Premierenkritik"Richard II.": Ein Herrscher geht vor die Hunde

Wie fluide Macht ist, skizziert Johan Simons mit „Richard II.“ nach über einem Jahr Wartezeit nun endlich live im Burgtheater. Jan Bülow brilliert als weinerlicher König.

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++ HANDOUT ++ FOTOPROBE BURGTHEATER: 'RICHARD II.'
Ein König, der eigentlich keiner sein will: Jan Bülow in "Richard II." © APA/MARCELLA RUIZ CRUZ
 

Wie Politik funktioniert, hat er nie gelernt. Als er auf den Thron gesetzt wird, ist er zehn Jahre alt. Kein Wunder, dass er zum viel zitierten „schlechten König“ mutiert. Ein Jahr später als geplant, feierte Shakespeares selten gespieltes Königsdrama „Richard II.“ nun seine Premiere im Burgtheater, bei der viele Plätze frei blieben.
Johan Simons inszeniert die Herrschaftsparabel als eine zum Scheitern verurteilte Familienangelegenheit voller politischer Machtspielchen, die einem aus den Nachrichten bekannt vorkommen – inklusive bissige Typenparade. Selbstmitleidskaiser, Opportunistinnen, Befehlsempfänger, Egomanen, Populistinnen, Rückgratlose – alle tummeln sich um den König, der sich in seinem Gottesgnadentum sicher wähnt. Die nächste Generation an Machtmenschen scharrt schon in den Startlöchern: als knurrende, fauchende Hunde.