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BurgtheaterSchlagabtausch zwischen ÖVP-SPÖ wegen Rechnungshof-Rohbericht

ÖVP und FPÖ hatten eine Prüfung der Zeit der Geschäftsführung des jetzigen SPÖ-Kultursprechers Thomas Drozda initiiert. Die ÖVP ortet "roten Seilschaften", die SPÖ verweist auf den finanziellen Niedergang nach der Ära Drozda.

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© APA/GEORG HOCHMUTH
 

Ein Rohbericht des Rechnungshof zum Finanzgebaren des Burgtheaters zur Zeit der Geschäftsführung von Thomas Drozda hat am Mittwoch zu einem politischen Schlagabtausch zwischen ÖVP und SPÖ geführt. Der "Kurier" zitiert aus dem ihm vorliegenden Bericht, im dem etwa "die als durchgehend angespannt zu bezeichnende Finanzlage der Burgtheater GmbH der Geschäftsjahre 1999/2000 bis 2007/08" kritisch gesehen werde, weil die ausreichende Liquidität gefehlt habe.

Die einstigen Finanzkalamitäten des Burgtheaters zur Zeit der Direktion von Matthias Hartmann beschäftigten in den vergangenen Jahren die Gerichte und führten letztlich im Jänner 2020 zu einer Verurteilung der ehemaligen Geschäftsführerin Silvia Stantejsky wegen Untreue und Veruntreuung zu einer zweijährigen bedingten Freiheitsstrafe. Anfang 2019 hatten indes ÖVP und FPÖ eine Prüfung des Rechnungshofes über die Jahre von 1999 bis 2009 initiiert - also zu jener Zeit, in der Thomas Drozda, einstiger SPÖ-Kulturminister, -Bundesgeschäftsführer und nunmehriger Kultursprecher seiner Partei, Geschäftsführer des Burgtheaters war, bevor er 2008 als Generaldirektor zu den Vereinigten Bühnen Wien wechselte.

Viele Belege seien ob der lange zurückliegenden Prüfungszeit laut RH nicht mehr vorhanden, so der "Kurier". Doch habe es die unter der Ägide Stantejsky wegen fehlender Kontrollmöglichkeiten kritisierten Barauszahlungen bereits in der Ära Drozda gegeben, wobei diese sich im fraglichen Zeitraum auf 22,51 Millionen Euro belaufen hätten. Durch ein bei der Hauptkasse eingerichtetes Bankkonto seien indes 36,32 Millionen Euro ausbezahlt worden, was dem Vier-Augen-Prinzip widersprochen habe. Zugleich sei das Volumen der Akonti-Zahlungen massiv erhöht worden, wozu keine gesetzliche Verpflichtung oder kaufmännische Notwendigkeit bestanden habe.

Bei einem Rohbericht fehlt die Replik der jeweiligen Institution, doch der SPÖ-Klub bezog am Mittwoch Stellung zu den Vorwürfen und stellte finanzielle Schwierigkeiten zum damaligen Zeitpunkt in Abrede. Demnach habe Drozda das Burgtheater mit einem Eigenkapital in der Höhe von 15,67 Millionen Euro und einer Eigenkapitalquote von 60 Prozent übergeben - woraus vier Jahre später ein negatives Eigenkapital von 15 Millionen Euro geworden sei. Man verwies darauf, dass Drozda zu keinem Zeitpunkt Gegenstand behördlicher Ermittlungen gewesen sei.

Die ÖVP, die den RH-Bericht einst mit der FPÖ initiiert hatte, sah sich am Mittwoch aber in ihrem Bestreben bestätigt und sendete umgehend eine Rücktrittsaufforderung: "Die roten Seilschaften, die den Burgtheater-Skandal mitzuverantworten haben, müssen aus der Deckung kommen. Und Drozda sollte schleunigst seinen Hut nehmen - bei ihm waren und sind die Kultur, die Finanzgebarung und die Transparenz nicht gut aufgehoben", so ÖVP-Kultursprecherin Maria Großbauer in einer Aussendung.

Eine "mehr als befremdliche" Forderung, befand SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid. Man empfehle Großbauer, sich nicht weiter auf politisches Glatteis zu begeben, so Hammerschmid, "bevor derart falsche und abwegige Behauptungen, die auch eine Klage nach sich ziehen können, aufgestellt werden".

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HRGallist
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Burgtheater. Schlagabtausch zwischen ÖVP-SPÖ wegen Rechnungshof-Rohbericht

Es ist immer erstaunlich, wenn sich Politiker und Parteien, die das Wort „Kultur“ weder mit sachlichem Inhalt füllen geschweige denn buchstabieren können aufplustern, um dem vermeintlichen Gegner Malversionen nachzuweisen. Es ist Usus, dass kulturelle Amterl PolitikerInnen übertragen werden, die man von „höherwertiger“ politischer Teilhabe fernhalten möchte. Entsprechend desolat sind dann auch wirtschaftliche Ergebnisse. Zum Glück verfügen die kulturellen Institutionen über ihr uqqreigenstes Kapital: Kreativität, Leidenschaft und hohes Können auch bei knappen Kassen und politischen „Begehrlichkeiten“. Sie sichern sich damit ihr eigenes Überleben.
Heinz R. Gallist