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Frankfurter BuchmesseEine Nobelpreisträgerin und mahnende Worte

Zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse blickt die Branche auf positive Marktzahlen, sieht sich aber zugleich in einer gesellschaftlichen Verantwortung. 7.450 Aussteller aus 104 Ländern werden bis Sonntag erwartet.

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Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk beehrt die Buchmesse © APA/AFP/DANIEL ROLAND
 

"Verlagen und Buchhandlungen gelingt es, sich in der wachsenden Medienkonkurrenz zu behaupten", so der Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Heinrich Riethmüller, am Dienstag. Den Besuchern öffnen sich die Messehallen am Mittwoch.

Für die ersten neun Monate 2019 verzeichnete der deutsche Buchmarkt ein Umsatzplus von 2,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. 2018 hatte es noch ein Minus von 1,1 Prozent für die ersten drei Quartale gegeben. Besonders erfolgreich war in diesem Jahr das Sachbuch (plus 9,6 Prozent). "Viele Menschen suchen nach Orientierung und verlässlicher Information, um die gesellschaftlichen Entwicklungen besser verstehen zu können", sagte Riethmüller.

Freiheit des Wortes sei "nicht verhandelbar"

In den heutigen Zeiten ist sich die Branche aber auch ihres wichtigen gesellschaftlichen Auftrags bewusst. So gelte es, Debatten zu den drängenden Fragen unserer Zeit anzustoßen und mitzugestalten - ob zu Themen wie Globalisierung und Digitalisierung, Klimaschutz, Migration oder zur Entwicklung unserer Demokratien, hieß es.

Buchmessendirektor Juergen Boos erinnerte daran, dass das Verlagswesen für eine Vielfalt von Perspektiven und Meinungen stehe, die geschützt werden müsse. "Wir brauchen Autoren, die Missstände aufdecken und dafür hohe Risiken in Kauf nehmen", sagte er. Mit Sorge blickt die Buchbranche auf Autoren, die in ihrem Land Repressalien fürchten müssen. Die Freiheit des Wortes sei "nicht verhandelbar", betonte Riethmüller.

Frankfurter Buchmesse
Frankfurter Buchmesse Foto © (c) APA/dpa/Silas Stein (Silas Stein)

Zum Auftakt der Buchmesse, bei der bis Sonntag rund 7.450 Aussteller aus 104 Ländern erwartet werden, war auch die frischernannte Literaturnobelpreisträgerin Olga Tokarczuk nach Frankfurt gekommen. Sie sei "nicht besonders glücklich" über den Sieg der Nationalkonservativen bei der Parlamentswahl in Polen am Sonntag. Eine zweite Legislaturperiode mit absoluter Mehrheit für die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) sehe sie als bedrohlich für Theater und Museen, die häufig in staatlicher Hand seien.

Eine Zensur für Schriftsteller gebe es nicht in Polen, erklärte die 57-Jährige, die am vergangenen Donnerstag den nachgeholten Literaturnobelpreis für 2018 zugesprochen bekam. Allerdings beobachte sie einen Hang zur Selbstzensur bei einigen ihrer Kollegen, die mit schwierigen Themen nicht anecken wollten. "Ich hoffe, dass das nicht weiter fortschreitet."

Von Knausgard bis Solberg

Am frühen Dienstagnachmittag waren die Ehrengäste aus dem diesjährigen Gastland Norwegen angekommen. Sie reisten mit einem "Literaturzug" an. An Bord: Kronprinzessin Mette-Marit, Kronprinz Haakon und zahlreiche bekannte Autoren wie Maja Lunde ("Die Geschichte der Bienen") und Jostein Gaarder ("Sofies Welt"). Auf der Eröffnungsfeier am Abend sollten neben Norwegens Ministerpräsidentin Erna Solberg auch die Autoren Karl-Ove Knausgard und Erika Fatland als literarische Redner auftreten.

Ein Schwerpunktthema der Messe ist die Erweiterung des Erzählens. Bewegte Bilder bekommen mehr Raum, virtuelle Realität und künstliche Intelligenz werden erstmals breiter behandelt. Ein weiterer Trend sind Audio-Produkte. Erstmals hat die Messe für Hörbücher oder Podcasts einen eigenen Bereich geschaffen.

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