Weltpremiere

Neues Musical mit dem Zeug zum Exportschlager

Uraufführung von „Schikaneder“ am Raimund Theater Wien: ein entzückender Ohren- und Augenschmaus über den ersten "Papageno" mit einem hinreißenden Ensemble.

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Eleonore & Emanuel Schikaneder: Milica Jovanovic und Mark Seibert © APA/NEUBAUER
 

Mit dem nötigen Budget auf eine weltweite Shoppingtour zu gehen, klingt einfach: „Sister Act“, "Natürlich blond"  oder „Mary Poppins“ landeten im Einkaufswagen. Nun haben die Vereinigten Bühnen Wien endlich wieder eine Eigenkreation auf die Drehbühne gestellt, die drei Stunden wunderbar unterhält, den Zuschauer immer wieder schmunzeln lässt, auch ein bisschen zu rühren vermag und deren Melodien im Ohr bleiben.

„Schikaneder“ erzählt die Liebesgeschichte hinter der „Zauberflöte“ – und erlebte nun genau 225 Jahre nach der Uraufführung von Mozarts Wurf seine Weltpremiere. Impresario, Schauspieler und Dichter Emanuel Schikaneder gilt als wichtigster Theatermacher Wiens des 18. Jahrhunderts, war Librettist der „Zauberflöte“ und trat 1791 unter Mozarts Dirigat als erster Papageno auf.
Der Blick hinter die Kulissen der damaligen Theaterwelt, für den Intendant und Autor Christian Struppeck Schikaneders bedeutsame Frau Eleonore ins Licht zurückholt, besticht durch Charme und die der Zeit verpflichteten Ausstattung. Ein prächtiges Vergnügen, das den Zuschauer jedoch nie erschlägt. Zudem werkten Struppeck und sein Team mit Augenzwinkern, um die Geschichte nicht mit Pathos zu beschweren.

Ein internationales Kreativteam schuf für Wien "Schikaneder" Foto © ORF


Für Musik und Liedtexte war der mehrfache Oscar-Gewinner Stephen Schwartz (u. a. „Wicked“) zuständig, der neben dem zentralen, entzückenden Thema „Träum groß“ den Ohrwurm „Liebe siegt“ und die Emanzipationshymne „Mein Lied“ (quasi das „Ich gehör’ nur mir 2016“) komponierte. Souverän von Michael Kunze, dessen Schaffen von "Aber bitte mit Sahne" bis zu "Cats" und "Elisabeth" reicht, ins Deutsche übertragen. Ein hinreißendes Ensemble – allen voran Milica Jovanovic, Katie Hall (das britische Energiebündel lernte übrigens in wenigen Monaten Deutsch), Mark Seibert und Florian Peters – komplettiert das mit Standing Ovations gefeierte Glanzstück, das das Publikum fröhlich entlässt.

Puristen mögen den Abend eher Singspiel denn Musical nennen - egal: Einem Exportschlager steht nichts im Wege! Dafür wird man nur noch einen schmissigen internationalen Titel finden müssen.

Schikaneder: Täglich außer montags im Raimund Theater. Der Vorverkauf ist bereits bis Juni 2017 eröffnet. Karten: Tel. (01) 588 85.
In ORF 2: „Schikaneder – Vom Papageno zum Musicalstar“, Making-of-Doku, heute um 9.05 Uhr.

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