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WienKunsthistorisches Museum widmet sich dem Privilegium maius

Lügen, Verdrehungen und falsche Behauptungen sind seit jeher ein gängiges Mittel zur Verwirklichung eigener Ziele. Auch in der Politik. "Man glaubt, dass im frühen Mittelalter rund die Hälfte der Urkunden Fälschungen waren", sagte heute Franz Kirchweger bei der Presseführung zur Ausstellung "Falsche Tatsachen" im Kunsthistorischen Museum. Diese widmet sich ab 16. Oktober dem Privilegium maius.

© APA
 

Das 1358/59 hergestellte Privilegium maius ist nicht nur die bekannteste Urkundenfälschung der österreichischen Geschichte, sondern auch eine der aufwendigsten, sorgsamsten und umfangreichsten Dokumentenfälschungen des Mittelalters. Sie umfasst sowohl die Umtextung und Neufassung einer echten Urkunde, mit der Österreich im Jahr 1156 von Kaiser Friedrich I. Barbarossa zu einem Herzogtum erhoben worden war (Privilegium minus), als auch einen Komplex von vier weiteren Dokumenten, die darauf Bezug nahmen und dadurch die Glaubwürdigkeit unterstreichen sollten.

Nicht nur, dass der junge, ambitionierte Herzog Rudolf IV. von Österreich ("Rudolf, der Stifter") es wenige Jahre vor seiner Gründung der Universität Wien mit der historischen bzw. wissenschaftlichen Wahrheit in eigener Sache nicht sehr genau nahm, schoss er bei der in Auftrag gegebenen Fälschung auch deutlich übers Ziel hinaus: In einer angeblichen Urkunde aus 1058 ließ er den römisch-deutschen König Heinrich IV. den Babenbergern Privilegien bestätigen, die auf die römischen Kaiser Julius Caesar und Nero zurückgingen. Eine Unverfrorenheit, für die der von Karl IV. hinzugezogene Gutachter Francesco Petrarca nur Spott und Hohn übrig hatte. Bemerkenswert: Das politische Ziel, nämlich die Aufwertung des Hauses Habsburg, wurde dennoch erreicht.

Bereits vor rund 165 Jahren konnte die Forschung eindeutig klären, dass es sich bei den heute normalerweise im Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrten Urkunden um Fälschungen aus der Zeit Herzog Rudolfs IV. handelt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes wurden im Naturwissenschaftlichen Labor des Kunsthistorischen Museums in den vergangenen zwei Jahren erstmals auch umfassende materialtechnologische Untersuchungen durchgeführt, die im Rahmen der kleinen Ausstellung präsentiert werden. Diese hätten interessante wissenschaftliche Erkenntnisse, aber keine neuen inhaltlichen Einschätzungen gegeben, erklärte Labor-Leiterin Martina Griesser. Im begleitenden Katalog, erschienen als Band 13 der Technologischen Studien des KHM, können aber nun erstmals die Transkriptionen und Übersetzungen aller betreffenden Dokumente nachgelesen werden.

In der bis 20. Jänner 2019 laufenden Schau werden nicht nur alle Originaldokumente gezeigt, sondern auch einige Kunstwerke, die Rudolf IV. darstellen. So wurde eigens seine Statue vom Singertor am Stephansdom abgenommen und als Leihgabe zur Verfügung gestellt: Sie zeigt den jungen Herzog mit dem Erzherzogshut als prägnantestes Zeichen für jene Sonderrechte, die er mit der Fälschung des Privilegium maius für sich und sein Haus in Anspruch nahm.

Zu sehen ist aber auch jenes zum UNESCO-Weltdokumentenerbe zählende Dokument, von der die ganze Causa ihren Ausgang nahm: die "Goldene Bulle", in der Kaiser Karl IV. 1356 die Kurfürsten festgelegt hatte - ohne die Habsburger miteinzubeziehen. "Rudolf hat sich von seinem Schwiegervater dadurch zurückgesetzt gefühlt, denn die Habsburger gehörten damit nicht zur ersten Elite des Reiches", erläuterte Staatsarchiv-Archivarin Kathrin Kininger. Ein Missstand, den zu beseitigen Rudolf selbst in die Hand nahm. Indem er fake facts schaffen ließ.

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