Theater WaltzwerkVon Faust bis zu Marvels Hulk

Humorvolle Überschreibung des Horror-Klassikers „Frankenstein“ - Markus Achatz vom Theater Waltzwerk schlüpft dabei in sämtliche Rollen.

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Markus Achatz träumt von ,seinem' Geschöpf
Markus Achatz träumt von ,seinem' Geschöpf © DOMINIK ACHATZ
 

Eigentlich ist Viktor gar nicht zufrieden mit seiner Schöpfung: Zu hässlich, zu schmutzig und gar nicht so, wie es sich der ehrgeizige Forscher in seinem Privatlabor vorgestellt hat, ist dieses Wesen geworden. Als es auch noch anfängt zu morden, läuft das Experiment völlig aus dem Ruder. Wie menschlich das Monster mit seinen Sehnsüchten und Ängsten ist und wie monströs der Mensch in seiner Hybris, sich gottgleich zu fühlen erzählt „Schmutzige Schöpfung - Making of Frankenstein“ von Thomas Melle.


Für die österreichische Erstaufführung in Form eines „One-Man-Live-Hörspiels“ schlüpfte Markus Achatz vom Theater Waltzwerk Freitag Abend gleich in sämtliche Rollen des 2008 in Jena uraufgeführten Theaterstücks. Mit einem Fingerschnippen wird er zur nervigen, rauchenden Mutter Viktors, kaugummikauend zum coolen Freund Henry, telefonierend zur Verlobten Betty. Nur mit Hilfe weniger Requisiten und seines vielseitigen musikalischen Begleiters Mathias Krispin-Bucher spielt Achatz seine große darstellerische Bandbreite aus. Die anfängliche Unsicherheit des neu geschaffenen Monsters verkörpert er ebenso überzeugend wie die Ungeduld seines Schöpfers.


Die Freiluftproduktion im malerischen Park des Schlosses Ebenau (mit seiner sehenswerten Attersee-Ausstellung!) wird so zur rasanten Parodie auf Schauerromane, die lustvoll mit menschlichen Allmachtsfantasien spielt. Goethes Faust lässt dabei grüßen („habe quer durch die Fächer studiert, Gentechnologie, Eugenik und Bionik“) ebenso wie die Marvel-Comicfigur „Hulk“. Mit der Sprechblasen-Ästhetik von gezeichnete Comics (etwa in den Würgeszenen) reichern Achatz und seine Frau und Regisseurin Sarah Rebecca Kühl die exakt und schnell wechselnden Choreografien der unterschiedlichen Figuren an, das ausdrucksstarke Mienenspiel und die vielfältigen Toncollagen machen Frankensteins Welt auf der kleinen Bühne im Schlosspark zu einem kurzweiligen Theatererlebnis.
Autor Thomas Melle, der 2006 beim Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt las, erlangte zuletzt vor allem mit seinem Roman „Die Welt im Rücken“ Aufmerksamkeit, in dem er seine bipolare Störung thematisierte.

Stück

Termine: 15. - 22. 8., 20.30h, Schloss Ebenau, karten@waltzwerk.at

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