Zuhause abtauchenStille Wasser sind lukrativ: Aus dem Leben eins Poolverkäufers

Sonne, Strand, Meer? Bei Letztem kann Joachim Onzek nachhelfen. Er verkauft Pools im Premiumsegment und verrät, warum er selbst immer seltener abtaucht.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
Joachim Onzek, Pool, Swimmingpool
Joachim Onzek, Pool, Swimmingpool © (c) © Helmut Lunghammer (HELMUT LUNGHAMMER Helmut Lunghammer)
 

Lektion Nummer eins: Poolbecken sind nicht türkis. „Ich habe noch nie in meinem Leben einen türkisen Pool verkauft“, sagt ein gut angebräunter Joachim Onzek mit aufgekrempelten Ärmeln vor einem so herrlich aquamarinen Hintergrund, dass er sich die Visitenkarten eigentlich gleich ganz schenken könnte. Das Modell, das im gerade eröffneten „Perfect Pools“-Schaugarten in St. Ruprecht an der Raab Zaudernden den letzten Stoß in Richtung Daheimköpfeln geben soll, heißt Linea und ist einer der Topseller des Poolhändlers – weil für Schwimmer geeignet. Nebenan befindet sich die Alternative für Ruhesuchende und Familien: Avalos. Breite Stufen mit vielen Relaxzonen. Ist der Garten zu klein? Dann schwimmt man einfach gegen die Gegenstromanlage.

Und damit wäre man schon beim Fachgebiet des Voitsbergers angekommen: dem Verkauf. „Swimmingpools bringt man nicht nur mit Expertise an den Mann. Das geht vor allem über die Emotion“, sagt er wissend.

Als Kind wollte der Poolhändler eigentlich Elektriker werden, weil er aber keine Lehrstelle fand, wurde es dann doch eine Lehre zum Bürokaufmann in einer Tischlerei. Wo er allerdings nur wenig Kaufmännisches lernte, sich dafür aber zum absoluten Verkaufsprofi im Fensterbereich mauserte. „In den Fächern, in denen ich in der HAK damals noch lauter Fünfer hatte, habe ich in der Berufsschule sogar den Lehrer vertreten. Ich habe einfach die Praxis gebraucht, weil ich mit der Theorie nichts anfangen konnte.“ Nach dem Lehrabschluss macht er sich bald mit einem Fensterstudio selbstständig – „aber für Häuslbauer ist das ja nur ein Loch in der Wand“. Da lassen sich Löcher im Boden schon eher mit Träumen füllen.

"Badefertige Pools"

Bald übergibt er die Firma seinem ehemaligen Chef, macht sich auf Jobsuche und wird in der Kleinen Zeitung bei einem Jobinserat bei einer Firma für Poolüberdachungen fündig. „Eigentlich waren schon alle Stellen vergeben“, sagt er und grinst. „Aber ein Freund von einem Freund hat gehört, dass ich mich bei so einer Firma bewerbe und war eh grad auf der Suche nach einer Abdeckung. So hatte ich schon meinen ersten Auftrag in der Tasche, bevor ich überhaupt den Job hatte. Deswegen hat man schließlich eine Stelle für mich geschaffen.“ Einige Jahre später gründet Joachim Onzek gemeinsam mit zwei Kollegen 2007 „Perfect Pools“ mit Niederlassungen in der Steiermark, in Kärnten und Bayern.

„Swimmingpools bringt man nicht nur mit Expertise an den Mann. Das geht vor allem über die Emotion“

Joachim Onzek, Verkäufer
Heute bietet der 49-Jährige „badefertige Pools“ im Premiumsegment an – ab 40.000 Euro aufwärts. „Man kann das wie den Begriff ,schlüsselfertig‘ bei Häusern verstehen.“ Aber nicht nur um den Pool, sondern auch ums Drumherum wie Außenbereich, Garten oder Beschattung kümmert er sich. Hinter Onzek liegen also schon einige starke Sommer, aber der heurige war schon etwas ganz Besonderes. „Dieses Cocooning, dieses Daheimzurückziehen und es sich gemütlich machen, gab es schon vor Corona, aber das wird nun immer mehr werden.“ Aber auch die Käuferschicht befindet sich im Wandel. Während zu Beginn seiner Laufbahn noch 50- oder 60-Jährige kamen, sind es heute die 30- und 40-Jährigen. „Früher war es so, dass man zuerst einmal Haus gebaut und dann weitergesehen hat, heute denken die Leute schon mehr in Komplettlösungen.“ Hinzu kommt, dass sich die Poolsaison durchaus verlängert hat.

Enorme Nachfrage

Aber nicht nur in der Steiermark ist die Nachfrage enorm, auch Onzeks Kärntner Kollege, Udo Maurer, kann sich vor Aufträgen nicht retten – auch rund um den Wörthersee. Onzeks Erklärung: „Die Leute verbringen zum Beispiel den ganzen Tag am See, wollen dann aber zu Hause am Abend auch noch in den Pool springen.“ Was er selbst übrigens nicht immer schafft. „An manchen Tagen bekomme ich bis zu 400 Anrufe und bin dann zu müde zum Schwimmen. Dann sitze ich einfach nur da und schaue aufs türkise Wasser, das alleine entspannt schon.“

Apropos: Die für Pools so typische Farbe entsteht durch das Zusammenspiel von Wasser und Sonnenlicht. „Poolbecken sind weiß oder grau“, erklärt der Experte. Sei’s drum: Hauptsache erfrischend.