Neuer ComicMademoiselle Juliette lässt sich nicht mit Nazis ein

"Mademoiselle J." ist die rasante Erzählung einer jungen Frau, die am Vorabend des Zweiten Weltkrieges Reporterin werden will: Eine großartige Geschichte, spannend wie ein Krimi - auch jenen zu empfehlen, die sonst nichts mit Comics am Hut haben.

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Juliette folgt einer heißen Spur
Juliette folgt einer heißen Spur © (© 2020 Sente, Verron / Carlsen Verlag, Hamburg 2021
 

Mademoiselle Juliette de Sainteloi kommt aus reichem Hause. Doch will die junge Dame weder zuckersüß sein noch den Geschlechterstereotypen ihrer Zeit entsprechen: Juliette hält ihr Universitätsdiplom in den Händen und am Vorabend des Zweiten Weltkrieges will sie ihren Traum verwirklichen und Reporterin werden. An Krieg glaubt man im Sommer 1937 in Frankreich noch nicht.

"Mademoiselle J." ist ein gerade bei Carlsen erschienener Comic, der in vielerlei Hinsicht bemerkenswert ist: Der Belgier Yves Sentes (Szenarist) und der Franzose Laurent Verons (Zeichner) legen hier ein Comic-Album vor, das eines der besten des ganzen Jahres ist: Es knistert auf jeder Seite vor Spannung, als wäre es ein Krimi. Erzählt wird die Geschichte von Juliette, deren Vater seine Anteile an einer Reederei den Nationalsozialisten verkaufen will. Doch Juliette, die seit ihrer Volljährigkeit mitbestimmen darf, weigert sich zu verkaufen: "Bei allem Respekt für Sie, Vater, niemals, werde ich einwilligen, meine Anteile an diese Leute zu verkaufen!" Die junge und selbstbewusste Dame überzeugt durch Courage, Fingerspitzengefühl, Selbstbewusstsein und Charme.

"Mademoiselle J." wird zum rasant erzählen Page-Turner: Vor der Kulisse eines bedrohten Frankreich nimmt Juliette ihr Leben selbst in die Hand und sucht nach einem Job bei den großen, renommierten Zeitungen von Paris. Doch Mademoiselle erhält eine Abfuhr nach der anderen: "Ein Haufen schrecklicher Machos ist das", macht sie ihrem Ärger Luft. Schlussendlich landet sie bei "Horizon France" und dem griesgrämigen Reporter Daniel Fraiser. Der sehr atmosphärisch gezeichnete Comic ist aber auch eine Erzählung von Liebe und Leidenschaft - voller Dramatik und tragischer Geschehnisse und dabei eine Geschichte aus dem Spirou-Universum erzählt.

Gerade eben wurde bei Carlsen auch der erste Band der Gesamtausgabe von "Spirou und Fantasio: 1938 bis 1943" herausgegeben: Dieser franko-belgische Comic aus der klassischen Schaffenszeit von Comiczeichner Rob-Vel (Robert Velter) handelt von den Abenteuern des Hotelpagen Spirou und seines Freundes Fantasio. Im neuen Sammelband ist die klassische Anfangsperiode dieser über die Jahrzehnte immer wieder von neuen Künstlern betreuten Serie zusammengefasst, angereichert mit vielen biografischen Details zu den Schöpfern - ein Fest für Comic-Liebhaber. Und "Mademoiselle J." wartet dabei mit einer großartigen Schlusspointe auf und schließt damit auch den Kreis zu Spirou.

(© 2020 Sente, Verron / Carlsen Verlag, Hamburg 2021 Gerade eben erschienen: "Mademoiselle J."
Gerade eben erschienen: "Mademoiselle J." © (© 2020 Sente, Verron / Carlsen Verlag, Hamburg 2021

Carlsen Die Spirou-Gesamtausgabe erscheint bei Carlsen
Die Spirou-Gesamtausgabe erscheint bei Carlsen © Carlsen

Die Comics

Yves Sente, Laurent Verron. "Mademoiselle J - Eine Frau. Ein Jahrhundert. 1: 1938: Ich werde niemals heiraten", Carlsen, 64 Seiten, 12,40 Euro. 

Rob-Vel. Spirou und Fantasio Gesamtausgabe - Classic 1: 1938-1943, Carlsen, 320 Seiten, 41,20 Euro.

 

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