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"Für immer die Alpen"Benjamin Quaderer gewinnt Rauriser Literaturpreis

Der Rauriser Literaturpreis 2021 geht an den aus Liechtenstein stammenden Autor Benjamin Quaderer. Den Förderpreis erhält der Tiroler Martin Mader.

Benjamin Quaderer
Benjamin Quaderer © Jens Oellermann/ Verlag
 

"Für immer die Alpen" hieß das Romandebüt von Benjamin Quaderer. Der Autor aus Lichtenstein hat darin ein "mutiges Porträt voller kritischer Schärfe seiner Heimat Liechtenstein (gezeichnet). Das Debüt zeugt von großer literarischer Reife. Es ist ein Wurf", so die Jury des Rauriser Literaturpreises.

Der Preis wird vom Land Salzburg vergeben und ist mit 10.000 Euro dotiert. Den Förderpreis (mit 5000 Euro dotiert) erhält der Tiroler Martin Mader für den Text "Abstand ist überall". Über ihn urteilte die Jury: "Eine äußerst beeindruckende neue Stimme."

Wie genau die Literaturtage, die heuer zum 50. Mal stattfinden, über die Bühne gehen, steht noch in den Sternen: Geplant ist das Festival von 7. bis 11. April, ob als Online- oder Publikumsveranstaltung, vielleicht auch als Hybrid-Festival, wird sich noch zeigen.

Buchbesprechung von Bernd Melichar

Wohl die meisten Länder dieser Welt sind längst schon auch literarisch kartografiert worden. Und in diesen Büchern geht es dann nicht nur um die zerklüftete Seelenlandschaft der Menschen, auch das dazugehörige Habitat wird psychologisch vermessen. Die meisten Länder, aber Liechtenstein? Die Sonne der Kultur stand bislang offenbar noch nicht so niedrig, dass auch dieser fürstliche Kleinststaat, der hauptsächlich für steuerschonende Großkonten bekannt ist, einen langen Literaturschatten geworfen hätte. Das soll sich jetzt ändern, und das Anbrechen von lichtdurchfluteten Zeiten wird vom Verlagsmarketing mit wahren Jubelchören kundgetan.
Benjamin Quaderer heißt der junge Land- und Menschenvermesser, der mit seinem Debütroman „Für immer die Alpen“ die literarische Bühne betritt, und es ist fürwahr eine schreiberische Großtat, mit der der gebürtige Vorarlberger jenem Kleinstaat, in dem er aufgewachsen ist, ein würdiges Denkmal setzt.

Mehr als 600 Seiten hat dieser mächtige Brocken, der an seinen besten Stellen – und davon gibt es viele – in der funkelnden Gestalt eines aberwitzigen Schelmenromans daherkommt. Quaderer greift für seine Fiktion, die er oft mit jugendlichem Übermut vorantreibt, auf den realen Fall eines Liechtensteiner Bankmitarbeiters zurück, der deutschen Behörden Informationen über mutmaßliche Steuerhinterzieher zugespielt haben soll. Dadurch machte er sich naturgemäß wenig Freunde, dafür zum Erzfeind seines Heimatstaates und musste untertauchen. Bei Quaderer heißt dieser „Verräter“ Johann Kaiser, der aus seinem Exil heraus sein Leben an sich und uns Lesern vorbeifließen lässt. Das ist ein recht liebliches Bächlein zunächst, solange es um die frühe Kindheit geht, wächst aber schnell zum reißenden Fluss an, sobald die sadistischen Zwillingsschwestern auftauchen, die den Kaiser-Buben mit einem Polster ersticken wollen. Der Fluss treibt Johann Kaiser in die Welt hinaus, der Waisenknabe entwickelt sich zum Meisterdieb, dieser zum Meister der Manipulation und Fälschung, dessen Taten immer auch die scheinheilige Welt widerspiegeln, die er betrügt.

Mit dem Schalk im Nacken vollbringt Benjamin Quaderer eine oft waghalsige Alpenüberquerung, und sein Tritt ist für einen Debütanten erstaunlich sicher. Der 31-Jährige besticht und überzeugt durch große Fabulierkunst und Ideenreichtum. Manchmal allerdings wird alles zu viel: zu viele Ebenen, zu viele Spielereien, zu viele Haken, zu viele Figuren, zu viel eitles Zurschaustellen der Schreibmuckis. Da sollte sich Quaderer vielleicht ein Beispiel an dem Land nehmen, über das er auf weiten Strecken zu großartig schreibt: Small is beautiful.

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