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Mode & Design

Identität und Ausbeutung: Ausstellung zu Ambivalenz der Mode

Mit drei Fragen haben sich Studierende des ecm-Lehrgangs für Ausstellungstheorie und Praxis der Universität für angewandte Kunst ihrer Gemeinschaftsausstellung angenähert: "Wie wird Mode produziert? Wie produziert Mode uns? Was tun?".

© APA (AFP)
 

Annäherungen an die Antworten finden sich ab morgen in der Schau "Für Garderobe wird nicht gehaftet. Widerständiges in Mode und Produktion" im Innovation Laboratory. Im Zentrum aller drei Ausstellungskapitel stehen die Ambivalenzen und Interessenskonflikte im Feld der Mode, wie Vizerektorin Barbara Putz-Plecko beim Presserundgang am Mittwoch ausführte. Die 21 angehenden Kuratorinnen und Kuratoren haben in drei Projektgruppen die Themen Produktionsbedingungen, Identitätsstiftung und Handlungsalternativen aufgearbeitet. Rektor Gerald Bast lobte den Zugang der Studenten, in ihrer Ausstellung nicht mit dem erhobenen Zeigefinger aufzutreten. Der herrschenden sozialen Ungleichheit und Ausbeutung in der Textilbranche könnten am Ende nur die politischen Kräfte sowohl der westlichen Länder als auch der betroffenen Staaten in Ostasien entgegen treten.

Im Eingangsbereich des Ausstellungsraums am Franz-Josefs-Kai 3 erinnert die Installation "Textilviertel" an jenen Stadtteil, der sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts rund um den Schwedenplatz entwickelte und der mittlerweile kaum mehr sichtbar ist. Anhand von Interviews und Fotos werden einige wenige verbliebene Textil-Händler rund um den Salzgries porträtiert; die Besucher sind eingeladen, eigene Erfahrungen und Erinnerungen auf Kartonkarten beizusteuern. Der zweite Raum widmet sich vergangenen wie heutigen Produktionsbedingungen: Anhand einiger Exponate wird etwa die Schuhproduktion des in Wien und Ungarn lebenden Designers Laszlo Lukacs vorgestellt; mithilfe von von der Decke hängenden "Protest-Bannern", die die Geschichten von Auf- und Widerständen in der Textilproduktion im wahrsten Sinne des Wortes aufrollen, erzählt man von Arbeiterprotesten rund um den Globus.

Das Untergeschoß widmet sich schließlich der Mode als Mittel des persönlichen Ausdrucks. Vorherrschend ist hier durchaus die Auseinandersetzung mit Gender-Zuschreibungen durch Mode. Deren Überschreitung verdeutlichen etwa Vivienne Westwoods "Männerkorsett" oder eine Installation von Jakob Lena Knebl mit dem Titel "Madame Tina". Vermeintliche Individualität durch Mode verdeutlicht die Fotoarbeit "Exactitudes" von Ari Versluis und Ellie Uyttenbroek aus dem Jahr 1994, in der 50 Anhänger einer Techno-Richtung in ihren typischen Trainingsjacken porträtiert werden.

Die dritte Ebene der Schau, die sich im hinteren Ausstellungsraum entfaltet, widmet sich schließlich der Frage: "Was tun?" Ins Auge sticht etwa die Handlungsanweisung für "Antishopping", im Rahmen dessen man nicht mehr benötigte Kleidung mit einem Etikett der Antishopping-Kollektion versieht (u.a. "Bye Buy", "I don't need a new one") und in einem unbeobachteten Moment in einem Modegeschäft ins Regal legt. Letzter Punkt der Aktion: "Mit leeren Händen und glücklich nach Hause gehen." Eine Alternative ist die Teilnahme an einem der zahlreichen Workshops, etwa der "Golden Joinery", wo man gemeinsam mit Designern kaputte Kleidungsstücke repariert, oder dem "Fair Fashion Walk". Insgesamt umfasst das Rahmenprogramm rund 30 Performances, Workshops, Führungen und Stadtrundgänge.

Für Putz-Plecko ist die Ausstellung auch universitätsintern ein Meilenstein, da sie die unterschiedlichen Bereiche der Angewandten miteinbezogen hat. So entstand "Für Garderobe wird nicht gehaftet" in Kooperation mit der Kunst- und Designsammlung, der Kostüm- und Modesammlung, dem Universitätsarchiv sowie dem Studienbereich Textil.

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