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"Man muss bestimmte Werte auch verbrennen"

Johanna Orsini-Rosenberg, für ihre Hauptrolle in "Soldate Jeannette" bei der Diagonale ausgezeichnet, steht auch ohne Gage am Set.

© KK
 

Frau Orsini-Rosenberg, herzliche Gratulation zum Diagonale-Schauspielpreis für die Rolle der Fanni in "Soldate Jeannette". Was bedeutet Ihnen der Preis?

JOHANNA ORSINI-ROSENBERG: Ich habe gerade mit einer Freundin telefoniert, die meinte: "Genieß es! Genieß es!" Wie genießt man das? Für mich bedeutet diese Auszeichnung sehr viel. Es ist großartig! So viele Preise auf diesem Gebiet gibt es ja nicht.

"Soldate Jeannette" ist Ihre erste Hauptrolle und erst der zweite Langspielfilm, in dem Sie mitgewirkt haben. Zieht es Sie nun stärker Richtung Film?

ORSINI-ROSENBERG: Unbedingt! In Filmen mitzuspielen ist sehr spannend und ganz etwas anders als im Theater. Ja, ich hoffe, dass in dieser Richtung nun was weitergehen könnte.

Was ist im Film denn spannender als am Theater?

ORSINI-ROSENBERG: Im Film wird eine Art von größtmöglicher Konzentration hergestellt, die auf den Moment abzielt. Ich habe das Gefühl, dass dort sehr schnell sehr viel entstehen kann.

Regisseur Daniel Hoesl hat den Film mit dem winzigen Budget von 65.000 Euro realisiert. Gilt Ihr Preisgeld von 3000 Euro sozusagen als nachträgliche Bezahlung?

ORSINI-ROSENBERG: Ich bin für den Film tatsächlich nicht bezahlt worden. Es wurde aber sehr gut gekocht und ich war während der Dreharbeiten immer gut versorgt. Ich hatte auch keine Ausgaben für Reisekosten und dergleichen - aber ein Honorar habe ich nicht bekommen.

Warum haben Sie mitgemacht?

ORSINI-ROSENBERG: In dem Fall habe ich mich intuitiv darauf eingelassen und mir gedacht: Das mache ich! Das ist es mir wert! Grundsätzlich bin ich aber dafür, dass Arbeit auch bezahlt wird.

Es hat kein fertiges Drehbuch gegeben. Worauf haben Sie sich beworben, wenn Sie die Rolle nicht kannten?

ORSINI-ROSENBERG: Daniel hat im Vorfeld viele Frauen getroffen, deren Geschichten er zu einem Film verweben wollte. Ich habe sehr gut verstanden, was er sucht, weil ich diese großbürgerliche Welt der Upperclass kenne und weiß, wie diese Leute leben, sprechen und wie schnell Türen für sie aufgehen. Um das festzuhalten: diese Welt entspricht nicht dem, wie ich lebe.

"Sie scheint überhaupt nicht zu spielen und nichts zu behaupten", begründete die Diagonale-Jury. Nachsatz von Regisseurin Marie Kreutzer: Ich wünsch' mir mehr solche Frauen im Kino." Die Frage ist aufgelegt: Wie viel von Ihnen steckt in der Figur Fanni?

ORSINI-ROSENBERG: Die Figur bin nicht ich! Es ist natürlich gespielt! Sehe ich mir den Film an, ist mir diese Frau eigentlich eher fremd. Es steckt aber schon viel von mir drinnen. Der Daniel und ich haben die Dialoge gemeinsam erarbeitet. In der Sprache und den Dialogen da höre ich schon sehr mich. Für die Figur denkend.

Die Figur, Fanni, sprengt mit einer Selbstverständlichkeit Konventionen und Regeln. Sie erinnert an die Protagonistinnen von "Thelma & Louise" - nur dass sie am Ende nicht stirbt. Macht es mehr Spaß eine emanzipierte Frau zu spielen, als eine unterdrückte?

ORSINI-ROSENBERG: Ja. Es ist etwas, das ich auch ein bisschen versuche - über Konventionen hinwegzusehen. Das wirkt sehr befreiend. Man sollte sich im Leben viel mehr trauen. Es tut gut, wenn man das wenigstens in einer Rolle ausleben kann.

In Ihrer jüngsten Theaterproduktion "Bentley fahren" spielen Sie auch eine Frau aus gutem Haus, die Schulden hat.

ORSINI-ROSENBERG (lacht): Das war purer Zufall. Bruno Pellandini, der Autor des Theaterstücks, hat es für den Musiker Paul Skrepek und mich entwickelt. Es war schon vor den Dreharbeiten fertig. Daniel Hoesl und ich haben sehr über die Parallelen gelacht. Jetzt fällt mir noch etwas ein: In Kirschgarden in der Garage X in Wien spielte ich eine Frauenfigur von Tschechow, die alles verloren hat, aber erhobenen Hauptes. Und ihre Würde verliert sie nie.

Bei der Diagonale-Preisverleihung haben Sie gesagt: "Diese Urkunde verbrenne ich nicht." Das war eine Anspielung auf das viele Papiergeld, das Sie im Film verbrannt haben. Wie erging es Ihnen mit diesem symbolischen Akt?

ORSINI-ROSENBERG: Großartig! Wir sind beim Drehen alle um dieses Feuer gestanden und haben beim Verbrennen zugesehen. Man muss bestimmte Werte auch verbrennen. Oder ist es nur Papier?

Sie stammen aus einer adeligen Künstlerfamilie. Ihre Eltern Brigitte und Felix Orsini-Rosenberg sind Architekten, Ihr Bruder Markus Maler, Ihre Schwester Marie Cellistin. Warum haben Sie sich der Schauspielerei zugewandt?

ORSINI-ROSENBERG: Wir haben alle drei vom künstlerischen Umfeld profitiert, in dem wir auf Schloss Damtschach aufgewachsen sind. Ich bin auf eine Steiner-Schule gegangen und unsere Eltern haben uns stets sehr unterstützt. Ich wollte schon als Vierjährige Schauspielerin werden und bin auch später nicht mehr davon abgerückt.

Sie haben einen siebenjährigen Sohn. Versteht er, was Ihr Beruf ist?

ORSINI-ROSENBERG: Bei den Sommerproduktionen von Schloss Damtschach hat er öfter einmal bei den Proben und Vorstellungen zugeschaut. Ich glaube, er hat schon begriffen, was ich mache. Ich denke, es gefällt ihm.

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