LiteraturpreisDer Bachmann-Preis geht an die in Graz lebende Nava Ebrahimi

Der mit 25.000 Euro dotierte Bachmann-Preis geht an die Graz lebende Nava Ebrahimi mit ihrem Text "Der Cousin".

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45. Tage der deutschsprachigen Literatur
Nava Ebrahimi © Puch Johannes
 

Der mit 25.000 Euro dotierte Bachmann-Preis geht an die Graz lebende Nava Ebrahimi für ihren Text "Der Cousin" (den Text gibt es hier zum Nachlesen), den sie am Samstagnachmittag vortrug. Darin trifft die Erzählerin in New York ihren Cousin, der als Tänzer erfolgreich ist. Für sie eine fremde Welt, in der sie schließlich mit ihm das große Trauma der familiären Migrationsgeschichte verhandeln will. "Schon seltsam, du hängst fast nackt an der Fassade, aber keiner von den Leuten hier weiß, wer du wirklich bist", sagt die Autorin, worauf der Cousin antwortet: "Und du? Du hast ein Buch in Ich-Form vollgeschrieben. Du hast dich genauso entblößt. Aber kennt dich deshalb jemand wirklich?"

Für Jurorin Mara Delius handelte es sich um einen "ganz tollen Text, der nicht nur die Spätfolgen einer Migrationsgeschichte" erzählt, sondern sich darum drehe, dem darauf folgenden Anpassungsdruck zu entkommen. Auch für Insa Wilke war es ein Text, der "der Frage nach Möglichkeiten des Ausdrucks im Nicht-Sprechen" nachgehe. Klaus Kastberger, der die Autorin eingeladen hat, lobte in seiner Laudatio den Text als den komplexesten, den er je von Ebrahimi gelesen hat: "Wir sind mit diesem Text mitten in der Gegenwart." Der Text würde fragen: "Wie viel Show brauchen wir, damit wir wahrgenommen werden?" Und er bedankte sich bei seinen Kollegen, dass hier auch "schwierige Texte" eine Chance haben, wahrgenommen - und natürlich sogar ausgezeichnet zu werden.

Nava Ebrahimi wurde 1978 in Teheran geboren und ist in Köln aufgewachsen, wo sie Volkswirtschaftslehre und Journalismus studierte. Sie arbeitete mehrere Jahre als Redakteurin in Köln und Hamburg sowie als Nahostreferentin für die deutsche Außenwirtschaftsförderung. Ihr Debütroman „Sechzehn Wörter“ erschien 2017, ihr zweites Buch, „Das Paradies meines Nachbarn“, 2020. Seit 2012 lebt sie mit ihrer Familie in Graz. Mehr über Nava Ebrahimi lesen Sie hier.

Deutschlandfunk-Preis

45. Tage der deutschsprachigen Literatur
Dana Vowinckel Foto © ORF

Der mit 12.500 Euro dotierte Deutschlandfunk-Preis geht an die Deutsche Dana Vowinckel. Erst am Samstagvormittag hat die 1996 in Berlin geborene deutsche Autorin ihren Text "Gewässer im Ziplock" vorgetragen, in dem sie die Zerrissenheit einer orthodoxen jüdischen Familie seziert. Die Jury zeigte sich einhellig angetan: Für die einladende Jurorin Delius handelte es sich um einen "außergewöhnlichen Text, der den Topos der gepackten Koffer" behandle, Jury-Vorsitzende Wilke sah die Autorin als Vertreterin einer neuen Generation von Autoren, die von der Existenz von Parallelwelten erzählt. Die Autorin studiert seit 2015 Linguistik und Literaturwissenschaft in Berlin, Toulouse, Cambridge und Frankfurt (Oder). Sie arbeitet gerade an ihrem ersten Roman. 

Kelag-Preis

++ HANDOUT ++ BACHMANN-PREIS: '45. TAGE DER DEUTSCHSPRACHIGEN LITERATUR' / 1. TAG DES WETTLESENS
Necati Öziri Foto © APA/ORF/JOHANNES PUCH

Der mit 10.000 Euro dotierte Kelag-Preis geht an den deutschen Autor und Theatermacher Necati Öziri. In "Morgen wache ich auf und dann beginnt das Leben" richtet der Erzähler einen Abschiedsbrief an den Vater, der nach einem langen Aufenthalt als politischer Gefangener in einem türkischen Gefängnis mit einer zweiten Frau ein zweites Leben begonnen und sich von seinem Sohn stark entfernt hat. Kaiser zeigte sich "irrsinnig begeistert", Wiederstein lobte die "perfekten Bilder", Kastberger fühlte sich an Kafkas "Brief an den Vater" erinnert, der gut umgedreht werde.

Necati Öziri, der Philosophie, Germanistik und Neue Deutsche Literatur in Bochum, Istanbul, Olsztyn und Berlin studiert hat, schreibt unter anderem für das Schauspielhaus Zürich, das Maxim Gorki Theater, das Residenztheater München und das Nationaltheater Mannheim. Er ist derzeit Dramaturg beim Theatertreffen der Berliner Festspiele und künstlerischer Leiter des Internationalen Forums, sowie Hausautor des Nationaltheaters Mannheim in der Spielzeit 20/21. Seine Texte drehen sich häufig um die Erfahrungen von Verlust und die Auswirkungen von politisch motivierter Gewalt auf Familien.

3sat-Preis

45. Tage der deutschsprachigen Literatur
Timon Karl Kaleyta Foto © ORF

Der mit 7500 Euro dotierte Kelag-Preis geht an Timon Karl Kaleyta für seinen Text "Mein Freund am See". Timon Karl Kaleyta veröffentlichte mit seiner Band Susanne Blech fünf Alben, schrieb Songs mit Benjamin von Stuckrad-Barre und spielte hunderte Konzerte. Der 1980 In Bochum geborene Autor lebt in Berlin und ist Gründer des Instituts für Zeitgenossenschaft IFZ, mit dem er das Kompendium "Die 100 wichtigsten Dinge" herausbrachte. Eingeladen wurde er von Michael Wiederstein.

BKS-Publikumspreis

Der mit 7000 Euro dotierte Publikumspreis ging an Necati Öziri, der ja schon den Kelag-Preis zuerkannt bekam.

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Bachmann-Preis: Die Preisträger seit 2000

Der Bachmannpreis 2021 ging an die in Teheran geborene und in Graz lebende Autorin Nava Ebrahimi für ihren Text "Der Cousin".

APA/ORF/JOHANNES PUCH

Die Deutsche Helga Schubert gewann 2020 die coronabedingte digitale Ausgabe des Bachmann-Preises - sie war da 80 Jahre alt. Die Autorin war zuvor bereits als Jurorin beim Wettlesen mit dabei. Ein Interview mit ihr lesen Sie hier.

ORF

Der Bachmann-Preis 2019 geht an die Salzburgerin Birgit Birnbacher. Die Soziologin erzählte in ihrem Text von einer im Prekariat lebenden Sozialforscherin.

Weichselbraun

Der Bachmannpreis 2018 ging an die in Wien lebende Ukrainerin Tanja Maljartschuk (geboren 1983) für ihren Text "Frösche im Meer".

(c) ORF (Puch Johannes)

Der bislang letzte österreichische Sieger: Ferinand Schmalz gewann den Bachmann-Preis 2017 für seinen Text "mein lieblingstier heißt winter"

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Sharon Dodua Otoo (* 1972 in London) ist eine britische Schriftstellerin, Publizistin und Aktivistin. Im Jahr 2016 wurde sie mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Nora-Eugenie Gomringer (* 26. Januar 1980 in Neunkirchen/Saar) ist eine schweizerisch-deutsche Lyrikerin, Rezitatorin und Gewinnerin des Ingeborg-Bachmann-Preises 2015 für den Text "Recherche". Sie lebt in Bamberg, wo sie seit 2010 das Internationale Künstlerhaus Villa Concordia als Direktorin leitet.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Tex Rubinowitz (* 5. Dezember 1961 in Hannover; eigentlich Dirk Wesenberg) gewann den Bachmann-Preis 2014 mit dem Text "Wir waren niemals hier". Der Deutsche ist Zeichner, Maler, Cartoonist, Reisejournalist und Schriftsteller. Er lebt seit 1984 in Wien.

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Katja Petrowskaja (geboren 3. Februar 1970 in Kiew, Ukrainische SSR) ist eine ukrainisch-deutsche Literaturwissenschaftlerin, Schriftstellerin und Journalistin. Im Jahr 2013 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis mit dem Text "Vielleicht Esther". Sie lebt in Berlin.

(c) APA/GERT EGGENBERGER (GERT EGGENBERGER)

Bachmannpreis 2012: Olga Martynova (* 26. Februar 1962 in Dudinka, Region Krasnojarsk, Russische SFSR, Sowjetunion) ist eine russische Lyrikerin, Essayistin und Übersetzerin. 

(c) dapd (Gert Eggenberger)

Maja Haderlap (* 8. März 1961 in Bad Eisenkappel/Železna Kapla, Kärnten) ist eine österreichische Schriftstellerin. Im Jahr 2011 gewann die Kärntner Slowenin den Ingeborg-Bachmann-Preis mit ihrem Text "Im Kessel".

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Peter Wawerzinek (Geburtsname Peter Runkel, * 28. September 1954 in Rostock) wurde 2010 für "Rabenliebe" mit dem Bachmann-Preis ausgezeichnet. Es war bereits das zweite Mal, das er am Wettlesen teilnahm.

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Bachmannpreis 2009 für den Text "Bis dass der Tod": Jens Petersen (* 20. März 1976 in Pinneberg) ist ein deutscher Schriftsteller und Arzt.

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Tilman Rammstedt (* 2. Mai 1975 in Bielefeld) ist ein deutscher Schriftsteller und Musiker. 2008 erhielt er den Ingeborg-Bachmann-Preis für seinen Text "Der Kaiser von China". 

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Bachmann-Preis 2007: Lutz Seiler (* 8. Juni 1963 in Gera) trat zunächst vor allem als Lyriker hervor. Für seinen Debütroman Kruso wurde er 2014 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

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Kathrin Passig (* 4. Juni 1970 in Deggendorf) ist Journalistin und Schriftstellerin. Im Jahr 2006 gewann sie den Ingeborg-Bachmann-Preis mit dem extra für den Bewerb geschriebenen Text "Sie befinden sich hier". 

APA/Eggenberger

Thomas Lang (* 19. März 1967 in Nümbrecht, NRW) ist ein deutscher Schriftsteller. Lang studierte Literaturwissenschaft in Frankfurt am Main und schloss als M. A. ab. Er lebt als freier Autor seit 1997 in München. Den Bachmann-Preis bekam er 2005 für "Am Seil".

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Uwe Tellkamp (* 28. Oktober 1968 in Dresden) wurde 2004 mit dem Bachmann-Preis ausgezeichnet (für einen Auszug aus dem Roman "Der Schlaf in den Uhren"). Sein bekanntester Roman "Der Turm", der 2008 bei Suhrkamp erschien, handelt von den letzten sieben Jahren der DDR bis zur Wende aus Sicht des Bildungsbürgertums in einem Villenviertel Dresdens.

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Inka Parei (* 5. Februar 1967 in Frankfurt am Main) bekam 2003 den Bachmann-Preis für einen Auszug aus dem Roman "Was Dunkelheit war". Sie lebt in Berlin.

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Peter Glaser (* 30. Juni 1957 in Graz) ist ein österreichischer Schriftsteller und Journalist. Er lebt und arbeitet in Berlin.Den Bachmann-Preis 2002 bekam er für den Text "Geschichte von Nichts".

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Michael Lentz (* 15. Mai 1964 in Düren) ist ein deutscher Schriftsteller, Lautpoet, Literaturwissenschaftler und Musiker. Er lebt in Berlin und Leipzig. Bachmann-Preis 2001 für den Text "Muttersterben".

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Der erste Bachmann-Preisträger des Jahrtausends: Georg Klein (* 29. März 1953 in Augsburg) gewann 2000 mit dem Text "Auszug aus einem langen Prosatext".

(c) APA (EGGENBERGER GERT)
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Von den fünf Österreicherinnen und Österreicher im heurigen Wettlesen schaffte es übrigens nur eine auf die Shortlist, aus der die "preiswürdigen Kandidatinnen und Kandidaten" von der Jury ausgewählt werden - und zwar die mit dem Bachmann-Preis ausgezeichnete Nava Ebrahimi.

Die Preisverleihung

Die Preisverleihung fand heute (20. Juni) um 11 Uhr statt. 3sat hat live übertragen.
Der Bachmann-Preis ist mit 25.000 Euro dotiert.
Weitere Preise: der Deutschlandfunk-Preis (12.500 Euro), der Kelag-Preis (10.000 Euro), der 3sat-Preis (7.500 Euro) und der BKSBank-Publikumspreis (7.000 Euro plus Stadtschreiberstipendium in Klagenfurt).

Kommentare (2)
GordonKelz
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SCHADE, SEHR SCHADE...DASS ICH NICHT

VORLESEN DURFTE...VIELLEICHT BEIM NÄCHSTEN MAL...SCHWEINEREIEN DER POLITIKER GIBT ES IMMER UND GENUG....
Gordon

Shiba1
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Gratulation

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