AccessControl ac = AccessControl.getAccessControl(request);

InterviewGernot Blümel: "Ich will nicht Politik mit der Kunst machen"

Gernot Blümel ist nun offiziell „Bundesminister im Kanzleramt für EU, Kunst, Kultur und Medien“. Der enge Vertraute von Sebastian Kurz über Pluralismus, Personalia und kurze Leinen.

„Der ORF soll ein Schuhlöffel für die Privaten sein“: Gernot Blümel © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Herr Minister, was qualifiziert Sie für das Amt des Kulturministers?
GERNOT BLÜMEL: Geprägt bin ich durch mein Philosophiestudium. Dieser Blickwinkel auf die Welt hat mich immer schon sehr fasziniert. In der Antike gab es noch das Schöne, Wahre, Gute. Das waren objektiv austauschbare Begriffe. Durch die kopernikanische Wende ist das Ding nicht mehr hundertprozentig erkennbar. Ohne diese Veränderung wäre keine Demokratie möglich.


Für Sie ist Kunst das Gute, Wahre, Schöne?
Überhaupt nicht, ich bin ein überzeugter Demokrat und habe deshalb eine große Affinität zum Einzelnen, zur Würde des Ichs. Das passt extrem gut zur zeitgenössischen Kunst.


Wo sieht man Sie am ehesten? Theater, Museen, Popkonzerte?
Überall, aber sehr gern in der Oper.


„Zeit für Neues“ – gilt dieser Slogan auch für die Kulturpolitik?
In der österreichischen Kulturpolitik ist viel Gutes passiert, medienpolitisch im Vergleich dazu gar nichts. Wir bauen auf dem auf, was da ist. Mir ist wichtig, dass das Geld bei den Künstlern ankommt und nicht in teuren Strukturen versickert.


Was heißt das konkret für die Bundestheater? Ist eine Neuaufstellung der Holding angedacht?
Es gab viele Ungereimtheiten, und die Frage ist: Sind die schon ausgeräumt? Das schauen wir uns jetzt im Detail an.


Wird es eine personelle Erneuerung geben?
Für mich sind die Rahmenbedingungen entscheidend, nicht Personalien. Ich will nicht Politik mit der Kunst und Kultur machen, sondern Politik für Kunst und Kultur.


Nicht nur die Bundestheater, auch das Bundesdenkmalamt soll umstrukturiert werden?
Ich muss Ihnen dieselbe Antwort geben. Ich bin seit einer Woche im Amt. Ich muss mir erst ein genaues Bild machen.


Im Regierungsprogramm heißt es, man will weg vom Gießkannenprinzip. Stehen alle Kulturförderungen auf dem Prüfstand?
Nein, denn vieles ist zweckgebunden und funktioniert auch gut. Dennoch muss man ständig hinterfragen, ob das Geld so ankommt, dass die Künstler auch Kunst schaffen können.


Sie sind auch Medienminister. Wollen Sie den ORF künftig straffer führen?
Nein, es geht darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, damit es in Zukunft eine pluralistische Medienwelt gibt. Da geht es um weit mehr als nur um den ORF. Man sollte zwei Schritte weiter denken. Die Herausforderung ist nicht die Konkurrenz zwischen Privaten und Öffentlichen, sondern die Konkurrenz durch Google, Facebook, Youtube. Wie schafft man es, dass es in zehn Jahren noch österreichische Inhalte im Digitalen gibt? Entscheidend ist, dass sich der ORF zu einem Partner der Privaten entwickelt.

Bei der Angeblobung: Gernot Blümel mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen Foto © APA/ROLAND SCHLAGER


Was heißt das konkret?
Wenn die Entwicklung so weitergeht, wird es kaum noch einen heimischen Medienkonzern geben, der digital wettbewerbsfähig ist. Es gehen zwar die Werbevolumina hinauf, davon profitieren die österreichischen Medien kaum. Eine Idee wäre eine gemeinsame Vermarktungsplattform. Der ORF soll ein Schuhlöffel für die privaten im digitalen Raum sein – ein Paradigmenwechsel.


Bleibt Wrabetz General?
Das ist drei, vier Schritte zu weit gedacht. Zuerst muss man wissen, wohin die Reise geht. Mir schweben eine Enquete, ein strukturierter Dialog vor. Dann gibt es ein neues ORF-Gesetz. Ein Schritt nach dem anderen.


Was sagen Sie zum Vorwurf, Sie wollten den ORF personell an die Leine nehmen?
Das ist gänzlich ohne Substanz.

Zur Person

Geboren am 24. Oktober 1981 in Wien, ist Blümel in Moosbrunn (NÖ) aufgewachsen. Der enge Kurz-Vertraute studierte Philosophie und machte in der JVP Karriere.
2008 wurde er Vizepräsident der Jungen Europäischen Volkspartei. Spindelegger machte ihn 2013 zum ÖVP-Generalsekretär, seit 2015 ist er Chef der Wiener ÖVP.


Künftig fällt die Veröffentlichungspflicht für Ausschreibungen, die bisher in der „Wiener Zeitung“ erschienen. Ist das das Ende dieses Traditionsmediums?
Ich bin mir der Verantwortung sehr wohl bewusst, es ist die älteste Tageszeitung der Welt. Die Pflichtveröffentlichung ist aber eine reine Schikane für die Unternehmen, das ist nicht mehr argumentierbar. Das bedeutet, dass die Finanzierungsgrundlage der „Wiener Zeitung“ wegfällt.


Das Interesse am Fortbestand der Zeitung ist gegeben?
Absolut, nur muss man sich was Neues überlegen.


In Ihrem Büro hier hängen keine Bilder. Was werden Sie aufhängen? Klimt oder Pollock?
Ich will das Kanzleramt für zeitgenössische Künstler öffnen – und auch mein Büro. Ich will auch Philosophen einladen.


Unter dem Titel „Philosophie im Kanzleramt“?
Das wäre ein guter Titel für die Veranstaltungsreihe.

Kommentare (1)

Kommentieren
Irgendeiner
6
8
Lesenswert?

" In der Antike gab es noch das Schöne, Wahre, Gute. Das waren objektiv austauschbare Begriffe. Durch die kopernikanische Wende ist das Ding nicht mehr hundertprozentig erkennbar. Ohne diese Veränderung wäre keine Demokratie möglich." "Für Sie ist Kunst das Gute, Wahre, Schöne?" Überhaupt nicht, ich bin ein überzeugter Demokrat und habe deshalb eine große Affinität zum Einzelnen, zur Würde des Ichs. Das passt extrem gut zur zeitgenössischen Kunst."

Ich würde lügen, behauptete ich, daß ich auch nur ansatzweise verstehe was er will,das einzige was ich jetzt neu weiß ist, daß er in die Oper geht was wieder mich nicht interessiert,aber es redet zu irgendwas und das jetzt 5 Jahre lang.Und immer in die Seite.

Antworten