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Krassnitzer, Ruzowitzky und CoKünstler fordern Abschiebestopp für Lehrlinge

Künstler wie Harald Krassnitzer, Hilde Dahlik und Stefan Ruzowitzky haben bei einer Pressekonferenz des oberösterreichischen Landesrats Rudolf Anschober Forderungen an die Innenpolitik gestellt.

PK 'DIE ZERSCHLAGUNG DER INTEGRATION - AUFSCHREI DER KULTURSCHAFFENDEN'
Harald Krassnitzer mit Politiker Rudi Anschober © APA/HELMUT FOHRINGER
 

Einen Abschiebestopp für Asylwerber, die in Österreich eine Lehre absolvieren, fordert der oberösterreichische Integrationslandesrat Rudolf Anschober (Grüne). Unterstützt wurde er dabei bei einer Pressekonferenz am Freitag in Wien von Künstlern. Schauspieler Harald Krassnitzer sprach sich für eine dreimonatige "Time-out-Zone" aus, um mit der bisher nicht verhandlungsbereiten Regierung zu sprechen.

Einer ernsthaften Suche nach einer "Lösung der Vernunft", die den Verbleib der laut Anschober momentan 1.002 Asylwerber in einer Lehrausbildung sichern könnte, habe sich die türkis-blaue Bundesregierung bisher beharrlich verweigert. Gleichzeitig steige nun die Anzahl negativer Asylbescheide in der zweiten Instanz der Verfahren. In erster Instanz hätten bereits etwa zwei Drittel der asylsuchenden Lehrlinge einen abschlägigen Bescheid erhalten.

"Ein Satz im Gesetz muss geändert werden"

Zusätzlich spitze sich die Situation für die Betroffenen zu, da der Verwaltungsgerichtshof (VwGH) kürzlich eine zweitinstanzliche Entscheidung aufgehoben hat, mit der einem Lehrling Bleiberecht gewährt worden wäre. Begründet wurde das mit einem volkswirtschaftlichen Interesse der Republik an dem Verbleib des Betroffenen. Da es einen solchen Passus in den Regelungen aber nicht gibt, entschied der VwGH dagegen, führte Anschober aus. Um diese Möglichkeit zukünftig einzuräumen, müsse "nur ein Satz im Gesetz geändert werden", forderte der OÖ-Landesrat.

Auch abseits des in vielen Bereichen virulenten Fachkräftemangels sei es völlig unbegreiflich, dass hier Menschen abgeschoben werden, die den von der ÖVP immer wieder bemühten Slogan "Leistung muss sich wieder lohnen" einlösen, in dem sie Deutsch lernen, in heimischen Betrieben arbeiten und kurz nach ihrer Ankunft in Österreich von staatlichen Leistungen unabhängig werden, sagte Krassnitzer. Diesen, in ihren Herkunftsländern oft mit den Tod bedrohten jungen Menschen werde hier aus politisch-ideologischen Gründen "die Zukunft verwehrt".

PK 'DIE ZERSCHLAGUNG DER INTEGRATION - AUFSCHREI DER KULTURSCHAFFENDEN'
Die Unterstüzter beim öffentlichen Auftritt Foto © APA/HELMUT FOHRINGER

Der Filmregisseur und Oscarpreisträger Stefan Ruzowitzky hat einen afghanischen Flüchtling in seiner Familie aufgenommen, der seit rund einem halben Jahr eine Lehre absolviert. Dass die Regelung, die das ermöglichte, seit einiger Zeit aufgehoben ist, zeige einmal mehr, dass die Regierung nicht an Optionen interessiert sei, die Integration ermöglichen. Der Zugang zur Lehre für Asylsuchende müsse umgehend wieder geöffnet werden, so der Tenor unter den Künstlern.

Die Schauspielerin Katharina Stemberger sprach vom "Gipfel des schamlosen Zynismus", wenn die Regierung einerseits von Migranten Integration verlange und andererseits aus einem "Justament-Standpunkt" Möglichkeiten dazu einschränke. Von Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) sei sie in diesem Zusammenhang nicht überrascht, sie wundere sich aber, dass sich Vertreter des christlich-sozialen Koalitionspartners ÖVP "noch ins Gesicht schauen können".

Es wirke, "als wäre es Absicht, dass Integration nicht stattfindet", sagte Hilde Dalik. Diese "Politik der Entzweiung" sei auch aus rein wirtschaftlichen Gründen überhaupt nicht nachvollziehbar, denn bei asylsuchenden Lehrlingen handle es sich um "Leute, die sich reinhauen" und auch dabei helfen, unter dem Fachkräftemangel leidende heimischen Betrieben "zu retten", so die Mimin. Im Namen des Populismus "schneidet man sich als Gesellschaft ins eigene Fleisch", betonte auch Burgschauspielerin Marie-Luise Stockinger.

Dass die Regierung hier "massive Gesprächsverweigerung" betreibe, hinterlässt bei der Schauspielerin Susi Stach ein Gefühl der "grenzenlosen Ohnmacht". Mit einem Video, in dem zehn betroffene Lehrlinge zu Wort kommen, und einem Schreiben an Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wollen Anschober und Co ihrer "Bitte um Gespräche für eine politische Lösung" Nachdruck verleihen.

Kommentare (4)

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Helga Christine Nagl
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Abschieben und hereinholen

Was ich absolut nicht verstehe ist das, warum man voll integrierte, fleißige, allseits beliebte Lehrlinge, die noch dazu Mangelberufe erlernen, ohne jeden Grund abschiebt, bzw. Gründe angibt, die gar nicht vorhanden sind um sie abschieben zu können.
Die Unternehmer sind voll zufrieden mit diesen Lehrlingen, andere würden gerne welche einstellen und die Gastronomie sucht händeringend nach Personal.
Nun schiebt man die einen ab und versucht andererseits mit allen Mitteln Personal mittels Rot-Weiß-Rot-Card aus Drittländern hereinzuholen.
Eigentlich verstehe ich es schon.
Die Lehrlinge, die hier arbeiten und wenn sie bleiben können auch nach der Lehrzeit in den Betrieben bleiben, müssen zum normalen Kollektivvertrag der Branche bezahlt werden.
Den Menschen die man aus Drittländern mittels Rot-Weiß-Rot-Card hereinholt braucht man nur ein Gehalt von 20 % unter KV bezahlen.
Damit sparen die Betriebe eine Menge Geld und das Lohndumping setzt voll ein.
ÖVP und FPÖ sind sich in dieser Beziehung voll einig. Da spielen Rassismus und Gier voll zusammen.
Gratulation an die Wähler, die sich wiederum ins eigene Knie schießen.

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Estarte
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STAATSKÜSTLER

Das Leben ist kein SCHAUSPIEL ! sondern REALITÄT
Regie führt das Leben.
Würde Herr Krassnitzer sich um Rollen bewerben müssen, müsste er selbst verhungern, samt der Stemberger Großfamilie.......
Die Aussage von Frau Dalik ist eine Frechheit !

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wischi_waschi
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Künstler

Immer diese sogenannten " Künstler", Hallo wir haben eine eigene Meinung
wir brauche Euch nicht.
Herr Krassnitzer, wen Sie in einen Film auftauchen, dann schalte ich einfach weg.

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UdoLindenberg
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Sie erinnern mich

an ein Stück von Gerhard Polt, in dem es heißt, »wir brauchen keine Opposition, weil wir sind schon Demokraten«. Nun, Sie dürfen Ihre Meinung haben und sagen, und die Künstler dürfen das auch. Sinn und Zweck von Demokratie wäre es, nach Feststellung der unterschiedlichen Sichtweisen ins Gespräch zu kommen, denn es könnte sein, dass Sie ein bisschen recht haben und die Künstler auch ein bisschen recht haben. Niemand ist perfekt, niemand weiß alles, aber im Dialog könnten wir anfangen, gemeinsam zu denken und unser Bewusstsein zu erweitern. Miteinander zu reden und dem anderen zuzuhören wäre für ein gedeihliches Zusammenleben sicher hilfreich. Es ist eine Frage der Bereitschaft.

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