AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

Burgtheater-ProzessSilvia Stantejsky bestreitet persönliche Bereicherung

Die langjährige Burgtheater-Geschäftsführerin gab Veruntreuungen zulasten von Ex-Burgtheater-Direktor Hartmann und Regisseur Bösch zu. Die Schadenssumme beträgt 30.000 Euro. Silvia Stantejsky sagt: "Hatte nie vor, mir einen Euro davon zu behalten."

Silvia Stantejsky
Die langjährige kaufmännische Burgtheater-Geschäftsführerin Silvia Stantejsky. © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Zu den ihr vorgeworfenen Untreue-Handlungen und Veruntreuungen versicherte Silvia Stantejsky, sie habe zwar auf fremdes Vermögen zugegriffen, sich damit aber nicht persönlich bereichert. Die Gelder seien ins Burgtheater geflossen: "Ich hatte nie vor, mir einen Euro davon zu behalten. Ich hab' mich nie bereichern wollen."

Laut Anklage soll sich die langjährige kaufmännische
Geschäftsführerin des Burgtheaters Handgelder von Mitarbeitern in
Höhe von rund 33.000 Euro und Honorare des Regisseurs David Bösch sowie des damaligen Burgtheater-Direktors Matthias Hartmann von 185.000 bzw. 163.000 Euro zugeeignet haben. Stantejsky gab das zu, jedoch mit folgender Einschränkung: "Nicht, um es für Wahnsinnsausgaben zu verwenden. Sondern ich habe ganz viel Geld ins Burgtheater gesteckt. Ich würde es gern ungeschehen machen." Sie habe "immer gedacht, dass es weitergeht, dass es weiter gehen muss mit dem Burgtheater". Sie habe "irgendwann nicht mehr trennen
können, was von Hartmann ist, von mir, von Bösch" und auch mit
fremdem Geld "Löcher gestopft". Ein angebliches Darlehen des
Betriebsrats von 77.000 Euro habe dafür ebenfalls hergehalten.

BURGTHEATER UNTREUE-PROZESS: STANTJESKY
Stantejsky vor Prozessbeginn. Foto © APA/HERBERT NEUBAUER

"Das Burgtheater war mein Baby, mein Leben", betonte Stantejsky,
wobei ihre Stimme zu brechen drohte. Es sei in finanzieller Hinsicht
"eine Scheißzeit" gewesen: "Ich wollte, dass es (das Burgtheater,
Anm.) überlebt. Das Schlimmste ist für mich der Vorwurf, dass ich es
geschädigt habe."

Sie selbst habe dem Burgtheater "keine Spesen, keine Ausgaben
verrechnet, um die blödsinnige schwarze Null zu ermöglichen. Ich
habe mein Geld ins Burgtheater hineingesteckt", gab die 64-Jährige
zu Protokoll. Sie behauptete, zwischen 2009 und 2013 aus privaten
Mitteln berufsbezogene Auslagen in Höhe von 110.000 Euro bestritten
zu haben, die sie niemals abgerechnet habe. "Ich habe die Belege
weggeschmissen, als ich entlassen wurde", schilderte sie sichtlich
bewegt. Sie habe "von dem Burgtheater nix mehr sehen wollen. Ich war
in einem Ausnahmezustand."

Dass sie schon länger in psychiatrischer Behandlung stand, gab
sie ihrer Darstellung zufolge an der Burg bewusst nicht preis: "Ich
hatte die Panik, es zu sagen. Ich wusste genau, wie Hartmann
reagiert." Stantejskys Beziehung zum künstlerischen Burg-Chef
Matthias Hartmann dürfte sehr ambivalent gewesen sein. "Das
Verhältnis war sehr davon abhängig, ob er mich gebraucht hat oder
nicht", verriet die 64-Jährige. Hartmann habe sie beispielsweise
"bespitzelt" und sei bevorzugt dann in die Burg gekommen, nachdem er
in Erfahrung gebracht hatte, dass sie nicht zugegen war. Hartmann
dürfte mitunter cholerisch und unberechenbar agiert haben, ging aus
Stantejskys Aussage hervor. So beschrieb die Angeklagte eine Szene,
als eine Sekretärin vom Burg-Impresario entlassen wurde, nachdem sie
es nicht geschafft hatte, sein defektes Handy wieder in Betrieb zu
setzen.

Zum Usus, dass Honorare teilweise in bar ausbezahlt wurden,
teilte Stantejsky mit, dass sei vor allem bei gastierenden Künstlern
und Schauspielern passiert, "die mehrere Konten hatten und die nicht
gewusst haben, auf welches sie das Geld haben wollen". Die habe man
dann in die Kassa zum Geldabholen geschickt. Es habe auch Künstler,
vor allem Musiker gegeben, die auf Bargeld bestanden hätten, "wenn
sie die letzte Note gespielt hatten".

Die Verhandlung wird am Freitag um 9 Uhr fortgesetzt. Das Urteil
könnte - sollte es keine weiteren Beweisanträge geben - am kommenden
Dienstag fallen. Bei einem anklagekonformen Schuldspruch drohen
Stantejsky bis zu zehn Jahre Haft.

 

Zwischen 0 Uhr und 6 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.