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KolumneDirk Stermann: Und immer wieder die Inselfrage

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Dirk Stermann
Dirk Stermann © (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
 

Immer wieder einmal muss ich Fragebögen von Tageszeitungen beantworten und immer wieder stoße ich dabei auf die sehr originelle Frage: „Welche drei Dinge würden sie auf eine einsame Insel mitnehmen?“ Diese Frage ist sehr beliebt, man kann fast sicher sein, dass sie in jedem Fragebogen irgendwann einmal auftaucht. Die Insel muss immer einsam sein, niemals wird gefragt: „Welche drei Dinge würden Sie nach Mallorca mitnehmen? Oder Ibiza?“ Nein, Insel einsam und drei Dinge, und zwar exakt drei. Ich antworte jetzt immer: „Wenn ich nur drei Dinge mitnehmen dürfte, würde ich wahrscheinlich nicht hinfahren!“ Was soll das bitteschön für eine bescheuerte Insel sein, auf die man nur drei Dinge mitnehmen darf? Gerade jetzt, wo man endlich wieder verreisen kann? Was nimmt man mit? Mundschutz, Test und Impfpass? Und die Insel muss wahrscheinlich auch einen Babyelefanten-Abstand zur nächsten Insel haben, auf der auch jemand mit drei Dingen sitzt?

Da lob ich mir den Fragebogen der Neuen Zürcher Zeitung, die ich alleine schon deshalb mag, weil ihr bei „Zürich“ ein I verloren ging. Zürch. Vielleicht haben sich die merkantilen Journalisten ausgerechnet, wie viel Tinte man sparen kann, wenn man jeden Tag zigtausendmal einen Buchstaben auslässt. So wie Wal Mart in den USA, deren Gründer Sam Walton „Waltons Market“ gegründet hat, aber aus Geiz auf den Filialen ein paar Buchstaben wegließ. Die Neue Zürcher Zeitung fragte mich nicht nach der Idioteninsel, sondern folgendes: „Ihre Traum-Gästeliste für ein Abendessen? Maximal fünf Leute!“ Da war ich froh und die Antwort fiel mir leicht. „Roger Willemsen. Er ist zwar tot, aber auch als Leiche noch interessanter als viele andere. Die anderen vier Gäste würde ich ihn aussuchen lassen.“

Eine andere Frage war: „Was tun sie am Morgen als Erstes?“
„Aufstehen“ lautete meine Antwort und ich frage mich, welchen Mehrwert diese Frage samt meiner Antwort für die Zürcher hatte, aber Seiten wollen gefüllt werden. Ich erinnere mich an meine Lieblingsantwort bei einem Fragebogen der FAZ. Der Schauspieler Christian Ulmen wurde vor diese Aufgabe gestellt: „Stellen sie sich bitte die Hölle vor.“ Die Redakteurin hatte sich sicher ausgemalt, dass es nun zu dantischen Beschreibungen der Hölle kommen würde, aber der kluge Christian Ulmen antwortete nur mit einem Wort: „Okay.“

Vielleicht würde ich Christian Ulmen auf die einsame Insel mitnehmen. Ihn und unsere beiden Impfpässe, die wir uns morgens nach dem Aufwachen sofort zeigen würden. Dann würde er mich vielleicht fragen: „Dirk, was machst du als erstes nach dem Aufwachen und dem Impfpass-Zeigen am Morgen?“ Und ich antwortete: “Christian, aufstehen. Ich steh immer als erstes immer auf.“ Und spätestens dann käme es knüppeldick in unser Bewusstsein. Wo ist der Kaffee? Mist, den hatten wir zugunsten der Impfpässe zu Hause gelassen. Und im Laufe der nächsten Tage würden wir beide draufkommen, dass man Impfpässe nicht essen kann, nicht einmal grüne.

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