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Italiener zuerstAusländer laut Assmann "in Italien nicht mehr erwünscht"

Vier Jahre nach einer Reform, mit der ausländische Direktoren die Führung der größten staatlichen Museen übernahmen, macht Rom einen Rückzieher.

Ausländer laut Assmann "in Italien nicht mehr erwünscht"
Ausländer laut Assmann "in Italien nicht mehr erwünscht" © APA/RUBRA
 

Italien rudert in Sachen Museumsautonomie zurück. Vier Jahre nach einer Reform, mit der ausländische Direktoren die Führung der größten staatlichen Museen übernahmen, macht Rom einen Rückzieher. Ausländischen Museumsdirektoren wurde der Vertrag nicht verlängert. Der Tiroler Peter Assmann, der noch den Herzogspalast in Mantua leitet, warnt vor dem Slogan "Zuerst die Italiener" in der Kultur.

 Herr Assmann, nach vier Jahren wechseln Sie im November zu den Tiroler Landesmuseen. Ausländische Museumsdirektoren verlassen Italien. Die Reform von 2015 hatte zum Ziel, die italienische Museumslandschaft zu modernisieren. Ist sie gescheitert?

Peter Assmann: Es ist traurig zuzusehen, wie Schritt für Schritt Errungenschaften der letzten vier Jahre abgebaut und große staatliche Museen in ihrer Autonomie beschränkt werden. Und all dies wurde von dem Kulturminister einer scheidenden Regierung beschlossen, ohne sich mit Fachleuten zu beraten. Wir ausländische Museumsdirektoren sind einfach nicht mehr erwünscht. Das macht die Politik mit dem Slogan 'Zuerst die Italiener' vor. Das kennen wir aus einer Vergangenheit, die zu einem der größten Kriege geführt hat.

Was hat sich konkret in Italiens Kulturpolitik seit dem Regierungsantritt der Koalition aus Lega und Fünf Sterne-Bewegung im Juni 2018 geändert?

Assmann: Es wird alles wieder zentralisiert. Die Aufsichtsräte der Museen sind abgeschafft worden. Die Bürokratie ist stark angewachsen, wir produzieren nur sinnloses Papier. Dafür braucht man keinen Kunsthistoriker, sondern einen Bürokratieexperten. Der letzte Rest von Wirtschaftlichkeit und einer gewissen Autonomie ist abgeschafft worden. Der Kulturbereich, einer der wichtigsten Aspekte der italienischen Identität, spielt für die Regierung keine Rolle mehr.

Die deutsche Museumsdirektorin der "Galleria Dell'Accademia" in Florenz, Cecilie Hollberg, hat erst vor wenigen Tagen erfahren, dass ihr Vertrag nicht verlängert und dass die Galleria mit den Uffizien zusammengelegt wird. Was sagen Sie dazu?

Assmann: Das ist unbegreiflich, denn die Galleria Dell'Accademia ist das Museum, das in den letzten Jahren im Verhältnis zum Personalstand die meisten Besucher und das höchste Einkommen gemeldet hat. Hollberg wurde erst vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass sie gehen muss und zwar ohne Begründung für diese Entscheidung. Das Traurige ist, das alles interessiert nur wenige Italiener, weil alle so in ihren nationalen Überlegungen gefangen sind.

Dabei haben die Museumsdirektoren auf lokaler Ebene doch gute Beziehungen aufgebaut...

Assmann: Es ist überall so, dass vor Ort die Arbeit von uns ausländischen Museumsdirektoren extrem geschätzt wird. Es besteht eine Kluft zwischen der Regierung und der Bürokratiekaste in Rom und den Menschen vor Ort. Alle 64 Bürgermeister der Provinz Mantua haben ein Dokument unterschrieben, in dem sie Kulturminister Alberto Bonisoli um meinen Verbleib als Direktor des Palazzo Ducale bitten. Das Dokument wurde selbst vom Bürgermeister von Mantua unterzeichnet, mit dem die Beziehungen nicht immer einfach waren.

Könnte sich die Lage mit einer neuen Regierung in Italien verbessern?

Assmann: Die Sozialdemokraten haben mit Premier Matteo Renzi und Kulturminister Dario Franceschini 2015 die Reformschritte im Museumsbereich gesetzt. Sie denken jetzt daran, mit einer Partei wie die Fünf-Sterne-Bewegung zusammenzugehen, die Kultur mit Vehemenz kaputt macht. Kultur wird lediglich als Melkkuh betrachtet. Wir Museumsdirektoren stehen ratlos vor dem Chaos, das sich schrittweise abgezeichnet hat. Im letzten Jahr ist nichts Positives im Kulturbereich geschehen. Im Gegenteil, es wurden nur Limitierungsschritte gesetzt.

Zuletzt hatte Italien auch Frankreich Probleme mit Leihgaben gemacht...

Assmann: Ich staune, dass Italien einerseits sehr stolz auf all seine UNESCO-Stätte ist, zugleich jedoch internationale Kooperationen infrage stellt, wie es zuletzt bei den Leihgaben an Frankreich für die Rafael- und Leonardo- Ausstellungen der Fall war. Ich bin froh, dass ich noch mit Frankreich für die am 6. Oktober beginnende Ausstellung über den Architekten und Maler Giulio Romano (1499-1546, Anm.) in Mantua mit Leihgaben vom Louvre gut zusammenarbeiten konnte.

Sie treten am 1. November ihre neue Stelle als Geschäftsführer der Tiroler Landesmuseen an. Planen Sie schon Ausstellungen?

Assman: Wir denken an eine Großausstellung zum Thema Goethes Italien-Reise mit tollen Leihgaben aus Weimar und Bildern aus dem Ferdinandeum. "Goethes Italien-Reise. Die Erfindung eines Landes, das es niemals gab" lautet der vorläufige Arbeitstitel der Ausstellung, die vom Mai bis Oktober 2020 geplant ist. Ein tolles Team arbeitet bereits an der Ausstellung.

Was haben Sie noch für Pläne?

Assman: Wir arbeiten an einem Umbauprojekt für das Ferdinandeum, einem der ältesten Museen in Österreich, das 2023 das 200. Gründungsjubiläum feiert. Außerdem planen wir eine Ausstellung von Krippen aus Genua. Genua hat eine Krippenkultur, die so interessant ist, wie jene Neapels, die aber weit weniger bekannt ist.

Sie werden also auch nach Ihrer Rückkehr nach Tirol die Verbindungen zu Italien aufrechterhalten...

Assman: Auf jeden Fall. Tirol ist mit Trentino und Südtirol eine Europaregion. Ich werde mich weiterhin für Völkerverbindung und nicht für Trennung und nationale Grenzen einsetzen.

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