KarriereLehrling und Chef

Robert Kanduth begann als Schlosserlehrling und ist heute Firmenchef. Im Unternehmen arbeiten Lehrlinge an neuen Karrieren.

Vom Lehrling zum Chef des eigenen 450-Mann-Betriebs: Robert Kanduth © Hannes Krainz
 

Da bin ich jeden Tag um 4.45 Uhr aufgestanden. Mit Bus, Zug und Wartezeiten dazwischen war ich dann zwei Stunden später bei der Arbeit“, erzählt Robert Kanduth über seine Lehrzeit. Der Chef von Greenonetec im Industriepark in St. Veit, dem weltweit größten Hersteller von Solarkollektoren, hat bei der Schlosserei Lagler in Klagenfurt eine klassische Schlosserlehre absolviert und in den folgenden Jahren eine „Karriere mit Lehre“ hingelegt.

„812 Schilling hab ich damals verdient, die Hälfte davon musste ich in die Fahrkarten investieren“, erinnert sich der Unternehmer. Im Winter sei es in der Halle der Schlosserei so kalt gewesen, dass bei der Kreissäge das Wasser eingefroren sei. Die Gesellenprüfung hat Kanduth mit Auszeichnung bestanden. Der nächste Arbeitgeber war dann Philips in Klagenfurt. Und bei der Meisterprüfung genau an seinem 22. Geburtstag machte sich Kanduth selbst den Meister zum Geschenk. 

„Dann habe ich aber gesehen, dass ich im Unternehmen nicht mehr weiterkomme und dass Uniabsolventen für Abteilungsleiterjobs bevorzugt werden. Da habe ich zum ersten Mal begonnen, über die Selbstständigkeit nachzudenken“, erzählt er. An den Wochenenden und am Abend hat der heute erfolgreiche Unternehmer nebenbei in einer Garage Sonnenkollektoren zusammengebaut. „Es war faszinierend, etwas zu bewegen und zu entwickeln, neue Ideen umzusetzen.“ Der Boom in der Solarbranche hat ihm dann sehr bald hohe Umsätze beschert. Die jährliche Produktionskapazität liegt heute bei 1,6 Millionen Quadratmeter Kollektorfläche. Aus dem Garagenunternehmen ist ein weltweiter Exporteur geworden.

Intensive Lehre: Lehrling Christopher Valenta und Ausbilder Martin Raunig Foto © Hannes Krainz

Unter seinen mehr als 450 Mitarbeitern sind immer vier bis sechs Lehrlinge, die im Unternehmen ausgebildet werden. Einer von ihnen ist der 17-jährige Christopher Valenta. Er ist im dritten Lehrjahr und schon bald fertig ausgebildeter Maschinenbautechniker. Firmenchef Robert Kanduth und dessen Karriere sind für den jungen Maria Saaler ein Vor- bild. Fräsen, Drehen, Fertigungstechnik und die Lösung individueller Problemstellungen gehören zum Alltag des Lehrlings.

7 Fakten, die Sie wissen müssen

1. Maschinenbautechniker: Entwicklung/Konstruktion von Maschinen.

2. Wichtig: gutes räumliches Vorstellungsvermögen.

3. Und: Mathematik/Geometrie

4. Weil keine Serienteile gefertigt
werden, ist Problemlösungskompetenz gefragt.

5. Spannende Lehre aufgrund der vielen Herausforderungen.

6. Ausbilder raten vorab zur Stärkenschwächen-Analye.

7. Schnuppertage in Firmen empfohlen.

Unterstützt wird er dabei von seinem unmittelbaren Ausbilder Martin Raunig. „Die Schwierigkeit für die Lehrlinge liegt darin, dass man eine räumliche Vorstellung entwickeln muss“, beschreibt Raunig. Ob er zusätzlich zur Lehre vielleicht doch auch noch die Matura machen will, weiß Valenta heute noch nicht: „Erst einmal die Abschlussprüfung und dann sehen wir weiter.“

Und welchen Weg würde Firmenchef Robert Kanduth heute einschlagen, wenn er noch einmal vor der Wahl stünde? „Wenn ich wüsste, dass das Gleiche herauskommt, würde ich es wieder genauso machen. Und wenn ich jungen Menschen heute einen Rat geben müsste, würde ich empfehlen, eine Lehre mit Matura zu machen. Das ist das Beste, was es gibt.“ Mit der anschließenden Meisterprüfung würde dann auch der Weg in die Selbstständigkeit offenstehen. „Oder man hängt noch ein technisches Studium an.“

Mein Karrieretipp

"Ich würde zu einer Karriere mit Matura raten. Da stehen alle Möglichkeiten offen."

Kanduth selbst hat übrigens ebenfalls die Berechtigung, Lehrlinge auszubilden – theoretisch. Praktisch überlässt er das seinen erfahrenen Mitarbeitern. Ob es schwierig ist, geeignete Lehrlinge zu finden? „Nein. Das ist für uns kein Problem. Die jungen Menschen sehen es als interessanten Job mit Zukunft.“ 

Zur Person

Robert Kanduth hat dreieinhalb Jahre lang in Klagenfurt den Beruf des Schlossers erlernt. Dann Wechsel zu Philips inKlagenfurt. Mit 22 Jahren war Kanduth einer der jüngsten Meister. Weil weitere Karrieremöglichkeiten nicht gegeben waren, folgte der Entschluss, in die Selbstständigkeit zu wechseln. Die ersten Sonnenkollektoren hat er in der Garage gebaut. Heute werden sie weltweit exportiert, der Unternehmer beschäftigt in St. Veit 450 Mitarbeiter.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.