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Leben ohne NachtlebeSpielverderber Corona: Warum wir die Nacht vermissen

Die Jungen haben in der Krise viel verloren – auch ihre Nacht. Doch was macht die Nacht aus, und erliegen wir nicht alle und in jedem Alter ihrer Versuchung?

Nightlife auf Distanz: ein Konzert der Flaming Lips
Nightlife auf Distanz: ein Konzert der Flaming Lips © Warner
 

Es hat keinen wirklich überrascht, dass die Eintrittskarten schneller weg waren, als ein Security „Handtasche öffnen“ sagen kann. Der berühmt-berüchtigte Berliner Club Berghain wurde in der Coronazeit zum (derzeit geschlossenen) Museum umfunktioniert. Endlich aus eigener Kraft ins Berghain! Denn wohl noch berühmter als der Club und die Geschichten über ihn sind nur die Türsteher und ihre rigide Einlasspolitik, die allein der Laune der menschlichen Natur folgt. Wer es nicht hineinschafft, der hadert mit dem, was die Essenz der Nacht ausmacht: Was alles hätte passieren können?!

Die Nacht, sie ist vor allem ein Möglichkeitsraum und damit das Gegenteil ihrer gut ausgeleuchteten Schwester, die uns mit sichtbaren und vielen unsichtbaren Regeln brav in der Spur hält. Vergnügen? Bitte nur in homöopathischen Dosen! Ausbruchsversuche? Nur nach Sonnenuntergang! Dem Tag die Arbeit, der Nacht das Vergnügen.
Wer hier mit der Moralkeule kommt, der ist ein Evolutionswunder, also direkt ins Erwachsenenleben eingestiegen. Denn die Sehnsucht junger Menschen, der Fremdbestimmtheit von Eltern über Ausbildung bis Gesellschaft zu entfliehen, ist nichts anderes als ein Freischwimmen aus dem Treibnetz der Alltagszwänge. Somit ist das Vergnügen der Nacht nie nur eines der Jugend, das war es nie. Denn die Nacht oder auch ihr Lockstoff, der Abend, sie lassen die Menschen zusammenrücken, verkürzen die Distanz. Gibt es eigentlich eine Ausgleichszahlung für den Verlust der Nacht? Nein, denn die Sonne der Nacht, die Discokugel, ist durch nichts zu ersetzen.

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