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Bis 6. JännerAlbertina zeigt nach 16 Jahren wieder Dürer

Die Preziosen aus dem grandiosen Bestand des Hauses und herausragende Leihgaben aus aller Welt: Rund 200 Werke des Renaissancemeisters sind bis 6. Jänner zu sehen.

Albrecht Dürer in der Albertina. Bis 6. Jänner.
Albrecht Dürer in der Albertina. Bis 6. Jänner. © (c) APA/HERBERT NEUBAUER (HERBERT NEUBAUER)
 

Das Albertina-Wappentier darf wieder ans Licht. In der großen Albrecht Dürer-Schau, die am Donnerstag eröffnet, hängt der Feldhase an einer Wand zwischen dem "Großen Rasenstück" und dem "Blaurackenflügel". Eigentlich sitzt er ja, allerdings nicht auf der grünen Wiese, sondern auf einem weißen Blatt Papier. "Ein absolutes Meisterwerk an Beobachtung und Wiedergabe", begeistert sich Christof Metzger.

Der Chefkurator der Albertina hat aus dem Vollen schöpfen können. Mit nahezu 140 Arbeiten besitzt die Albertina den weltweit größten und "sicher auch qualitativ hochwertigsten" (Metzger) Bestand an Zeichnungen Albrecht Dürers (1471-1528). Durch herausragende Leihgaben aus aller Welt kann man bis 6. Jänner 2020 an die 200 Werke des Renaissancemeisters anbieten. "Die Anbetung der Könige" kam aus den Uffizien ("Eine Leihgabe, auf die wir besonders stolz sind, und die uns Blut, Schweiß und Tränen gekostet hat", so Metzger), das "Bildnis eines bartlosen Mannes" aus dem Prado, das frühe nackte Ganzkörperselbstporträt aus Weimar, der "Heilige Hieronymus" aus Lissabon und die grausame "Marter der zehntausend Christen" aus dem Kunsthistorischen Museum.

Für Albertina-Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder sind es aber nicht nur die zahlreichen neuen Leihgaben, die diese Ausstellung von jener aus dem Jahr 2003 unterscheiden, die 430.000 Besucher anlockte. Dank des vielfältig gezeichneten Bildes - neben den Zeichnungen gibt es auch rund ein Dutzend Gemälde sowie persönlichen Aufzeichnungen zu sehen - gebe es durchaus "einen neuen Dürer" zu entdecken. Auch die Provenienzforschung habe in den vergangenen 16 Jahren "große Fortschritte gemacht". Manche Zuschreibungen haben sich (wieder) geändert, und so wurde etwa der elfteilige Zyklus der "Grünen Passion", der zeitweise aus Dürers Oeuvre ausgeschieden wurde (für Schröder "einer der größten Fehler meiner Amtszeit"), seinem Werk wieder eingegliedert. Schröder hob heute vor Journalisten vor allem die "einzigartige Vorurteilslosigkeit, mit der dieser große Humanist die Welt beobachtete", hervor. Diese Unvoreingenommenheit und der "frische erste Blick" machten Dürers Werk ungebrochen aktuell.

Eigentlich wäre es naheliegender gewesen, diese Ausstellung erst 2021 zum 550. Geburtstag Dürers zu zeigen, gab Schröder zu. Doch nachdem er seinen Vertrag ursprünglich 2019 auslaufen lassen wollte, hätte er zum Abschluss seiner Amtszeit noch eine große Dürer-Schau geplant. Eine große Dürer-Ausstellung organisieren zu dürfen, gehöre "zu den größten Privilegien" eines Museumsdirektors, gleich zwei zu verantworten sei jedoch "der Gipfel des Privilegs".

Christof Metzger hat die Ausstellung grundsätzlich chronologisch gehängt, mit thematischen Schwerpunktsetzungen etwa zu den Hell-Dunkel-Studien (die tatsächlich mit ihren weißen Überhöhungen zu den absoluten Höhepunkten der Ausstellung zählen), zum Porträt, zu Druckgrafik oder den Naturstudien. Mit welcher Sorgfalt und Meisterschaft etwa ein Schöllkraut, eine Akelei oder eine Iris (die zu Schröders großer Freude von der Bremer Kunsthalle verliehen wurde) von Dürer zu Papier gebracht wurden, als handle es sich um die wertvollsten Schätze, ist fantastisch.

Und auch dem Feldhasen wolle man am liebsten durchs Fell wuscheln, so viele einzelne Haare seien von Dürer gezeichnet worden, meinte Metzger. Das Werk sei bereits kurz nach seiner Entstehung ein vielfach kopiertes "Faszinosum allerersten Ranges" gewesen. Der Chefkurator wies nicht nur auf die Spiegelung eines Fensters im Auge des Tieres hin, sondern auch auf eine Täuschungsspiel des Künstlers: "Der Hase sitzt im Nichts und wirft gleichzeitig einen Schatten ins Nichts." Eines ist aber sicher: Diese Dürer-Ausstellung ist nicht Nichts. Sondern eine einmalige Chance, die in den kommenden Monaten wohl mehrere Hunderttausend Menschen ergreifen werden.

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