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MUSIKVEREIN FÜR STEIERMARK

Jonathan Notts Plädoyer für die Urfassung

Am Pult der Wiener Symphoniker absolvierte der Brite Jonathan Nott ein glänzendes Debüt in Graz.

Jonathan Nott
© Thomas Müller
 

Die selten gespielte Urfassung der dritten Symphonie von Anton Bruckner mit ihren später getilgten Wagner-Zitaten liegt Jonathan Nott am Herzen. 2003 hat er sie mit den seit 2000 von ihm geleiteten Bamberger Symphonikern eingespielt (Tudor), jetzt setzte er sie auf das Programm der Österreich-Tournee der Wiener Symphoniker, die ihn erstmals in den Grazer Stephaniensaal führte. Auswendig dirigierend, hielt der 52-jährige Brite hier ein beredtes Plädoyer für den mit 2056 Takten längsten symphonischen Koloss Bruckners, der in der dritten Fassung auf 1644 Takte zusammenschrumpfte. Die unzähligen Generalpausen souverän in zwingend disponierte Spannungsbögen einbindend, stellte er klar, dass nur die Urfassung eine stimmige Form aufweist. Mit den prachtvoll musizierenden Wiener Symphonikern unterstrich Nott, dass Bruckner hier noch der von der Orgelregistratur übernommenen Terrassendynamik ohne verbindende Übergänge huldigt. Mit durchwegs stimmigen Tempi brachte der Dirigent, der auch Details wie den Kontrabasstrillern am Ende des zweiten Satzes sein Augenmerk widmete, die kühne Pointe Bruckners zum Funkeln, im Finale einen sangbaren Choral und eine tanzbare Polka übereinanderzuschichten.

Virtuos, kapriziös und zärtlich agierte vor der Pause die Norwegerin Vilde Frang als Solistin des ersten Violinkonzerts von Béla Bartók, der tönenden Liebeserklärung des 26-jährigen Komponisten an die ungarische Geigerin Steffi Geyer.

ERNST NAREDI-RAINER


Im Radio: 25. Jänner, 11.03 Uhr, Ö 1.

 

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