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Dunkelbuntes Märchen im Kinderzelt: "Undine" in der Oper

Eine düster-romantische Welt, in der Wasserwesen dem Reich der Geister entschweben und ein Leben unter den Menschen wagen, eröffnet sich jungen Opern-Fans seit Samstag im Kinderzelt am Dach der Wiener Staatsoper. Alexander Medem inszeniert Albert Lortzings "Undine", die letzte Produktion vor der Übersiedelung der Kinderopern in die Walfischgasse, als dunkelbuntes Märchen mit Tiefgang.

© APA
 

Nur knapp eine Stunde dauert die gekürzte Fassung von Tristan Schulze rund um die Wassernixe Undine, die sich in den untreuen Ritter Hugo von Ringstetten verliebt und schlussendlich nicht gegen dessen Liebe für Prinzessin Bertalda bestehen kann. Und so kommt der 34-jährige Regisseur Medem gleich zur Sache: Die Freude der ausgelassenen Hochzeitsgäste am See währt nur kurz, gleich nach der Vermählung bricht das Ehepaar in die Welt des Ritters auf. Aus der Teichlandschaft mit hölzernem Schuppen wird kurzerhand das Interieur des ritterlichen Schlosses (Bühne: Agnes Hasun), wo das vermeintliche Fischermädchen Undine ihrem frisch Angetrauten ihre wahre Identität als Wassernixe offenbart.

Während Annika Gerhards als Undine hemdsärmlig in Jeans-Latzhose durch die neue Umgebung streift, tritt ihr Alter Ego (Sandra Szelekovski) als grün gewandete Wassernixe auf, die das Innenleben Undines tänzerisch spiegelt. Immer wieder umschmeichelt sie Ritter Hugo (Carlos Osuna), der seinen Untergebenen erst einmal beibringen muss, dass er auf seiner Reise ein Fischermädchen geheiratet hat. Gar gefestigt ist der gute Ritter aber nicht, regen sich doch schon beim Auftritt der ursprünglichen Verlobten Bertalda (Lydia Rathkolb) erste Zweifel. Mit wachsamen Augen beobachtet der Wassergeist Kühleborn (Tae-Joong Yang als Undines Vater) das Geschehen und lüftet vor versammeltem Hofstaat das Geheimnis Bertaldas, die gar keine Prinzessin, sondern ihrerseits nur ein armes Fischermädchen ist. Welten prallen aufeinander, die Liebe zerfällt.

Die kleine Bühne im Zelt spielt alle Stücke: Falltüren, Theaternebel und liebevolle wie sparsam eingesetzte Video-Projektionen, um Vergangenes kompakt zu erklären, bringen die komplexe Geschichte auch jenen jungen Gästen näher, die ihre liebe Mühe haben dürften, den gesungenen Text vollständig zu verstehen. Das Sänger-Ensemble schafft die Balance zwischen augenzwinkernder Interaktion mit den jungen Zuhörern und ernsthafter, sicherer gesanglicher Interpretation. Vom rechten Rand der Zuschauertribüne breitet sich der Klangkosmos des klein gehaltenen Orchesters aus, das unter der Leitung von Johannes Wildner in klaren Linien den Ton vorgibt.

Für Entzücken sorgen die vielversprechenden Auftritte der Schüler der Opernschule und der Ballettakademie. Da ist auch bald vergessen, dass sich gleich zu Beginn der Premiere der Bühnenvorhang partout nur bis zur Hälfte öffnen wollte, was während der Ouvertüre zu einer minutenlangen Unterbrechung führte, die Staatsoperndirektor Dominique Meyer dazu veranlasste, mit todernster Miene den Raum zu verlassen. Nach beherztem Eingreifen der mit Leitern ausgestatteten Bühnentechniker konnte es dann aber losgehen - und ließ die versammelten Premierengäste bis zum letzten Ton nicht mehr los. Dieser "Undine" wünscht man ein langes Leben - und eine Wiederaufnahme in größerem Rahmen, in dem sie durchaus bestehen kann.

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