschen, die so nahe gehen. Und manchmal weinen sie. Aber das ist nicht weiter schlimm. 

Buchtipp: Sally Rooney. Schöne Welt, wo bist du. Claassen,
352 Seiten, 20,90 Euro. 

KK
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