Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

"Der Setz tritt über alle Ufer"Büchner-Preis für "hochbegabten Ausnahmekönner" Clemens J. Setz

Der Grazer Autor Clemens J. Setz erhält mit dem Georg-Büchner-Preis den renommiertesten Literaturpreis, der im deutschen Sprachraum vergeben wird. Es gibt zahlreiche Reaktionen aus der Literaturszene. Während der Autor mit einem knappen "Vielen Dank" digital reagierte.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Clemens J. Setz 2019 © Max Zerrahn, Suhrkamp
 

Der Grazer Schriftsteller Clemens J. Setz erhält den renommierten Georg-Büchner-Preis 2021. Dies teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit. Der mit 50.000 Euro dotierte Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung im deutschsprachigen Raum und wird seit 1951 verliehen. Übergeben werden soll die Ehrung an den 38-jährigen Setz am 6. November in Darmstadt.

Clemens J. Setz veröffentlichte seinen Debütroman "Söhne und Planeten" 2007 und feierte in den kommenden Jahren Erfolge mit Werken wie "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes" (2011), wofür er den Preis der Leipziger Buchmesse erhielt. 2015 erschein sein viel beachtetes, 1000 Seiten starkes Buch "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre". Zuletzt erschien der Band "Die Bienen und das Unsichtbare" (2020), in dem Setz seine Selbstversuche beim Erlernen von Plansprachen wie Esperanto, Volapük oder Blissymbolic geht.

Der Preisträger selbst hielt sich auffallend zurück. Während Setz auf Twitter regelmäßig mit äußerst bizarren und originellen Tweets auffällt, war sein Posting nach dem Preis von beredeter Kargheit:

Im Lauf des Tages gab es zahlreiche Glückwünsche an die Adresse von Setz. Kunststaatssekretärin Andrea Mayer etwa sagte: „Clemens J. Setz ist ein Autor, der uns von Buch zu Buch aufs Neue zu überraschen weiß, der aber gleichzeitig in jedem seiner Sätze er selbst bleibt. Mit keinem anderen Autor durchmisst man die Untiefen, Unwägbarkeiten und Verrücktheiten des Lebens so, wie mit ihm, egal ob es sich um eine kleine Erzählung, einen umfangreichen Roman oder einen erzählenden Langessay handelt."

Der Grazer Autor, Literaturwissenschafter und langjährige Leiter des Literaturhauses, Gerhard Melzer, war über die Preisverleihung nicht überrascht: "Das war zu erwarten, und Clemens Setz ist ein äußerst würdiger Preisträger." Melzer weiter: "Setz ist für mich ein Autor, der die digitale Welt in ihrer Tiefe erfasst und literarische Ausdrucksformen dafür gefunden hat." In einer bestimmten literarischen Tradition möchte Melzer den Büchner-Preisträger nicht verorten. "Im Nachhinein wird immer versucht, Traditionslinien zu konstruieren. Aber die wirkliche literarische Qualität macht die Einzigartigkeit eines Autor aus."

Andreas Unterweger, Herausgeber der Literaturzeitschrift "manuskripte" und somit Nachfolger von Alfred Kolleritsch, des Doyens der Grazer Literaturszene, bezeichnet Setz als "hochbegabten Ausnahmekönner". Unterweger freut sich darüber, dass in der nächsten "manuskripte"-Ausgabe, die im August erscheint, ein Text von Clemens Setz über die unlängst verstorbene Friederike Mayröcker erschienen wird. Er trägt den Titel "Der Snoopy von Wien". Unterweger erzählt, dass bereits Alfred Kolleritsch geahnt hat, dass von Setz noch Großes zu erwarten ist. Kolleritsch hat in Anspielung auf die Grenzenlosigkeit des Autors gesagt: "Der Setz tritt über alle Ufer".

Die Darmstädter Akademie vergibt den Preis an Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in deutscher Sprache schreiben. Die Preisträger müssen "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten" und "an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben". Zu den Preisträgern gehören Max Frisch (1958), Günter Grass (1965) oder Heinrich Böll (1967). Zuletzt konnte sich im Vorjahr die deutsche Lyrikerin Elke Erb über die Ehrung freuen.

Zur Person

Clemens J(ohann) Setz wurde  am 15. November 1982 in Graz geboren, er ist vielfach ausgezeichneter Schriftsteller und Übersetzer.
Sein Studium der Germanstik und Mathemathik an der Grazer KFU hat er abgebrochen.
2008 nahm er beim Bachmann-Wettlesen teil und gewann den Ernst-Willner-Preis.
Durchbruch 2009 mit dem Roman "Die Frequenzen". 2016 zeigte das Grazer Schauspielhaus eine Dramatisierung des Romans.
Zahlreiche Preise unter anderem 2011 Preis der Leipziger Buchmesse. 2017 Literaturpreis des Landes Steiermark. 2020 Kleist-Preis.

Die Büchner-Preisträger der vergangenen zehn Jahre

Die wichtigsten Publikationen von Clemens J. Setz:

  • "Die Frequenzen", 2009. Residenz.
  • "Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes", 2011. Suhrkamp.
  • "Indigo", 2012. Suhrkamp.
  • "Die Stunde zwischen Frau und Gitarre", 2015. Suhrkamp.
  • "Bot", 2018. Suhrkamp.
  • "Der Trost runder Dinge", 2019. Suhrkamp.
  • "Die Bienen und das Unsichtbare", 2020. Suhrkamp.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!
Kommentieren