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Gabalier und ConchitaZwei Steirer im Paralleluniversum

Andreas Gabalier (34) füllt am Samstag die Grazer Stadthalle. Seine Musik steht im Zeichen der Tracht, zwischen Fans und Gegnern herrscht indessen Zwietracht. Conchita, kürzlich 30 geworden, ist auf Kurztournee durch Österreich – ohne Orchester, wieder mit Band. Am Sonntag singt sie im ausverkauften Orpheum.

Andreas Gabalier spielt am 1. Dezember in der ausverkauften Grazer Stadthalle
Andreas Gabalier spielt am 1. Dezember in der ausverkauften Grazer Stadthalle © Simon Moestl
 

Er macht am 1. Dezember den Anfang: Zehn Jahre ist es jetzt schon her, dass ein kerniger, junger Jus-Student namens Andreas Gabalier zielstrebig ins ORF-Landestudio marschierte und zu den Verantwortlichen dort sinngemäß meinte: „Ich hab ein Lied für euch.“ So hieß es auch, das Lied. Mit „I sing a Liad für di“ löste dieser junge Mann eine Kettenreaktion aus, die das Land fortan in zwei Lager spalten sollte. Zehn Jahre, sechs Alben und unzählige Auszeichnungen später füllt Andreas Gabalier Hallen und Ski-Arenen mit jubelnden Fans – und die Internetforen mit fauchenden Gegnern.

Die Konzerte

Andreas Gabalier: 1. 12., 20 Uhr, Stadthalle Graz.
Ausverkauft! Restchance an der Abendkassa im Fall von Retourkarten.
Conchita: Sonntag, 20 Uhr, Orpheum Graz. Ausverkauf! Titel der neuen Show: „So weit so gut“. Nach Graz geht es nach Linz, Salzburg, Innsbruck und Wien.


Es ist ein ganz besonderes Amalgam, das die Menschen – im Positiven wie im Negativen – zum Toben bringt. Ideologisch und modisch dockte Gabalier am Trachtenzug an, der gerade durch die Landschaft brauste und alle Schranken zwischen Jung und Alt, heutig und gestrig durchbrach. Dirndl und Lederhosen waren plötzlich cool und der Stoff, aus dem ein neues Selbstbewusstsein geschneidert war. Die feschen Madln und die reschen Buam scheuten sich auch nicht, ein Wort in den Mund zu nehmen, an dem sie sich vorher verschluckt hätten. Es heißt: Heimat. Den Soundtrack zu diesem Gemeinschaftsgefühl nannte Andreas Gabalier „Volks-Rock-’n’-Roll“; ein raffiniertes Wortkonstrukt, das Masse und Macht impliziert.

Unterfüttert hat der hochdisziplinierte und -talentierte Entertainer Andreas Gabalier seine Songs, die sich im Laufe der Zeit immer mehr vom kleinkarierten Volks-Rock zum international salonfähigen Power-Pop entwickelten, immer wieder mit wertekonservativen Aussagen zu den Töchtern in der Bundeshymne oder Geschlechterrollen im Allgemeinen. Auch dafür erntete er stets beides: Klatschen und Knurren. Ersteres wird am Samstag in der Grazer Stadthalle tonangebend sein.
„Vergiss mein nicht“ heißt das aktuelle Album von Andreas Gabalier. Weder Freund noch Feind werden das tun.

Am 2. Dezember ist Conchita in der Stadt: Obwohl Tom Neuwirth als goldene Lady mit Bart 2014 den Eurovision Song Contest gewann (und damit erst zum zweiten Mal der größte Musikwettbewerb Europas nach Österreich geholt wurde), wird Conchita, die anfangs noch den Nachnamen Wurst trug, jenseits unserer Grenzen kaum als Popstar wahrgenommen, auf dessen neue Platte man sehnsüchtig wartet. Stattdessen hat sie das Image einer geschätzten Celebrity-Ikone, die für Toleranz und das Anderssein steht – ob auf den roten Teppichen dieser Welt, als Muse von Gaultier oder in Talkshows.

Singen kann Neuwirth freilich. Und wie! Und dabei gerne die dramatische Diva raushängen lassen. Das hat er schon beim „Starmania“, dem Castingstadl des ORF, gezeigt, wo er 2006 zwar mehrmals kurz vor dem Rauswurf stand, letztendlich aber Platz zwei hinter Nadine Beiler belegte.
Musikalisch lässt sich Conchita – oder künftig womöglich auch Conchito – nicht wirklich einordnen. Hat sie es seit dem ESC-Triumph auch erst auf zwei Alben gebracht – Nummer zwei erschien im Oktober, wo sie sich mit den Wiener Symphonikern vor Heroinen wie Streisand, Bassey und Dion verbeugt. Die einzige Eigenkomposition auf „From Vienna with Love“ klingt wie ein bislang verleugnetes Geschwisterchen der großen James-Bond-Titel – die Conchita ohnehin gerne interpretiert.

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Conchita tourt mit ihrer Band Foto © APA/AFP/LONKHUIJSE

Album Nummer drei darf für das kommende Frühjahr erwartet werden – und soll sich stilistisch an neue Ufer wagen. Vielleicht klappt es doch noch mit dem Grammy. Der US-Musikpreis ist eine von Conchitas Visionen. „In meinem System funktioniere ich nur, wenn ich mir wahnsinnig hohe Ziele stecke. Ich lebe nach folgendem Motto: ,Shoot for the moon. Even if you miss, you’ll land among the stars!‘ – Selbst wenn ich den Mond verfehle, erreiche ich womöglich einen Stern“, erklärte sie einmal im Gespräch mit der Kleinen Zeitung. Und fügte wie so oft einen klugen Nachsatz hinzu: „Vielleicht schaffe ich auf dem Weg Dinge, die viel wichtiger und wertvoller sind als der Grammy!“
Das alles klingt jedenfalls nicht nach Abschied.

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