Winkler-RedeLydia Mischkulnig über eine "hervorragende Rede"

Auch die 1963 in Klagenfurt geborene und mehrfach ausgezeichnete Autorin Lydia Mischkulnig reagiert auf die Rede von Josef Winkler.

Die Autorin Lydia Mischkulnig
Die Autorin Lydia Mischkulnig © Margit Marnul
 

Ich lese vom guten Geschmack den der Dichter Josef Winkler in seiner ausgezeichneten 500 Jahresrede für Klagenfurt in Kärnten nicht eingehalten haben soll. Es hat nicht lange gedauert und ich habe diese Rede auf der Zunge gehabt, in den Augen und in den Ohren. Beim guten Geschmack kommt es auf die geschärften Sinne an. Man kann das Hören sehen und umgekehrt. Wenn die Rede wie Butter runtergeht, kann man das Schmecken hören als Schmatzen. Wenn die Begriffe im Hals stecken bleiben, dann würgt man an ihren Inhalten. Die Schlucker werden beim Namen genannt. Das Korruptionsmaterial, der Größenwahn, der Schuldenberg wurde von ihnen herbeigeschafft, das Sprachmaterial seit Jahrzehnten von der FPÖ angehäuft. Das war und ist natürlich nicht verdaubar und liegt schwer im Magen. Es ist der Sprachkunst Josef Winklers zu verdanken, dass er daraus eine brillante Rede verfertigt hat. Über Geschmack lässt sich nicht streiten, in der Literatur geht es um Gültigkeit. Eine Klage wegen Verhetzung einzureichen, ist Verhetzung der guten Rede und Angriff auf die Freiheit der Kunst. FPÖ und BZÖ sind im Klagen und Hetzen aus Tradition geschult.

Zur Person

Lydia Mischkulnig, geb. 1963 in Klagenfurt. Studierte ab 1981 die Fächer Bühnenbild und Film an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz und Universität für Musik und darstellende Kunst Wien sowie ab 1985 an der Filmakademie Wien. Seit 1991 ist sie literarisch tätig und verfasst Romane, Erzählungen und Hörspiele. Sie lebt und arbeitet in Kärnten, Wien und Nagoya.

Werke: u. a. "Umarmung", "Macht euch keine Sorgen", "Die Paradiesmaschine"

Auszeichnungen: u. a. Manuskripte-Preis, Canetti-Preis,

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