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100 Tage KulturlockdownRuhe in Frieden, Kulturnation?

Im Kulturbereich ist es an der Zeit, über den tagespolitischen Tellerrand zu schauen und echte Perspektiven zu entwickeln, damit aus dem Winterschlaf kein Dornröschenschlaf wird. Ein Gastkommentar von Martina Schöggl*.

Kunsthistorikerin und Autorin Martina Schöggl verfasste diesen Gastbeitrag © Pamela Russmann
 

Still ist’s geworden. Die Winterabende 2020/21 verbringen wir einsam auf der Couch, anstatt uns in Konzerten und Ballsälen die Nächte um die Ohren zu schlagen oder uns über Theateraufführungen und Kinoabende die Mäuler zu zerreißen. Kunst und Kultur sind in der Pandemie zum Nebenschauplatz geworden. Produktion und Proben finden reduziert im Hintergrund statt. Das Publikum hat sich schon fast daran gewöhnt, nur noch virtuell an einem reduzierten Alternativangebot des Kulturlebens teilzunehmen.

Während im ersten Lockdown noch energisch die „Kulturnation Österreich“ beschworen wurde und in ihrem Namen die zuständige Staatssekretärin ihren Platz räumen musste, zeigte sich der Kultursektor am 100. Tag des dritten Lockdowns vergleichsweise unaufgeregt. Die Rufe nach Planbarkeit sind kaum noch zu hören. Die Konzepte vom Sommer sind wieder in Schubladen verschwunden. Und von der Krise als Chance, die einen zunehmend kommerzialisierten Sektor auf den Kopf stellen und zu neuen Perspektiven verhelfen könnte, ist auch keine Rede mehr. Hat es sich der Kulturbetrieb im Winterschlaf gemütlich gemacht?

Es ist wohl eher eine Mischung aus Akzeptanz und Resignation, die sich breit gemacht hat. Man wurde gehört. Gelder kommen, langsam aber doch, bei Kulturschaffenden an. Vereine und Institutionen kommen über die Runden, Mieten werden bezahlt, Kurzarbeit greift. Die zumindest oberflächliche finanzielle Stabilität (in einer ohnehin auf Ehrenamt und Engagement bauenden Branche) geht einher mit einem grundsätzlichen Mittragen der Maßnahmen. Innerhalb des Kunstbereichs gibt es ein Bewusstsein und Verständnis dafür, dass andere Bereiche der Gesellschaft, die ebenfalls seit langer Zeit stillstehen, Vorrang oder zumindest genauso Wichtigkeit haben. Die partiellen Öffnungen von Museen lindern außerdem scheinbar die akute Kunstsehnsucht.

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