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Graz

Empathisch, humanistisch: Flüchtlingsdoku "3400"Semmeln"

Die Filmemacher Heinz Trenczak und Christoph Schmid nähern sich in einer Dokumentation der Flüchtlingssituation in Graz und der Südsteiermark an. Fertigstellung ist bis Ende November geplant.

Neue Flüchtlingsdoku beleuchtet die Situation in der Steiermark © Screenshot/Trailer/3400 Semmeln
 

"3400 Semmeln" ist der Arbeitstitel einer Doku über die Entwicklung der Flüchtlingssituation in Graz und in der Südsteiermark. Die Filmemacher Heinz Trenczak und Christoph Schmid wollen sich dem Thema in einem sozialkritisch angelegten Langfilms künstlerisch nähern. Dieser Tage fand in Graz ein internes Screening statt. Die Herangehensweise wird als u.a. "empathisch und humanistisch" beschrieben.

Seit September 2015 sind Trenczak und sein Team aus Filmemachern, Kameraleuten und Helfern in Graz und in der Südsteiermark sowie an verschiedenen "Hotspots" in Slowenien, Italien und Griechenland unterwegs, um die Geschehnisse filmisch festzuhalten. Die Dreharbeiten sollen nach rund einem Jahr filmischer Aktivität bis September abgeschlossen sein. Die Fertigstellung des Films ist bis Ende November 2016 geplant.

"Mit Menschlichkeit über Grenzen hinweg"

"Dokumentarisch und unabhängig, empathisch und humanistisch", erklärt Regisseur und Co-Produzent Trenczak die filmische Herangehensweise. Wo die Politik zu langsam und nur halbherzig reagiere, seien Individuen gefragt. Es sei wichtig zu zeigen, wie Graz und die Südsteiermark einer humanen Katastrophe begegnen: "Mit Menschlichkeit über Grenzen hinweg, mit Herz und Hirn, Rat und Tat. Und manchmal auch bis an den Rand der Kräfte", so Trenczak.

"Wir begleiten Hilfskräfte diverser Organisationen und viele private Helferinnen und Helfer während ihrer Arbeitseinsätze, manchmal auch rund um die Uhr", erklärt der Filmemacher. Und man rede mit Schutzsuchenden, die die Steiermark auf ihrem Weg nach Norden passieren.

"Man kann das Schicksal einzelner Menschen nicht ändern, aber wir können sie zumindest ein Stück ihres Weges begleiten", fügt sein Projektpartner Schmid, der auch für den Schnitt der Doku verantwortlich ist, hinzu. Begleitet hat Trenczak, der selbst einer der vielen Kameraleute der Doku ist, unter anderem zwei Helfer, die im Dezember 2015 in einer spontanen Mission mit einem mit Hilfsgütern beladenen Campingbus nach Triest (Oberitalien) fuhren, um sich dort ein Bild über die Situation von 150 bis 200 in verlassenen Silohallen gestrandeten Flüchtlingen - großteils jungen Männern aus Syrien und Afghanistan - zu machen.

Trenczak und Schmid produzierten aus dem dabei gedrehten Material die 47-minütige, für sich stehende "Auskoppelung" (Trenczak) "Silos Trieste", die am 22. April im Rahmen der Oberwarter Filmtage bereits dem Publikum präsentiert wurde. Vergangenen Freitag wurde der Film in kleinem Rahmen auch in Graz gezeigt. Die Produzenten erwägen bis zur Fertigstellung des Hauptfilms, ein weiteres Kapitel aus "3400 Semmeln" als eine Art Nebenprodukt zu vollenden.

Pläne mit der Doku

Laut Trenczak befindet man sich in Verhandlungen mit dem ORF und dem Stadtkino-Filmverleih in Wien über einen TV-Einsatz, beziehungsweise einen Kinostart von" 3400 Semmeln" im kommenden Jahr. Bereits eingereicht ist der Film bei der DOK Leipzig. Weitere Einreichungen bei internationalen Film-Festivals sind geplant, darunter für die nächste "Diagonale" in Graz. Zusätzlich denken die Produzenten an eine Verbreitung ihres Films via DVD und Blu-Ray sowie als Lehrbehelf an Schulen.

Das Gesamtprojekt ist derzeit mit 108.000 Euro budgetiert. Ein Teil davon soll im Rahmen einer bereits"in der"Startphase befindlichen" Crowdfunding-Kampagne aufgebracht werden. Der Arbeitstitel geht laut Trenczak auf ein Originalzitat des Schwarzl-Halle-Pächters Klaus Leutgeb zurück. Die Schwarzl-Halle diente während des Höhepunkts der Flüchtlingsbewegung im Vorjahr zur vorübergehenden Unterbringung von durchlaufend 1.000 Flüchtlingen.

"Ich sehe '3.400 Semmeln' noch immer als Arbeitstitel an. Aber ich habe so viele positive Rückmeldungen vom Team und von Zuschauern gekriegt. Wahrscheinlich bleibt der Titel also", so Trenczak im Gespräch mit der APA.

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