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CoronavirusDie Auswirkungen auf den Kulturbetrieb werden immer gravierender: Kompensationen gefordert

Von Madrid bis Hamburg kündeten europaweit Kulturinstitutionen Schließungen an. Und nicht nur die heute verkündete Absage der Osterfestspiele Salzburg, die eigentlich erst nach Wirkungsdauer des derzeitigen Erlasses gestartet wären, zeigt: Der Shut Down wird wohl noch länger dauern.

FOTOPROBE VEREINIGTE BUeHNEN WIEN: 'CATS'
Stille auch im Wiener Ronacher: Andrew Lloyd Webbers "Cats" fällt aus © APA/PUNZ
 

Wohin man auch schaut: Die Semperoper und das Staatsschauspiel Dresden etwa machen bis 19. April zu, Hamburger Häuser wie die Hamburgische Staatsoper, das Deutsche Schauspielhaus, das Thalia-Theater oder die Elbphilharmonie, wo am Mittwochabend Popsänger James Blunt ein live gestreamtes Konzert im leeren Saal spielte, stellen bis 30. April den Spielbetrieb ein. Das Kölner Schauspielhaus, die Oper und die Philharmonie sagten bis einschließlich Karfreitag alle Veranstaltungen ab. In den vergangenen Tagen waren schon Theater, Opernhäuser und Konzertsäle in Bayern und in Berlin geschlossen worden. Ab Samstag schließt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz ihre Berliner Museen. In der besonders stark betroffenen spanischen Hauptstadt Madrid haben weltberühmte Museen wie der Prado, das Museo Reina Sofia oder das Thyssen-Bornemisza "bis auf weiteres" geschlossen. Auch das Metropolitan Museum in New York schließt. Große Hollywood-Player wie Paramount und Universal gaben erste Verschiebungen von Filmstarts bekannt. 

In Salzburg informierten die Verantwortlichen der Osterfestspiele, dass alleine bei den Proben für die Hauptproduktion, der Oper "Don Carlo" von Giuseppe Verdi, mit der man planmäßig am 4. April - also einen Tag nach Ablauf des geltenden Erlasses - eröffnet hätte, mehr als die erlaubten 100 Personen auf der Bühne gestanden wären. Bei Arnold Schönbergs "Gurre-Lieder" wären gar mehr als 300 Personen involviert. "Das ist eine Anzahl von Mitwirkenden, die aus Sicht der Fürsorgepflicht der Festival-Geschäftsführer mehr als problematisch ist. Daher haben die Osterfestspiele ersucht, die Aufführungen zu untersagen", sagte Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP) nach der heutigen Sitzung des Aufsichtsrats. Auf einen Ausblick auf die Pfingstfestspiele oder auf die Jubiläums-Festspiele im Sommer wollte sich der Salzburger Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) noch nicht einlassen.

Im Verlauf des Donnerstag entschlossen sich auch immer mehr jener kleineren Kulturinstitutionen, die am Vortag noch ein trotziges bzw. optimistisches "Wir spielen!" verlautbart hatten, sich den Bitten, Sozialkontakte zu minimieren, anzuschließen - vom kleinen Bronski & Grünberg-Theater in Wien-Alsergrund, dem Theater Nestroyhof Hamakom in Wien-Leopoldstadt bis zum Theater Phönix in Linz. Im Ausstellungsbereich wurden die meisten Vernissagen abgesagt, manche Ausstellungshäuser, Galerien und Museen sagen bloß Führungen und Veranstaltungen ab, führen aber den Ausstellungsbetrieb weiter. "Es wird dafür Sorge getragen, dass die empfohlene Personenanzahl von maximal 100 nicht überschritten wird", hieß es etwa seitens der Kunsthalle Wien.

In vielen Ländern werden unter Verweis auf Unterstützung für andere Wirtschaftszweige wie den Tourismus finanzielle Unterstützungen für Kulturinstitutionen wie für einzelne Kulturschaffende gefordert. Der Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien (VBW), Franz Patay, rechnet durch die bis 3. April ausfallenden 25 Musical- und 19 Opernvorstellungen seines Betriebs mit einem Einnahmenverlust von 2,1 bis 2,2 Mio. Euro und "würde gerne so kompensiert werden wie der Rest auch, und nicht schlechter". Den Österreichischen Bundestheatern entgehen derzeit rund 1,3 Mio. Euro Einnahmen pro Woche. Für die künstlerischen Kollektive lote man die Möglichkeiten von Kurzarbeit aus, hieß es. Eine Entschädigung sei zwar gesetzlich nicht vorgesehen, wäre aber "äußerst wichtig", und Einzelne rufen die "Krise als Chance" aus: Gerade eine Situation wie diese zeige, "wie wichtig und sinnvoll faire Anstellungsverhältnisse für alle Museumsmitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind", hieß es seitens des Österreichischen Verbands der KulturvermittlerInnen im Museums- und Ausstellungswesen, der einen Kollektivvertrag für Museumsmitarbeiter fordert.

 

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