"Fledermaus"-Premiere in Salzburg bejubelt

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
 

Batman statt Fledermaus, Jumbojet statt Ballsaal, Scheich statt Graf: Das Salzburger Landestheater hat sich zum Saisonstart die "Königin der Operette" von Johann Strauss vorgenommen - und gehörig aktualisiert. Die Premiere am Samstagabend wurde ausgiebig bejubelt.

Opernchef Andreas Gergen setzt den seligen Champagnerreigen in den EU-Kontext und trifft mit seiner kunterbunten und temporeichen Inszenierung den Nerv des Publikums. Strauss hat seine "Fledermaus" in der Jahreswende von 1873/1874 komponiert, mitten in die Krisenstimmung des fatalen Börsenkrachs der Gründerzeit hinein. Gergen nimmt diese Einladung zur Aktualisierung dankend an: Ausgerechnet in Straßburg spielt Graf Eisenstein dem Diplomaten Dr. Falke seinen fatalen Streich. Falke muss im Batman-Outfit (Kostüme: Regina Schill) durch die Europa-Hauptstadt rennen, sein Rachefeldzug setzt das verwickelt-prickelnde Geschehen des Dreiakters bekanntlich erst in Gang.

Der Graf wird folglich zum Scheich "Orl Ofsky" - Gergen entscheidet sich mit Tamara Gura nicht gerade islam-affin für die weibliche Mezzo-Besetzung der Rolle - lädt zum Fest in seinem Flieger (Bühne: Court Watson). Warum der dritte Akt dann in den Niederungen Athens landet, ist nicht wirklich nachvollziehbar - wie vieles an diesem Abend. Doch obwohl Gergen einmal mehr in die Überfrachtungsfalle tappt, funktioniert sein Konzept hier größtenteils. Denn der Strauss-Stoff hält die Assoziationswut und Pointenschleuder der Regie flexibel aus, die rasanten Dialoge zeugen von gutem Timing. Die Frosch-Szene (Werner Friedl scheint wie geschaffen für den begriffsstutzigen Gefängniswärter) sprüht nur so vor Anspielungen auf die aktuelle Lage in Europa, Peter Breuers Choreographien verpassen dem Landestheater-Ballett diesmal illustrierende Sitcom-Funktion.

Der wahre Motor des Abends ist jedoch die Musik. Leo Hussain erweist sich auch im Operetten-Fach als detailversessener Klangschöpfer, der Musikdirektor entlockt dem Mozarteumorchester ein Maximum an romantischer Farbenpracht und bleibt dabei stets sängerdienlich und transparent. Diese Steilvorlage aus dem Graben wissen Ensemble und Gaststars gleichermaßen zu nutzen, allen voran Haus-Bariton Simon Schnorr als Eisenstein von charismatischer Sogkraft und immensen musikdramatischen Fähigkeiten. Die Rosalinde ist mit Netta Or luxuriös besetzt, Koloratursicherheit und Schattierungsreichtum der Gastsopranistin bleiben an diesem Abend unerreicht.

Katharina Bergrath gibt als füllig timbrierendes Stubenmädchen Adele ein ansprechendes Haus-Debüt, der herrlich brachial-komödiantische Gefängnisdirektor Einar Gudmunssons sowie Tobias Scharfenberger als distinguierter Dr. Falke fügen sich stimmig in das auch in heiklen Duetten und Ensembles äußerst homogen wirkende Sängerteam. Am Premierenabend gab es zuletzt noch Konfettiregen zum Krisenfest, schließlich hat sich in der Geschichte noch jede bessere Gesellschaft als krisenfest erwiesen.

Diskutieren Sie mit - posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung!