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Lehre während der PandemieRewe-Group: "Große Unsicherheit herrscht bei Lehrabschlussprüfungen"

Doris Rannegger, Leiterin der Rewe-Group Karriereschmiede über das Lehrlings-Recruiting in Zeiten der Coronakrise.

Doris Rannegger, Leiterin der Rewe-Group Karriereschmiede © (c) dijana Idinger
 

Wie sehen die größten Veränderungen im Recruiting, aber auch in der Lehrlingsausbildung seit der Coronakrise aus?

Wir haben im Vergleich zum Vorjahr nach dem Lockdown einen deutlichen Bewerbungsanstieg verzeichnen können. Bipa hat daher die Lehrlingssuche für dieses Jahr bereits beendet. Unsere Handelsfirmen im Lebensmitteleinzelhandel (Billa, Merkur, Penny) sind weiterhin aktiv auf der Suche nach Lehrlingen. Die Absage praktisch aller Lehrlingsmessen nimmt uns einen wichtigen Kontakt zu potenziellen Lehrlingen und ihren Eltern. Auch der Wegfall beziehungsweise die Reduktion der Berufspraktischen Tage reduziert für unsere Filialen die Möglichkeit, Jugendlichen die Vielfalt unserer Lehrberufe zu zeigen. Die Lehrabschlussprüfungen fanden oder finden hingegen für fast alle unserer Lehrlinge wie geplant statt und mussten nicht verschoben werden.

Haben Sie auf digitale Lösungen gesetzt?

Wir haben während des Lockdowns für die Filial-Bewerbungsgespräche vermehrt auf Erstgespräche per Video gesetzt, da wir den Bewerbern  schnelle Prozesse ermöglichen wollten. Unser Lehrlingstest findet seit 2011 online in den Filialen statt. Hier haben wir nur während des Lockdowns die Termine ausgesetzt. Für Seminare sind wir auf Onlinetools umgestiegen. Auch die Berufsschulen haben einen massiven Digitalisierungssprung gemacht. Es ist wichtig, gut zu reflektieren welche der neuen Methoden auch weiterhin in die Lehrlingsausbildung eingebaut werden sollten.

Beeinflussen digitale Lösungen – Bewerbung per Videokonferenz – den Bewerbungsprozess und den so wichtigen ersten Eindruck?

Ein klares: Ja. Es ist etwas anderes, ob man den Lehrling persönlich oder in einem virtuellen Raum das erste Mal kennenlernt. Leider geht die zwischenmenschliche Kommunikation - Händedruck, Gesamteindruck, Gestik - bei einem Videointerview verloren. Auch Berufspraktische Tage sind nicht digitalisierbar.

Wie wichtig ist der persönliche Kontakt zu Lehrlingen?

Sehr wichtig. Erst, wenn man den Lehrling das erste Mal persönlich sieht und ihm die Tätigkeit näherbringt, kann man gut einschätzen, ob er ins Filialteam passt. Auch umgekehrt gesehen, weiß der Lehrling erst nach dem Schnuppern, ob er sich in der Filiale wohlfühlt und die Tätigkeiten seinen Vorstellungen entsprechen. In der Berufsschule finden wir den zwischenmenschlichen Austausch sehr wichtig. Viele Skills sind nur in der zwischenmenschlichen Interaktion erlebbar und erlernbar. Bei Seminaren ist eine Mischung mit digitalen Methoden durchaus vorstellbar.

Haben Sie Vorkehrungen für den Herbst getroffen?

Das Lehrlings-Recruiting beginnt für den Großteil unserer Handelsfirmen erst wieder ab Jänner 2021. Für die weitere unterjährige Lehrlingsaufnahme unserer Handelsfirma Billa werden wir vermehrt auf Videointerviews setzen. Grundsätzlich kann gesagt werden: Der Handel ist als Branche sehr flexibel und Veränderungen und die Reaktion darauf ist für uns seit Jahren ein Erfolgsrezept. Wir haben in den letzten Monaten sehr viel im Bereich der Lehrlingsausbildung an alternativen Methoden ausprobiert und uns über alle Konzernfirmen hinweg ausgetauscht. Unsere Seminare und auch die Berufsschultermine sind geplant – sollten die Infektionszahlen eine Änderung der Umsetzung erfordern, können wir flexibel reagieren.

Sie sind nahe an den Lehrlingen dran: Wie gehen junge Menschen mit der derzeit allgemein vorherrschenden Unsicherheit um?

Große Unsicherheit herrscht aktuell bei den Lehrabschlussprüfungen, da es ohnehin für viele Jugendliche stressige Situation ist. Hier haben wir gemeinsame Prüfungstermine in den Bundesländern organisiert und stellen den Jugendlichen in Abstimmung mit den Wirtschaftskammern (für die Organisation der Prüfung verantwortlich) eine Begleitperson zur Seite. Dabei geht es nicht darum bei der Prüfung dabei zu sein, sondern die Gruppe an diesem Tag zu begleiten und bei Bedarf emotional zu unterstützen.

Denken Sie, dass diese Krise Einfluss auf das allgemeine Image des Lehrberufs haben wird?

Ich denke gerade unsere Branche profitiert in dem Sinn von der Krise, dass die Gesellschaft gesehen hat wie lebensnotwendig der Lebensmittelhandel ist. Während und nach dem Lockdown verlor, aufgrund der Krise, niemand seinen Job. Ein sicherer Ausbildungs- und danach auch Arbeitsplatz ist für viele Jugendliche wichtig.

Nun noch eine allgemeine Frage: Haben Sie Tipps für Bewerber? Wie kann man im Bewerbungsprozess punkten?