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Roman von Zeruya Shalev.Das Paradies scheint unerreichbar - für Israelis und Araber

Das Schicksal meint es nicht gut mit den beiden Heldinnen im neuen Roman der Bestsellerautorin.

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Die israelische Autorin Zeruya Shalev
Die israelische Autorin Zeruya Shalev © Pepo Schuster
 

Die 50-jährige Architektin Atara macht sich auf den Weg. Sie will die Wahrheit über Rachel, die erste Frau ihres verstorbenen, der Tochter gegenüber gewalttätigen Vaters herausfinden. Auf der Suche nach ihrer Herkunft steckt sie oft fest – im Stau auf der Autobahn und im Gewirr ihrer Gefühle. Die Ungeduld, die Nervosität und der Überdruss werden Kilometer für Kilometer stärker spürbar, denn scheinbar geht es nicht weiter. Bis am Ende doch das Ziel erreicht, die Wahrheit entschlüsselt und vieles auf dem Schrottplatz der Geschichte gelandet ist.

Es ist keine einfache Kost, die die israelische Bestseller-Autorin Zeruya Shalev in ihrem jüngsten Roman ihren Lesern zumutet. Waren es in den Vorgängerbüchern („Liebesleben“, „Mann und Frau“, „Späte Familie“) vor allem obsessive Beziehungsgeschichten, die eben in Israel spielten, so ist es diesmal eine Israel-Geschichte, die an Hand zweier Familien aufgefächert wird.

Der Krieg und die Liebe

Dabei sind es die Frauen, die – zerrissen zwischen Überlebenswillen und Trauer – für die Staatenwerdung Israels bezahlen. Ihre Sehnsucht nach Liebe, die Angst um die Kinder, ihr vergebliches Bemühen, das Schicksal zu beeinflussen, all das machen Atara und die 90-jährige Rachel einander ähnlicher, als es zu Beginn scheint.

Ataras Vater Meno, in erster Ehe kurz mit seiner großen Liebe Rachel verheiratet, war so wie der Vater von Zeruya Shalev in den 1940er-Jahren in einer Terrorgruppe gegen die britische Besatzung in Palästina engagiert. Doch von einem Tag auf den anderen verließ er seine Mitkämpferin Rachel aus vorerst ungeklärten Umständen: „Im Alter von zwanzig Jahren verstand sie mehr vom Krieg als von der Liebe und so gar nichts von den verborgenen Rätseln der Seele.“

Raffiniert und atmosphärisch dicht verwebt die Autorin politische und private Konflikte, erzählt ergreifend von den beiden Frauenleben und schonungslos die Geschichte Israels, was angesichts der aktuellen Ereignisse an Brisanz kaum zu überbieten ist.

Die Schakale jaulen nachts in den Bergen bei Haifa, der Blick auf das Meer ist von Ataras Dachboden aus paradiesisch. Doch das Paradies scheint für die Israelis und Araber unerreichbar weit entfernt.

Buchtipp. Zeruya Shalev. Schicksal. Berlin Verlag,
416 Seiten, 24,90 Euro.

KK
© KK

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