Big Bang Theory oder Indiana Jones?Warum Vorbilder für junge Menschen so wichtig sind

Vorbildfunktion: Welchen Einfluss haben Figuren in TV und Film auf Studienwahl und Berufswunsch junger Menschen?

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An Schrödingers Katze haben sich wohl schon zahlreiche Physiklehrer die Zähne ausgebissen. Der spleenige Physiker Sheldon Cooper braucht in „Big Bang Theory“ nur wenige Minuten, um Tausenden ewig damit in Erinnerung zu bleiben – zumindest mit dem Begriff. Und nicht nur das schaffte die Serie rund um die kauzigen Jungforscher, sondern auch Wissenschaft in die heimischen Wohnzimmer zu bringen und damit neue und andere Berufswünsche in jungen Menschen zu wecken. Genau wie das Wissenschaftskabarett „Science Busters“, dem es mit einem amüsanten Mix aus Alltagsfragen und deren Erklärung mit fachlichem Hintergrundwissen gelang, Jugendliche für Naturwissenschaften zu begeistern. 

Digital Career Days

Die Kleine Zeitung bietet mit den Digital Career Days Schülern die Chance, sich bei digitalen Vorträgen zu den verschiedensten Studienangeboten zu informieren.

Es gibt eine Vielzahl an Vorträgen. Unter anderem: „Lehrer? Ein Beruf für mich?“ (PH Kärnten), Schnuppervorlesungen zum Thema Klimawandel (FH Joanneum) oder „Kunststoffrecycling – Mittel zum Zweck?“ (Montanuni Leoben).
21. und 22. Jänner unter www.kleinezeitung.at/pimpyourcareer
Keine Anmeldung erforderlich.

"Orientierungshilfe beim Aufwachsen"

Aber warum spielen Vorbilder eine so große Rolle in unserem Leben? „Weil wir uns von Geburt an das Leben von Vorbildern abschauen. Diese ,Großen‘ haben schon viel erlebt, also wollen wir so werden wie sie. Sie sind unsere Orientierungshilfen beim Aufwachsen“, erklärt Reinhild Wallner, Gesundheitspsychologin mit Schwerpunkt Teenagercoaching in Graz.

Reinhild Wallner, Psychologin mit Schwerpunkt Teenagercoaching Foto © Juergen Fuchs
Vor allem für Jugendliche sind Idole ein Wegweiser an der persönlichen Kreuzung zum Erwachsenwerden. „Junge Menschen sind gefordert, sie sollen Berufswünsche entwickeln und sich eine eigene Zukunft aufbauen. Wichtig ist ihnen dabei aber, kein ,fader Abklatsch‘ der eigenen Verwandtschaft zu werden. Daher richten sie ihren Blick, anders als kleine Kinder viel stärker auf Vorbilder außerhalb der Familie.“

Wissenschaft für alle

Chemikerin Mai Thi Nguyen-Kim ist vielen aus ihrem Youtubekanal „mailab“ und der Sendung „Quarks“ bekannt. Wissenschaft – leicht verständlich.
Die „Science Busters“ mit Fixstern Martin Puntigam formierten sich 2007, um der breiten Masse wissenschaftliche Phänomene mit Witz zu erklären.

Das kann der Coach im Sportverein sein, eine Politikerin, ein Start-up-Gründer oder eine Lehrperson in der Schule. Vor allem für Mädchen und junge Frauen ist es wichtig, eine Vielzahl starker Rollenvorbilder zu haben. „Wenn Mädchen völlig selbstverständlich die Leitung eines Großkonzerns oder die Leitung eines Staats in Frauenhand erleben, dann bauen sie ein vollkommen neues Rollenverständnis auf.“

"Motivierend begleiten"

In der Entwicklungspsychologie spricht man vom „Lernen am Modell“. Junge Menschen beobachten ihr Vorbild und übernehmen und adaptieren die Verhaltensweisen. Auf diesem Weg kann beispielsweise Mut entstehen. Wenn man sieht, der oder die hat das auch geschafft, dann kann ich es auch schaffen. „Wenn Studierende, die am Anfang ihrer Laufbahn stehen, von ihren Lehrpersonen bei ihren ersten wissenschaftlichen Arbeiten motivierend angeleitet werden, dann passiert genau das. Die ,Großen‘ zeigen vor, leiten an und begleiten – die ,Jungen‘ machen nach, machen Fehler, passen an und ergänzen“, erklärt Reinhild Wallner.

Vom Vorbild zum Mentor

In der späteren Laufbahn wandelt sich das Vorbild dann eher zu einem Mentor – das sind jene Menschen, die gerne in Dankesreden erwähnt werden. In zahlreichen Firmen werden aus diesem Grund Mentoringprogramme ins Leben gerufen, in denen erfahrene Kollegen junge Führungspersonen unter ihre Fittiche nehmen und sie mit dem passenden Rüstzeug für die Zukunft ausstatten.

Doch zurück zur Jugend: Ist die Gefahr nicht groß, dass die Realität mit der erfundenen TV-Welt nicht mithalten kann? „Die Gefahr besteht“, so Wallner. „Aber vielleicht genügt schon die Darstellung, um Interesse zu wecken. Und später werden im Zuge der Ausbildung realistische Vorbilder gefunden, an denen sich junge Menschen orientieren können.“

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